23.06.2017

Tierquälerei Das Leid der Kutschpferde

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Eine Kutschfahrt kann so romantisch sein – darüber vergessen viele aber das oft leidvolle Leben der Pferde: sie sind Quälereien ausgesetzt und brechen regelmäßig zusammen.

Foto: iStock/amoklv

Eine Kutschfahrt kann so romantisch sein – darüber vergessen viele aber das oft leidvolle Leben der Pferde: sie sind Quälereien ausgesetzt und brechen regelmäßig zusammen.

In der Kutsche durch die Ferienstadt zockeln – für uns ein Urlaubs-Highlight, für die Pferde oft lebensgefährliche Quälerei.

Schwer atmend liegt Kutschpferd „Max“ mitten auf der Straße: Der Schimmel ist in New York zusammen gebrochen. Ein Bild, das nicht nur Pferdefreunden das Herz zerreißt. „Ein Skandal“, sagt John Collins, Sprecher der Tierschutzorganisation „NYCLASS“. „Pferde fallen nicht einfach so um. Wir wollen genau wissen, was mit Max passiert ist!

Verkehr, Abgase – das ist Dauerstress für die Tiere

Seit Jahren kämpft die Initiative für ein Verbot von Pferdekutschen in New York. Und nicht nur dort kollabieren Pferde regelmäßig: Auch in Wien oder auf Mallorca gibt es immer wieder traurige Schlagzeilen.

Denise Schmidt von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ warnt: „Die Arbeitsbelastung für die Tiere ist enorm - Touristen, die die Fahrt genießen, ahnen das meist nicht. Teilweise arbeiten die Tiere mehr als zehn Stunden, geregelte Pausen mit Futter und Wasser gibt es nicht.“ Dazu kommt: „Verkehr, Abgase, das Laufen auf dem Asphalt – all das ist Dauerstress für die sensiblen Tiere.“ Und wenn mal Pause, dann oft in der Sonne bei über 30 Grad Hitze – wo sie auf die nächsten Touristen warten.

>> Die Sprache der Pferde verstehen

Auch in Deutschland gibt es Diskussionen um Kutschpferde, zum Beispiel in der Hauptstadt Berlin: „Allein am Brandenburger Tor sind geschätzt 100 Pferde im Einsatz“, sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Auch hier gab es Zusammenbrüche von Pferden. In einer Petition forderten darum 70 000 Menschen einen Kutschen-Stopp: „Pferde sind Fluchttiere, die in einer Großstadt wie Berlin nichts verloren haben!“

Forderungen der Tierschützer

Passiert ist – nichts. Die Pferde ziehen weiter Touristen durch die Stadt. Deshalb fordert Denise Schmidt von „Vier Pfoten: „Die Arbeitszeiten müssen beschränkt werden, es muss regelmäßige Pausen geben, ab 30 Grad hitzefrei für die Pferde und sonst ein überdachter Stand- oder Schattenplatz mit naturbelassenem Boden.“ Der Tierschutzbund plädiert für ein Verbot von Kutschfahrten im Umfeld typischer „Touristenfallen“ in den Städten. Dazu rät Sprecherin Lea Schmitz: „Jeder kann hinsehen. Ist das Fell stumpf, die Hufe gesplittert, sind Rippen beim Pferd zu sehen, gibt es Scheuerstellen vom Geschirr – dann sollten Sie nicht in die Kutsche steigen!“

>> Diese Welpen konnten in letzter Sekunde gerettet werden

Und was ist mit gemütlichen Kutschfahrten zum Beispiel durch die Lüneburger Heide? Am Hochzeitstag die Fahrt der Braut zur Kirche? Da sieht Lea Schmitz weniger Probleme: „Das sind Touren, die fest gebucht werden, wo die Pferde nicht stundenlang arbeiten müssen – und sich nach dem Stress auch auf der Weide wieder erholen können.“ Und genau so sollte es für alle Pferde sein.

Tierschutz im Urlaub unterstützen

Auch bei diesen tierischen Attraktionen sollten Sie lieber „Nein!“ sagen.

  • Delfinarien meiden: Die Meeressäuger leiden in winzigen Betonbecken.
  • Nicht zum Stierkampf: Im Mai und Juni finden allein in Madrid fast täglich Kämpfe statt, bei denen die Stiere sterben oder gereizt werden, bis sie zusammenbrechen.
  • Kein „wildes“ Foto-Andenken: In Osteuropa oder Afrika können sich Touristen mit Baby-Löwen oder Äffchen fotografieren lassen. Die Tiere werden oft mit Medikamenten ruhig gestellt, unter schlimmen Bedingungen gehalten.
  • Nicht auf Elefanten reiten: In Asien werden die Elefanten dafür oft in Ketten gehalten, ausgepeitscht.
  • Keine exotischen Souvenirs kaufen: Ausgestopfte Schildkröten oder Papageien gehören nicht in den Koffer.

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Dieser Beitrag erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 21.

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