14.01.2017

Charity Hilf Mahl! Essen für den guten Zweck

Sophie und Mathias Bach riefen Hilf Mahl! vor fünf Jahren ins Leben.

Foto: privat

Sophie und Mathias Bach riefen Hilf Mahl! vor fünf Jahren ins Leben.

Essen gehen, Gutes tun – mit dieser Idee haben Sophie und Mathias Bach vor etwa 5 Jahren ein Projekt in Hamburg ins Leben gerufen, bei dem gespeist und gespendet wird.

Als Sophie und Mathias Bach im Dezember 2010 zu einem Kurz-Besuch in London sind, fällt ihnen in einem Restaurant ein kleines Kärtchen auf. "Streetsmart" stellt sich darauf vor. Eine Initiative, die seit 1998 in den kalten Wintermonaten Spenden für Obdachlose sammelt, indem in teilnehmenden Restaurants automatisch ein Pfund dem Rechnungsbetrag zugerechnet wird, das anschließend zu 100 Prozent dem Projekt weitergeleitet wird. Sophie und Mathias Bach, die sich bereits seit vielen Jahren in Hamburg für die Obdachlosen-Zeitschrift "Hinz &Kunzt" engagieren, waren sofort begeistert von dieser einfachen und gleichzeitig ungewöhnlichen Idee. Es brauchte zwar noch ein ganzes Jahr, aber dann stand fest: Dieses Projekt muss in Hamburg umgesetzt werden. Hilf Mahl! war geboren.

bildderfrau.de: Hilf Mahl! gibt es jetzt seit 2011 in Hamburg und es wächst von Jahr zu Jahr. Erinnern Sie sich noch an die Anfänge?

Ja, es war Frühling aber bitterkalt und wir haben in 3 Restaurants einfach losgelegt, um überhaupt auszuprobieren, ob die Idee sich auch in Hamburg umsetzen lässt. Die Resonanz, sowohl der Restaurants als auch der Gäste war überwältigend und hat uns bestärkt das Projekt ab Beginn der folgenden Wintersaison richtig zu starten.

Können Sie uns das Prinzip hinter Hilf Mahl! erklären.

Genau wie bei seinem britischen Vorbild, findet die Aktion nur in den Wintermonaten statt. Wir starten im November und die Restaurants entscheiden dann, wie lange sie unsere Aktion in ihrem Betrieb umsetzen möchten. Auch hier ist es so, dass die Gäste durch Tischkärtchen oder Flyer informiert werden, was Hilf Mahl! ist, dass das Restaurant teilnimmt und dass zu der Rechnung am Ende 1 Euro addiert wird, der zu 100 Prozent an das Projekt geht.

Und was, wenn ich das nicht möchte?

Das ist überhaupt kein Problem. Ein Hinweis an die Bedienung reicht und der Betrag wird nicht addiert. Allerdings hat unsere Erfahrung gezeigt, dass das nur sehr, sehr selten vorkommt. Was eher passiert ist, dass der Gast den Betrag erhöht.

Eine Frage, die bei der Akquise der Restaurants sicher immer wieder auftaucht ist, ob sich die freiwillige Spende auf die Trinkgelder für das Personal auswirkt?

Auf gar keinen Fall.

Warum findet die Aktion nur in einem kleinen Zeitfenster statt? Warum nicht das ganze Jahr?

Gerade in der Weihnachts- und Winterzeit ist die Spendenbereitschaft der Menschen zum einen besonders hoch und zum anderen auch mit einem anderen Blick für Obdachlose. Wir wollen, dass die Aktion sich nicht abnutzt und sowohl die Gäste als auch die Restaurants nicht überfordert werden.Es gibt allerdings Restaurants, die die Aktion tatsächlich das ganze Jahr laufen lassen. Andere sammeln auf bestimmten Veranstaltungen Geld oder wir bekommen Spenden – der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Was passiert mit dem Geld?

Es ist uns ganz wichtig immer wieder zu betonen, dass wir das Geld zu 100 Prozent den Obdachlosen zukommen lassen und nichts in die Verwaltung, in Personal oder in Material stecken. Wir haben einige Sponsoren, die für uns Druckkosten, Werbung und andere Sachen übernehmen. Das ist eigens dafür eingeworbenes Geld. Wir haben uns ebenfalls dazu entschlossen, kein neues Obdachlosen-Projekt zu gründen, sondern bestehenden Projekten Spenden zukommen zu lassen. So können wir das Geld breiter verteilen.

>> "Frauen im Schatten": Heilsarmee hilft so obdachlosen Frauen

Welche Projekte unterstützen Sie in Hamburg konkret?

Unter anderem unterstützen wir eine Schwerpunktpraxis für Obdachlose, ein Winternotprogramm, ein Container-Wohnprojekt für obdachlose Frauen, den "Hamburger Wohlfühlmorgen" und die Hamburger Tafel. Neu dabei ist die Organisation "Hilfspunkt", die warme Mahlzeiten an Obdachlose verteilt. Grundsätzlich kann sich jede Hilfsorganisation bei uns bewerben.

Vermutlich war es ein langer Prozess, bis man von der Idee bis zur Umsetzung gekommen ist – wo lagen die meisten Hürden? Und was gelingt leichter als gedacht?

Leichter als gedacht war der Anfang, die Umsetzung in den ersten Restaurants. Die Akquise von neuen Gastronomien kann aber auch mühsam sein - dabei ist das Projekt so einfach umzusetzen!

Sie stehen als Ehepaar beide hinter dem Projekt. Wie sind die Aufgaben verteilt?

Da ich Grafik-Designerin bin kümmere ich mich um alle Werbemittel und den Auftritt nach draußen, während mein Mann sich um die Restaurants kümmert. Vieles, wie z. b. welche Projekte gefördert werden, entscheiden wir dabei gemeinsam.

>> So können Passanten Obdachlosen helfen

Warum widmen Sie sich mit Ihrem Projekt gerade Obdachlosen?

Weil wir dort eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung sehen.

Was wünschen Sie sich, dass Hilf Mahl! bewirkt – neben den finanziellen Mitteln, die bereitgestellt werden können?

Ich wünsche mir, dass eine Akzeptanz der Obdachlosigkeit entsteht und dass nicht einfach weggeguckt wird. Unabhängig davon, warum ein Mensch obdachlos geworden ist, muss geholfen werden.

Derzeit gibt es Hilf Mahl! nur in Hamburg und München. Dort hat eine Freundin von Ihnen den Ball ins Rollen gebracht. Hilf Mahl! Bundesweit – ein Traum, der wahr werden könnte, oder Utopie?

Das wäre natürlich toll aber da ich, wie auch mein Mann dieses Engagement nur neben unserer Berufstätigkeit betreiben, können wir das im Augenblick nicht umsetzen. Es gibt aber bereits Interessenten in Berlin und Köln, wir werden sehen, was daraus wird.

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