28.10.2016

MARKEN-BERATERIN IM INTERVIEW Iwona Laub: "Ich wünsche mehr Vielfalt von Frauenmagazinen"

Die Österreicherin Iwona Laub hat sich mit ihrem gleichnamigen Unternehmen selbständig gemacht und berät Firmen rund um digitale Themen.

Foto: Tony Gigov

Die Österreicherin Iwona Laub hat sich mit ihrem gleichnamigen Unternehmen selbständig gemacht und berät Firmen rund um digitale Themen.

Was genau bedeutet "Digital Brand Advisor"? Wohin entwickelt sich die (Frauen-)Medienlandschaft? Das haben wir Medienexperitin Iwona Laub gefragt.

bildderfrau.de: Liebe Iwona! Danke, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Erzähle uns bitte, was genau machst du beruflich?

Iwona Laub: Ich habe mir selbst den Titel Digital Brand Advisor zugelegt. Meine Aufgabe ist Beratung. Ich übernehme keine Social Media Kanäle, Pressemitteilungen mache ich nur ab und zu. Mir geht es darum mit Unternehmen Kommunikationsstrategien zu entwickeln. Vor allem Startups haben oft noch keine Kommunikationsstrategie.

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Was genau kann man sich unter strategischer Beratung im digitalen Bereich vorstellen?

Es gibt sehr viele Kommunikationskanäle und Social Networks. Oftmals wissen Unternehmen nicht, wo genau ihre Zielgruppen liegen und mit welchem Kanal man sie am besten erreicht. Das erörtere ich gemeinsam mit ihnen. Es geht auch darum, wie man Unternehmenswerte richtig vermittelt.

Man sollte beispielsweise nie gegen seine eigenen Unternehmenswerte kommunizieren, egal ob das eine Antwort auf ein Kommentar bei Facebook ist oder ob das Instagrambilder sind, oder irgendwelche Texte und Bilder auf Fimenblogs oder Websites sind.

Wie werden die Kunden auf dich aufmerksam?

Dadurch, dass ich in der Startupszene schon recht bekannt bin, kommen viele auf Empfehlung von anderen zu mir oder Firmen nehmen an einer meiner freien Workshops teil.

So lernen mich die Teilnehmer kennen und melden sich danach bei mir, wenn sie etwas brauchen. Manche kommen auch nach Vorträgen, die ich irgendwo gehalten habe, zu mir.

Was ist die größte Herausforderung in dem Bereich?

Die Tatsache, dass Kunden glauben, dass Kommunikation etwas ist, das man einfach nebenbei macht. Viele glauben, über Kommunikation muss man sich nicht großartig informieren.

Arbeitest du auch mit Bloggern zusammen?

Unter anderem arbeite ich auch manchmal mit Bloggern zusammen. Vor allem, wenn es darum geht Produkte bekannt zu machen, dann wollen Unternehmen oft Blogger als Multiplikatoren haben.

Dann bin ich die Vermittlerin und stehe zwischen den Bloggern und den Unternehmen. Einerseits weiß ich was die Unternehmen brauchen und auf der anderen Seite weiß ich was Blogger brauchen, da ich selbst Bloggerin bin.

Bloggst du aktuell auch noch?

Im Moment gar nicht, da ich ein Problem mit der Bloggerszene habe. Ich finde es ist alles so stark kommerzialisiert, sodass ich momentan keinen Bock aufs Bloggen habe.

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Was würdest du dir von Bloggern wünschen?

Ich würde mir von Bloggern wünschen, dass sie Gesetze einhalten und Werbung als Werbung deklarieren. Dann würde ich mir Unternehmen wünschen, die auf einem professionellen Level mit Bloggern zusammenarbeiten möchten und Blogger nicht als billiges Multiplikationstool sehen.

Darüber hinaus würde ich mir von Bloggern wünschen, dass sie ehrlicher und kritischer sind. Es gibt auch sehr viel Neidgehabe unter Bloggern und niemand gönnt dem anderen eine größere Kooperation. Ich würde mir wünschen, dass dieser Neid aufhört. Ein weiterer Wunsch ist, dass sie aufhören sollen, sich gegenseitig bei den Preisen zu unterbieten.

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Kannst du einschätzen, in welche Richtung sich das Bloggen hin entwickeln wird? Erkennst du da irgendwelche Tendenzen?

Es ist sehr schwer zu sagen. Was ich im Moment beobachte, ist dass es sehr viele große Blogger gibt, die einfach eine sehr große Reichweite haben. Die werden sicher überleben. Aber die Blogger, die nur mit der Motivation an die Sache ran gehen, um reich zu werden, werden auf lange Sicht die Lust am Bloggen verlieren.

Diejenigen, die schon immer kritisch waren und das Ganze schon fast journalistisch betreiben, haben gute Chancen ernstgenommen zu werden. Ich denke, Nischenthemen werden immer wichtiger, um wahrgenommen zu werden. Der Markt an Mode- und Foodblogs ist schon übersättigt.

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Wie gehen Medien heutzutage mit Frauenthemen um?

Das ist schwer zu sagen. Es gibt Medien, die lassen solche Themen generell aus. Die Medien, die sich mit Frauenthemen beschäftigen haben oft eine Mischung aus Lifestylethemen, Beauty, aber auch tiefgehende Themen.

Dann gibt es diese typischen feministischen Medien, die eigentlich ausschließlich Frauenthemen behandeln. Oftmals sind das politische und gesellschaftliche Themen.

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Was würdest du dir von Frauenmagazinen wünschen?

Ich würde mir von Frauenmagazinen mehr Vielfalt wünschen. Denn als Frau hat man ja viele verschiedene Interessensgebiete und auch wenn ich mich für Mode und Schminke interessiere, heißt das ja nicht, dass ich mich nicht auch für feministische Themen interessiere.

Du arbeitest in einer Branche, die eher von Männern dominiert ist. Inwiefern spielt die Tatsache, dass du eine Frau bist und in einer beratenden Funktion bist, eine Rolle?

Also in der PR arbeiten schon auch viele Frauen, aber meine Kunden sind meistens Männer. Also rein fachlich macht das natürlich keinen Unterschied. Aber ich denke, dass ich zu gewissen Tatsachen eine andere Herangehensweise habe, dadurch dass ich eine Frau bin; oder auch Dinge sehe, die andere vielleicht nicht sehen.

Aber generell denke ich, dass Diversität wichtig ist. Wenn man ein Team aus lauter Männern hat, dann wird das Ergebnis, egal was man macht, immer sehr männlich geprägt sein. Und nie einen weiblichen Touch haben und in Folge Frauen auch weniger ansprechen wird.

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Durch das Aufkommen der Blogs erlebte die Medienlandschaft sozusagen eine Art Demokratisierung. Mittlerweile ist es in manchen Ausnahmefällen sogar so, dass Blogger die Reichweiten von Magazinen weit übersteigen. Werden Blogger Magazine auf lange Sicht überholen?

Ich glaube es ist eine Art Symbiose. Ich glaube beide brauchen einander. Wenn du einen Blog konsumierst, dann konsumierst du den Blog wegen der Person. Man ist an der Sichtweise und der Meinung der Person interessiert.

Bei Magazinen arbeiten ja mehrere Menschen. Diese menschlichen Ressourcen sollten die Magazine ausnutzen, um verschiedene Betrachtungsweisen anzubieten.

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