26.03.2018 - 11:49

So dürfen Sie sich wehren Das sind Ihre Rechte im Restaurant

Von Babett-Ch. Thienemann

Lernen Sie Ihre Rechte im Restaurant kennen. So gehören unangenehme Situationen der Vergangenheit an.

Foto: iStock/SeventyFour

Lernen Sie Ihre Rechte im Restaurant kennen. So gehören unangenehme Situationen der Vergangenheit an.

Suppe versalzen, Fisch verdorben oder Weinflecken auf der neuen weißen Bluse? Wenn es zu Konflikten im Restaurant kommt, wissen viele Restaurantgäste oft nicht, was zu tun ist. Wir geben Ihnen einen Überblick über Ihre wichtigsten Rechte im Restaurant.

Es gibt kaum etwas Schöneres als ein gemütliches Abendessen mit einem guten Glas Wein im Lieblingsrestaurant um die Ecke. Doch was ist zu tun, wenn Sie trotz Reservierung keinen freien Tisch bekommen? Und wer ist etwa bei einer Lebensmittelvergiftung verantwortlich? Wir klären Sie über Ihre Rechte im Restaurant auf.

1. Rechte im Restaurant: Tisch für 18 Uhr bestellt, doch der ist noch besetzt

Nervig, wenn die Gäste pünktlich zum reservierten Termin im Restaurant stehen, aber kein Tisch frei ist. 15 bis 20 Minuten darf der Wirt sie vertrösten. Hat er dann immer noch keine Sitzplätze, können die Gäste das Lokal verlassen und die vergeblich aufgewendeten Fahrtkosten zurückverlangen.

2. Menü für 20 Personen geordert, aber nur 13 Gäste kommen. Kann man Sie belangen?

Suppe, Hauptgang, Dessert - die Küche muss eine Menge Zutaten einkaufen und zubereiten, der Wirt hält die Tische frei, weist anderen Gästen womöglich die Tür. Werden dann Reservierungen kurzfristig abgesagt, kann das Restaurant Schadenersatz verlangen. Dafür muss es aber nachweisen, dass z. B. Zutaten vergeblich eingekauft oder Extra-Servicepersonal einbestellt wurde. So entschied z.B. das Landgericht Kiel (Az. 8 S 160/97).

3. Gans ungenießbar, Soße versalzen

Zu ihren Rechten im Restaurant gehört auch, dass Sie nicht alles schlucken müssen. Was verbrannt, zäh, kalt oder versalzen ist, darf der Gast zurückgehen lassen. Er muss der Küche aber eine zweite Chance geben. Achtung: sofort reklamieren! Erst alles aufessen und dann meckern, ist der falsche Weg. Bereits verzehrte Speisen müssen bezahlt werden, auch wenn der Gast die Qualität im Anschluss bemängelt (AG Burgwedel, Az. 22 C 669/85).

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4. Wo bleibt das Essen?

Der Magen knurrt, die Stimmung sinkt. Kommt das Essen erst nach eineinhalb Stunden, darf die Rechnung um 30 Prozent gekürzt werden (LG Karlsruhe, Az. 1 S 196/92). Das gilt auch, wenn Getränke erst nach 20 Minuten auf dem Tisch stehen.

5. Reste einpacken lassen?

Am Ende des Abends ist noch viel Leckeres übrig. Wegwerfen wäre schade. Also nach „Doggy bags“ fragen. Das Restaurant ist dazu zwar gesetzlich nicht verpflichtet, bei vielen gehört das Einpacken aber laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband zum Service.

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6. Schrotkorn im Wildhasenfilet

Herzhafter Biss mit schmerzhaften Folgen: Im Hasen steckt noch Schrot. Kostet das Metallkorn den Gast einen Zahn, gehört es zu ihren Rechten im Restaurant, dass das Restaurant den Großteil der Behandlungskosten trägt. Einen kleinen Anteil hat der Gast zu übernehmen, denn nach Meinung des Gerichts ist vorsichtiges Kauen bei vom Jäger erlegten Wild ein Muss (AG Waldkirch, Az. 1 C 397/99).

7. Kellner kleckert Rotwein auf Bluse

Auch ein wichtiges Recht im Restaurant. Egal ob der Fleck wieder rausgeht oder nicht: Passiert der Bedienung ein Missgeschick, muss das Restaurant die Reinigungskosten oder, falls die Reinigung misslingt, den Zeitwert der Kleidung ersetzen.

8. Die Rechnung kommt nicht

Im Trubel des Geschehens lässt der Keller mit dem Kassieren auf sich warten. Präsentiert er die Rechnung nicht innerhalb einer halben Stunde, obwohl Sie dreimal laut und deutlich darum gebeten haben, brauchen Sie nicht länger warten. Sie können gehen, müssen aber Name und Anschrift hinterlassen - damit das Restaurant die Rechnung schicken kann.

9. Der Mantel ist weg - wer haftet?

Am Kleiderständer prangt das Schild „Für Garderobe keine Haftung“. Doch damit ist der Wirt keineswegs aus der Pflicht. Grundsätzlich gilt: Können Gäste ihren Mantel von ihrem Tisch aus nicht sehen, muss er darauf achten, dass nichts wegkommt. Passiert’s trotzdem, haftet das Restaurant - und zwar auch für Geldbeutel oder Schal im Kleidungsstück. Ist es allerdings im Sichtfeld, muss der Gast selbst auf sein Eigentum achten. Das gilt auch, wenn der Kellner den Mantel abgenommen hat (BGH, Az. VII ZR 33/79).

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