03.04.2017

Job, Kind, Haushalt Machen Sie Ihren Alltag ganz einfach stressfreier

Foto: iStock/gruizza

Zu viel Stress im Alltag? Stephanie Schönberger hat praktische Tipps, wie Sie Ihr Leben entspannter gestalten und mehr Zeit für sich haben.

Immer in Eile, immer auf dem Sprung: Wir gönnen uns keine Pausen mehr, muten uns zu viel zu. Ganz egal ob Job, Familie oder Haushalt – an allen „Fronten“ ist jeden Tag voller Einsatz gefragt. Die eigenen Bedürfnisse werden vernachlässigt. Auf Dauer ist das natürlich nicht gut für den Körper, den Geist und die Gesundheit. Der Alltag muss entschleunigt werden. Aber wie?

Stephanie Schönberger hat sich in ihrem neuen Buch „Das Karma, meine Familie und ich: Yoga-Philosophie für einen entspannteren Alltag“ genau damit beschäftigt. Sie gibt praktische Tipps, wie Sie mit kleinen Veränderungen Ihr Leben stressfreier gestalten können. Als Grundlage nimmt sie dafür das uralte Yoga-Wissen aus Indien zusammen mit ihren eigenen Alltagserfahrungen. Aber keine Angst: Sie müssen keine komplizierten und zeitraubenden Yoga-Übungen machen. Der Weg zu einem stressfreieren Alltag ist im Grunde viel einfacher. Frau Schönberger hat bildderfrau.de erklärt, was wir dafür tun müssen.

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bildderfrau.de: Frau Schönberger, schön, dass Sie sich Zeit nehmen für uns, wo der Alltag doch immer stressiger wird und die Zeit immer knapp ist. Sagen Sie uns, wie kann man trotzdem wieder mehr Ruhe und Entspannung finden?

Schönberger: Langfristig, in dem man beginnt, sich bewusst zu machen, was den eigenen Alltag unruhig macht. Dafür braucht man einen klaren Kopf, einen ruhigen Verstand und eine emotionale Stimmungslage, die nicht in Aufruhr ist. Was uns in stressigen Momenten leider meist fehlt. Die Yogis empfehlen dann, sich auf den Atem zu konzentrieren, gut auszuatmen, wieder einzuatmen, vollständig auszuatmen, wieder einzuatmen, solange, bis es in uns ruhiger wird. Mit etwas Übung gelingt das übrigens relativ schnell recht gut. Und das Beste daran ist, dass wir den Atem ja immer mit dabei haben.

Sie haben eben die Yogis angesprochen. Was müssen wir uns darunter vorstellen? Und was ist die Yoga-Philosophie?

Die Ideen der Yoga-Philosophie wollen uns einen Weg zeigen, wie man im Alltag friedlich und zufrieden leben kann, ohne den Körper dabei groß verbiegen zu müssen. Diese Ideen sind weder abgedreht noch esoterisch, wir kennen sie sogar zum Teil schon aus dem Christentum, dem Buddhismus, aus dem Coaching, der Psychotherapie oder von Kalendersprüchen. Ich muss keinen Glauben aufgeben und an keine fremden Götter glauben. Nur ein bisschen genauer auf mein Leben schauen, dabei erkennen, wer und was mich reagieren und handeln lässt. Wir dürfen uns die Aufmerksamkeit schenken, die wir sonst oft vermissen. Und vielleicht lernen wir dabei endlich etwas ganz einzigartiges, einmaliges kennen: Uns selbst.

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Wie kann eine Frau Job, Familie und Alltag dauerhaft unter einen Hut kriegen?

Solange sie glaubt, das alles alleine stemmen zu müssen, denke ich, dass es schwer ist. Wir Frauen sind oft noch so in alten Rollenmustern verhaftet, nehmen es als selbstverständlich hin, für den Haushalt und die Kinder verantwortlich zu sein, auch wenn wir nebenher noch einen fordernden Job haben. Oder wir fürchten, als Mutter zu versagen, eine Rabenmutter zu sein, wenn wir unsere Kinder nicht dreimal täglich selbst verpflegen und auch noch die Hausaufgaben überwachen. Wir sollten lernen, uns von überholten Idealvorstellungen zu lösen, wir sollten beginnen, zu delegieren, und vor allem auch den Vater, sollten wir nicht verwitwet sein, in die Pflicht nehmen. Und wir sollten uns vom eigenen Perfektionswahn befreien. Ich habe neulich einen schönen Spruch gelesen. „Perfekte Menschen sind nicht echt. Echte Menschen nicht perfekt.“ Was wollen wir sein? Perfekt oder echt?

Warum kommt uns der Alltag immer stressiger vor?

Wenn ich mir ansehe, wie es bei mir lange lief und wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umschaue, dann würde ich sagen, weil wir uns zu viel ins Leben packen. Vor allem wir Frauen sind oft Multi-Taskerinnen, dabei verzetteln wir uns aber irgendwann, uns fehlen die Verschnaufpausen, die Auszeiten, in den wir uns nur um uns selbst kümmern. Das führt zu einem Gefühl der Fremdbestimmung, der Hilflosigkeit und zu der Ahnung, dass man sein eigenes Leben verpasst. Und das stresst. Die Selbstpflege sollte darum ein fester Bestandteil unseres Alltags sein, so wie das tägliche Zähneputzen.

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Stress überträgt sich schnell auf die Kinder. Wie kann ich das vermeiden?

Ganz ehrlich? Ich glaube gar nicht. Der Dalai Lama und auch die Yogis sagen, den Frieden, den du im Außen suchst, musst du in dir finden. Möchte ich entspannte Kinder, muss ich selbst entspannt sein. Kinder haben, meiner Meinung nach, ein sehr feines Gespür, ihnen kann man auf Dauer nichts vorspielen.

Immer mehr Menschen leiden unter Burnout oder anderen stressbedingten Krankheiten. Kann ich mich davor schützen?

Ich denke schon. Ein Burnout oder eine stressbedingte Krankheit kommt ja nicht über Nacht, auch wenn wir das glauben, sondern kündigt sich über Wochen, Monate, vielleicht sogar Jahre an. Es gibt Anzeichen, das wussten die Yogis übrigens schon vor 2000 Jahren. Es beginnt, sagen sie, ich vereinfache das jetzt mal, damit, dass sich die Stimmungstiefs häufen, die Laune immer öfter gereizt statt heiter oder zufrieden ist. Dann folgt die Schusseligkeit, wir verlegen Dinge, vergessen Termine, stoßen uns an, knicken um, die kleinen Unfälle nehmen zu, genauso wie die Anfälligkeit, alle Infekte und Magen-Darm-Verstimmungen, die gerade umgehen, mitzunehmen. Die Yogis sagen, wir sollten diese Anzeichen als Signale sehen, an unserem Leben schnellstens etwas zu verändern. Denn ignorieren wir sie, kann das zum vollständigen Kollaps, dem Burnout, führen.

Was sollte ich als erstes tun, wenn ich denke, es geht so einfach nicht mehr weiter?

Die sprichwörtliche Reißleine ziehen. Und dem Umfeld auch sehr deutlich kommunizieren, dass man am Ende seiner Kräfte ist. Wenn wir das Gefühl haben, nicht ernst genommen zu werden, kann das Gespräch mit einem Arzt hilfreich sein, das der Familie und den Vorgesetzten gegebenenfalls schwarz auf weiß bestätigt, dass wir am Limit sind.

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Ab wann sollte ich mir professionelle Hilfe suchen, wenn ich mich überfordert fühle?

Besser früher als zu spät. Und spätestens dann, wenn der innere Leidensdruck zu destruktiven und hoffnungslosen Gedanken führt. Die Yogis nennen diesen Zustand übrigens Duhkha, den engen Raum, unsere Dunkelkammer, in die kein Licht mehr kommt. Wir brauchen aber Licht zum Leben. Und darum empfehlen auch sie, sich spätestens dann von Experten helfen zu lassen.

Wahrscheinlich jeder träumt von einem glücklichen, erfüllten Leben. Wie kann ich dem näher kommen?

In dem ich anfange, das Glück, die Erfüllung nicht mehr im Außen, also nicht im gefüllten Bankkonto, dem fünften Paar Schuhe, der korrigierten Nase oder der perfekten Beziehung, zu suchen. Denn das sind alles Dinge, die vergehen und nicht von Dauer sind und darum immer wieder für Kummer sorgen. Dauerhafte Erfüllung und anhaltendes Glück finden wir, sagen die Yogis aber auch die Buddhisten, nur in uns selbst und in der Art und Weise, wie wir mit uns und unserer Um- und Mitwelt umgehen. Wir können beginnen, selbstloser zu handeln, erwartungsfreier zu sein, dafür zu sorgen, dass unser Denken, Sprechen und Handeln niemanden schadet. Wir können Herzensgüte, Mitgefühl und Mitfreude kultivieren, so, wie man einen schönen Garten hegt und pflegt. Das alles kann dazu führen, dass wir gelassener und zufriedener werden. Die Yogis versprechen übrigens: „Tiefe Zufriedenheit führt zu grenzenlosem Glück.“ Probieren Sie es mal aus…

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