05.11.2018

Tschüss Trübsal! Sinnliche Tipps gegen den Winterblues

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Das Schöne am Winterblues ist, dass er auch wieder verschwindet. Entdecken Sie unsere Tipps!

Foto: iStock/Halfpoint

Das Schöne am Winterblues ist, dass er auch wieder verschwindet. Entdecken Sie unsere Tipps!

Alle Jahre wieder schleicht er sich Ende November ein: der Winterblues. Wir haben zahlreiche Tipps für Sie, wie Sie gegen das Trübsalblasen ankommen.

Der Winterblues kann einem gehörig die Laune verderben. Da hilft es auch nicht zu wissen, dass er bis März meist von alleine wieder verschwindet. Jeder vierte Deutsche ist davon betroffen, Frauen etwas häufiger als Männer. Ausreichend Schlaf, regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft sind allgemein bekannte Ratschläge gegen die typischen Symptome wie Antriebsschwäche, Müdigkeit und niedergeschlagene Stimmung.

Ein Mangel am Glückshormon Serotonin steht im Verdacht, mit am Winterblues beteiligt zu sein. Der Spiegel des Botenstoffes erreicht im Winter seinen Tiefpunkt. Umgedreht wird im Winter besonders viel Melatonin produziert, das dafür verantwortlich ist, dass wir schlafen. Auch wenn es länger dunkel ist, gibt es Möglichkeiten, die Glückshormon-Produktion anzukurbeln.

Tipp 1 gegen Winterblues: Babyschritte, Struktur und Rituale

Wer infolge des Winterblues‘ unter Antrieblosigkeit leidet, kennt das Problem: Das Aufstehen wird zur scheinbar unüberwindbaren Hürde. Alles, was wir verinnerlicht und automatisiert haben, fällt uns leichter. Dem Winterblues schlagen wir also ein Schnippchen, wenn wir uns unsere Gewohnheiten zunutze machen.

Das beginnt bei festen Zeiten für das Aufstehen und das Zubettgehen. Beides können Sie mit einem Ritual verbinden, dass Ihnen gefällt: Ihr Lieblings-Tee am Morgen oder die Vorfreude auf den Kaffee holen Sie aus dem Bett, die Lieblingsbettwäsche zieht Sie abends wieder dorthin zurück. Mittags hilft ein Spaziergang an der frischen Luft. Empfohlen wird eine Dauer von einer halben bis zu einer Stunde. Laden Sie dazu eine befreundete Kollegin ein, dann hat die Pause eine Verbindlichkeit und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Winterblues Ihnen keinen Strich durch die Rechnung macht.

Wer seinen Tag gut plant Tag, sagt dem Winterblues den Kampf an. Mit schön designten Wochenplanern und To-Do-Listen macht das besonders viel Spaß. Hinzu kommt die Freude, Dinge nach der Erledigung abzuhaken. Die Autoren Werner Tiki Küstenmacher und Lothar J. Seiwert empfehlen übrigens in ihrem Weltbestseller "Simplify your life", sich bei Dingen, die einem besonders lästig sind, besonders viel Mühe zu geben und sich dafür besonders viel Zeit zu nehmen. Ein paradoxer Tipp, der wirkt. Probieren Sie es aus!

Doch was, wenn gar nichts mehr geht? In ihrem Buch "Der Weg des Künstlers" gibt Julia Cameron Tipps für schwierige Situationen, die auch bei Winterblues auftreten können. Ein Beispiel: Sie müssen den Müll rausbringen, haben aber überhaupt keine Lust. Zerlegen Sie als erstes die Handlung „Müll rausbringen“ in viele kleine Teilschritte. Fragen Sie sich, welcher kleinste Schritt für Sie in diesem Moment möglich ist.

Vielleicht können Sie aufstehen und zum Mülleimer gehen. Vielleicht ist es sogar möglich, die Tüte zuzuknoten und schon mal an die Wohnungstür zu stellen? Die Chancen stehen gut, dass Sie – mit der Mülltüte an der Tür angekommen – entscheiden, sich jetzt schnell die Schlappen anzuziehen und den Müll einfach zu entsorgen.

Tipp 2 gegen Winterblues: Bleiben Sie aktiv und machen Sie sich glücklich!

In Winterblues-Zeiten ist es besonders wichtig, nachsichtig und mitfühlend zu sein – mit sich selbst. Angenommen, Sie wären selbst Ihre beste Freundin, was würde sie Ihnen raten? Sicher würde sie wollen, dass Sie sich gut um sich kümmern. Was das bedeutet, muss jeder für sich herausfinden.

Würden Sie gern verreisen, doch weder Geldbeutel noch der Job lassen das zu? Bodo Schäfer stellte in seinem Bestseller "Der Weg zu finanzieller Freiheit" die Frage: "Wie bekomme ich B ohne A?" Er empfiehlt, sich mit Freunden zu treffen und in einem Brainstorming Ideen zu sammeln. Ziel ist es, gemeinsam alternative Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten und sich Träume Schritt für Schritt zu erfüllen.

Wenn ein großer Urlaub gerade nicht drin ist, dann klappt es vielleicht mit einem Kurztrip ins Umland. Schauen Sie in einem Touristenführer, was es in Ihrer Stadt zu entdecken gibt. Oder besuchen Sie eine Freundin, die Sie schon vor Ewigkeiten eingeladen hat. Anstatt in negativen Gedankenschleifen festzuhängen, planen Sie die Zukunft. Öffnen Sie sich den zahlreichen Möglichkeiten und nehmen Sie Hilfe an, wenn Sie selbst sie nicht sehen.

Wer geistig aktiv und kreativ ist, gibt dem Winterblues keine Chance. Gibt es etwas, dass Sie schon immer mal machen wollten? Ein neues Hobby? Stricken, endlich mal Tennis spielen oder ein Instrument lernen? Neugier ist eine hilfreiche Triebfeder gegen Winterblues.

Im besten Fall finden Sie eine Aktivität, die Sie draußen ausüben können. Zum Beispiel Spazieren gehen gegen den Winterblues. Denn: Sonnenlicht hemmt die Melatonin-Produktion. Die UV-Strahlung der Sonnenbank tut das übrigens nicht. Wenig Licht führt auch zu Vitamin-D-Mangel. Dass ein Vitamin-D-Präparat gegen Stimmungsschwankungen hilft, konnte jedoch bis heute nicht wissenschaftlich belegt werden. Was dagegen wirkt sind Tageslicht-Lampen mit einer Beleuchtungsstärke von mindestens 10000 Lux.

Tipp 3 gegen Winterblues: Hugge für Ihre Wohnung

Die Zeit, die Sie in Ihrer Wohnung verbringen, sollten Sie genießen. "Hugge" (gesprochen "Hügga") ist aus dem Dänischen und bedeutet Gemütlichkeit. Die dänischen Winter sind bekanntermaßen lang und dunkel. Doch nur weil es draußen oft grau ist, muss das nicht für Ihre Wohnsituation gelten. Machen Sie es sich zuhause gemütlich!

Kennen Sie das Hygge-Gefühl? Die Dänen begegnen der dunklen Jahreszeit mit vielen Kerzen. Für eine gemütliche Atmosphäre in den heimischen vier Wänden sorgen zum Beispiel Tierfelle, üppige Kuscheldecken und jede Menge Kissen. Langflor-Teppiche, Lichterketten und geflochtene Körbe sind Wohnaccessoires, die ebenfalls für Gemütlichkeit stehen und den Winterblues in die Flucht schlagen.

Ein gemütliches Ambiente schaffen nicht nur Naturmaterialien sondern auch Farbtöne aus der Natur wie Braun und Grün, aber auch Grau und Beige, Off-White und Schwarz.

Tipp 4 gegen Winterblues: Glücklich(er) mit den richtigen Gaumenfreuden

Wer unter Winterblues leidet, klagt oft auch über Heißhunger. In Kombination mit wenig Bewegung, zu der wir im Winter neigen, kann sich das als zusätzliches Hüftgold schnell bemerkbar machen.

Der Mangel an Serotonin – jener Botenstoff, der im Gehirn für Zufriedenheit und Ausgeglichenheit sorgt – gilt als Hauptauslöser für den Winterblues. Deshalb ist unser Serotonin-Bedarf in der dunklen Jahreszeit fast doppelt so hoch wie im Sommer. Allerdings kann dieser erst gebildet werden, wenn wir genug L-Tryptophan über die Nahrung aufnehmen. Walnüsse und Cashewnüsse enthalten besonders viel davon, aber auch Kä­se und Soja gehören zu den wahren L-Tryptophan-Bomben. Allerdings ist es damit alleine noch nicht getan. Erst Vitamin C und genug B-Vitamine sorgen dafür, dass die Aminosäure auch in Serotonin umgewandelt und in den Synapsen gespeichert werden kann. Dass Orangen und Walnüsse so wunderbar zusammenpassen, ist kein Zufall.

­­­Schon die Maya erkannten seine geheimnisvolle Kraft und verehrten den Kakaobaum als heilige Pflanze. Roher Kakao steckt voller Antioxidantien und dem Alkaloid Theobromin, welcher für die Ausschüttung von Glückshormonen verantwortlich ist. Ungesüßter, roher Kakao in Form von Nibs oder als ganze Bohne ist keine Nascherei, sondern eine wahre Wunderwaffe gegen trübe die Stimmung und die Antriebslosigkeit, die mit dem Winterblues einhergeht.

Tipp 6 gegen Winterblues: Die Melancholie annehmen

Im Gegensatz zur Winterdepression – in Fachkreisen auch saisonal-affektive Störung (SAD) genannt – ist der Winterblues keine Krankheit. So wie es Zeiten gibt, in denen wir vor Energie nur so strotzen, gibt es auch Zeiten, in denen wir uns lieber zurückziehen und vielleicht nicht jeden Morgen mit einem Jubelschrei aus dem Bett springen. Trotz intaktem Serotonin-Haushalt. So lange alles im normalen Rahmen bleibt, sind solche Schwankungen Teil des Lebens.

"Unglücklich sein, gehört zum Glück dazu. Wir müssen der Schwermut ganz bewusst ihren Platz einräumen", sagt der Philosoph Wilhelm Schmied. Wir Menschen wollen fühlen. Und zwar alles, was die emotionale Palette zu bieten hat. Schmied nennt es „das Glück der Fülle.“ Der französische Schriftsteller Victor Hugo hat es so auf den Punkt gebracht: "Melancholie, ist die Freude darüber, traurig sein zu können." Den Winterblues anzunehmen und auszuhalten bedeutet auch, den Druck rauszunehmen und öffnet die Tür für mehr Entspannung.

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Halten Symptome wie Müdigkeit, Antriebslosigkeit und niedergeschlagene Stimmung länger an und intensivieren sich, kann es sich auch um eine saisonale Depression handeln. In diesem Fall sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Mehr zum Thema Depression finden Sie hier.

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