16.10.2017 - 15:47

„Aufgeben ist keine Option“ Nadine: Mein Leben mit einem Tumor im Kopf

Sie lässt sich trotz des Tumors im Kopf den Spaß nicht nehmen: Nadine mit ihrem Mann Jürgen und ihren beiden Kindern im Urlaub.

Foto: privat

Sie lässt sich trotz des Tumors im Kopf den Spaß nicht nehmen: Nadine mit ihrem Mann Jürgen und ihren beiden Kindern im Urlaub.

Vor einigen Jahren wurde bei Nadine ein Gehirntumor diagnostiziert. Ein Schock für sie und ihre Familie. Seitdem hat sich viel in ihrem Leben geändert. Mit ganz viel Willen und Lebensmut nimmt sie den Kampf gegen den Krebs auf. Mit bildderfrau.de hat sie darüber gesprochen.

Nadine hatte ein ganz normales, glückliches Leben. Die 40-Jährige wohnt in einer ländlichen Gegend an der holländischen Grenze mit ihrem Mann Jürgen und ihren beiden Kindern, Olli (18) und Jonas (15). Von Beruf ist Nadine Hauswirtschafterin. Sie betreut auf einem alten Bauernhof zehn, teils demente, Senioren. Alles war soweit gut, und ihr Leben hätte einfach so weitergehen können…

Der 3. März 2013 hat auf einen Schlag alles verändert! Ärzte diagnostizierten einen Tumor in ihrem Kopf. Seitdem kämpft Nadine gegen den Krebs – dabei beweist sie sehr viel Stärke, lässt sich trotz zahlreicher Rückschläge nicht unterkriegen. Denn Nadine hat ein Ziel: sie will Leben! Ein Interview mit einer ganz starken Frau.

bildderfrau.de: Nadine, was ist genau passiert am 3. März 2013?

Nadine: Ich hatte nachts einen großen "Grand Mal“. Das ist ein epileptischer Anfall. Mein Körper hat im Bett unkontrolliert gezappelt, ich habe gestöhnt und war blau im Gesicht. Ich habe davon gar nichts mitbekommen, mein Mann Jürgen ist aber in dem Moment wach geworden. Nachdem ich wieder ansprechbar war, sind wir ins Krankenhaus gefahren. Zu dem Zeitpunkt habe ich mir noch keine großen Sorgen gemacht, dass ich ernsthaft krank sein könnte.

Was wurde im Krankenhaus gemacht?

Nach der Einlieferung ins Krankenhaus ging es mir eigentlich wieder ganz gut, ich hatte keine Schmerzen. Die Ärzte haben ein CT gemacht und mir einige Fragen gestellt. Danach war aber schnell klar, dass mit mir irgendwas nicht stimmt. Auf die Frage, wer der aktuelle Bundeskanzler sei, habe ich mit Angela Schröder geantwortet. Das CT hat dann deutlich den Tumor im Kopf gezeigt.

Das war natürlich ein absoluter Schock für uns alle. Ich hatte bis dahin keine Beschwerden. Ich hatte nie Kopfschmerzen, Schwindel oder ähnliches – und dann diese Diagnose. Im Krankenhaus folgten daraufhin unzählige weitere Tests.

Bei der ersten OP konnte der Tumor nicht komplett entfernt werden

Wie ging es dann weiter?

Es war schnell klar, dass ich um eine Operation nicht herumkomme, der Tumor musste großflächig entfernt werden. Ein schwieriger Eingriff, bei dem natürlich eine Menge schiefgehen konnte. Aber ich hatte gar keine Zeit, mir viel Gedanken darüber zu machen. Die Ärzte haben entschieden, und ich musste da durch.

Die OP verlief gut, ich hatte ganz großes Glück, dass ich keine Folgeschäden davongetragen habe. Es hätte zum Beispiel sein können, dass ich nach dem Eingriff nicht mehr sprechen kann. Ein Problem gab es dennoch: Die Ärzte konnten den Tumor nicht vollständig entfernen, da er an drei Hirnlappen festsaß. Es folgte eine Chemotherapie, außerdem wurden regelmäßig MRT-Kontrollen durchgeführt, um die Reste des Tumors zu überwachen.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man weiß, dass da noch etwas im Gehirn ist, was da nicht hingehört?

Das ist natürlich nicht schön. Die Krankheit begleitet einen den ganzen Tag und natürlich auch in schlaflosen Nächten. Mir war immer klar, dass der Tumor wieder wachsen könnte. Aber ich war nie alleine mit meinen Ängsten und Sorgen. Meine Familie war immer für mich da.

Anfang des Jahres hattest du erneut einen Rückschlag. Was ist passiert?

Vier Jahre lang sah alles ganz gut aus, bei den Kontrolluntersuchungen wurden keinen Veränderungen im Gehirn festgestellt. Ich hatte nur leichte Probleme im Alltag, ich konnte zum Beispiel keine laute Musik mehr ertragen und war ein bisschen unsicher beim Laufen. Aber ansonsten ging es mir gut – bis zum Januar 2017. Die Ärzte stellten fest, dass der Tumor wieder gewachsen war – er war sogar bösartig. Ich musste erneut operiert werden. Auch die zweite Operation verlief gut, der Tumor konnte dieses Mal vollständig entfernt werden. Trotzdem bin ich natürlich noch nicht wieder komplett gesund.

Ich stecke gerade Mitten in der Chemo

Wie geht es dir jetzt gerade?

Ich stecke mitten in der zweiten Chemotherapie. Die Nebenwirkungen sind heftig. Meine Gelenke tun sehr weh, der Appetit fehlt, und ich habe seit Februar 15 Kilogramm abgenommen. Aber ich gebe nicht auf.

Hattest du jemals das Gefühl, dass du den Tumor nicht besiegen kannst?

Nein, ich bin ein positiv denkender Mensch. Ich habe die Krankheit akzeptiert und ich werde dagegen ankämpfen. Aufgeben ist für mich keine Option. Ich setzte mich viel mit dem Thema Gehirntumor auseinander. Ich gucke regelmäßig, welche neuen Therapieformen es gibt und fahre zu Vorträgen und Fortbildungen.

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Wie sieht dein Alltag derzeit aus?

Ich kann natürlich derzeit nicht arbeiten. Und ich brauche in einigen Situationen die Hilfe von meiner Familie. Aber mir geht es soweit gut. Ich will nicht klagen. Ich kann das Haus verlassen, ich treffe mich mit Freundinnen oder gehe mit unserem Hund raus. Ich versuche einfach, mich regelmäßig zu bewegen und mich gut zu erholen. Zu Hause sitzen und drüber nachdenken, wie schlimm alles ist, das ist einfach nicht mein Ding.

Alle geben mir Halt und Kraft

Welche Bedeutung haben dein Mann und deine Kinder? Und wie kommen Sie mit deiner Erkrankung klar?

Ich lasse mich nicht unterkriegen und sie helfen mir sehr dabei. Mein Motto ist: Kopf hoch und nicht in Watte packen. Unsere Kinder sind immer auf dem Laufenden, was meine Krankheit angeht, wir sprechen locker darüber. Wenn ich Hilfe brauche, sind alle da! Aber nicht nur das, ich habe auch super Freunde und Verwandte. Alle geben mir Halt und Kraft.

Tauschst du dich auch mit anderen Hirntumor-Patienten aus?

Ja, ich habe sogar eine Selbsthilfegruppe gegründet. Wir treffen uns alle zwei Monate zum Quatschen, Spaß haben und Erfahrungen austauschen in Münster. Das hilft sehr, dieses Gefühl zu haben, dass man nicht alleine ist mit der Krankheit. Ich will mich nicht verkriechen, ich will trotz meiner Krankheit mein Leben genießen. Und ich will meine Erfahrungen an andere Patienten weitergeben. Es gibt immer wieder neue Therapieformen und Informationen zum Thema Gehirntumor. Darüber sprechen wir in der Gruppe. Es kann übrigens jeder vorbeikommen, der ebenfalls von der Krankheit betroffen ist.

Was sind deine Ziele und Wünsche für die Zukunft?

Mein größter Wunsch ist natürlich, wieder gesund zu werden. Ich habe noch viel vor im Leben. Und ich weiß jetzt einfach noch viel mehr, wie kostbar das Leben ist.

Mehr Informationen zur Selbsthilfegruppe von Nadine finden Sie unter www.selbsthilfe-hirntumor-muenster.achuthan.de

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