20.10.2017 - 11:51

Vielen droht Altersarmut Rente in Deutschland: Studie zeigt die größten Probleme auf

Die Rente in Deutschland ist an vielen Stellen ungerecht, so dass viele Menschen in Zukunft von Altersarmut bedroht sein werden.

Foto: iStock/FredFroese

Die Rente in Deutschland ist an vielen Stellen ungerecht, so dass viele Menschen in Zukunft von Altersarmut bedroht sein werden.

Eine aktuelle Studie der OECD zeigt die Probleme der deutschen Rente auf und warnt vor der Zukunft. Viele Menschen werden von Altersarmut bedroht sein.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Rente in Deutschland genauer unter die Lupe genommen. Der Titel des Papiers: "Preventing Age Unequality", Ungleichheit im Alter vermeiden.

Das Ergebnis der Studie: Den deutschen Rentnern ging es nie besser als heute. Nur wenig sind auf Unterstützung vom Staat jenseits von Rente und Vorsorgeleistungen angewiesen. Die OECD warnt aber: Das Risiko von Armut und Ungleichheit im Alter nimmt für die heute jüngeren Generationen zu.

Ihr Leben als Rentner wird sich im Vergleich zu heutigen Pensionären dramatisch verändern. Gerade für all jene, die nach 1960 geboren sind, gerät das Alter demnach zur Herausforderung. Das liege einerseits am demografischen Wandel, andererseits an immer vielfältigeren Erwerbsbiografien.

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Rente in Deutschland: "Die Armutsrisiken sind von Alt zu Jung gewandert"

Unter den künftigen Ruheständlern gibt es viele, die schlecht für das Alter abgesichert sind. Als Risikogruppen gelten vor allem Alleinerziehende, Geringverdiener und Langzeitarbeitslose. "Die Armutsrisiken sind von Alt zu Jung gewandert", stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nun zur Ungleichheit im Alter fest. Galt bisher, dass jede Generation im Alter besser dastand als ihre Elterngeneration, so droht sich der Trend bald umzukehren. Ein Anzeichen dafür: Mittlerweile sind Kinder in Deutschland fünfmal häufiger auf die staatliche Grundsicherung angewiesen als die über 65-Jährigen.

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Vor allem Frauen sind von Altersarmut bedroht

Vor allem Frauen wird die Altersarmut in Zukunft betreffen. Sie beziehen im Schnitt 46 Prozent weniger Rente als Männer – ein Rekordwert in der OECD. Diese Diskrepanz dürfte auch in Zukunft bestehen bleiben, denn noch immer arbeiten viele Müttern dauerhaft in Teilzeit.

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Die Probleme im deutschen Rentensystem

  • Einkommensstruktur: Ein Grund für die wachsende Ungleichheit im Alter ist die zunehmende Spanne bei den Einkünften während des Erwerbslebens. Eine schlechte Schulbildung führt häufig zu schlecht bezahlten Jobs oder gar zu langen Phasen der Arbeitslosigkeit. Wer danach in Rente geht, wird meist finanzielle Probleme haben. Hochqualifizierte arbeiten hingegen besonders häufig auch noch im Rentenalter weiter und bessern so ihr ohnehin gutes Alterseinkommen auf.
  • Altersstruktur: Durch die Verbesserung des Gesundheitswesens werden die Menschen immer älter. Das trifft laut der Forscher vor allem auf gebildete Menschen zu. In der OECD-Studie heißt es dazu: "Ein 25-jähriger männlicher Uni-Absolvent wird im Durchschnitt um acht Jahre länger leben als ein weniger gebildeter Mann gleichen Alters. Bei Frauen beträgt der Unterschied 4,6 Jahre."
  • Immer mehr Rentner: Kamen 1980 im OECD-Raum noch 20 Menschen über 65 Jahre auf 100 im arbeitsfähigen Alter, so sind dies heute bereits 28. Bis 2050 wird sich ihre Zahl auf dann 53 fast verdoppelt haben, in Deutschland von jetzt schon 35 auf dann 64 Menschen.
  • Chronische Erkrankungen: Bei bildungsfernen Gruppen wirken sich chronische Gesundheitsbeschwerden besonders dramatisch auf die Einkommenssituation aus. Sie erzielen im Laufe des Lebens 33 Prozent weniger Einkommen. Chronisch Kranke mit guter Bildung haben hingegen nur 17 Prozent weniger Einkommen.
  • Rentenstruktur: Wie viel Rente jeder einzelne später bekommt, ist in Deutschland sehr stark vom Einkommen abhängig. Geringverdiener kommen mit der staatlichen Rente im Alter nur auf 55 Prozent ihres früheren Lohnes, damit ist die Gefahr in die Altersarmut abzurutschen viel größer.
  • Geschlechtsunterschiede: Deutschland hat zudem von allen Industrieländern den größten Geschlechterunterschied bei der Rente. So liegen die Frauenrenten hierzulande um 46 Prozent unter den Männerrenten, OECD-weit beträgt der Unterschied nur 27 Prozent.

Das empfehlen die Forscher

Die Forscher empfehlen, dass nicht erst bei der Rente angesetzt wird mit Maßnahmen zur Vorbeugung von Altersarmut, sondern schon viel früher. Für Kinder aus sozial schwachen Elternhäusern sollten die Voraussetzungen im Bildungswesen verbessert werden. Dafür seien vor allem qualitativ gute Kitas und Schulen nötig. Auch der Übergang von der Schule ins Berufsleben sollte optimiert und vereinfacht werden. Und während des Berufslebens sollte es genügend Weiterbildungsmöglichkeiten geben, auch für Frauen in Teilzeitberufen. Desweiteren sind laut OECD Maßnahmen im Gesundheitsschutz vonnöten, damit die Kosten im Gesundheitswesen nicht explodieren.

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