19.08.2016

INTERVIEW Frauen- und Familienministerin Manuela Schwesig sucht starke Frauen für Deutschland

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Bei der 10. GOLDENEN BILD der FRAU-Gala am 13.10.2016 überreicht Ministerin Manuela Schwesig den Leserpreis

Foto: imago

Bei der 10. GOLDENEN BILD der FRAU-Gala am 13.10.2016 überreicht Ministerin Manuela Schwesig den Leserpreis

Freut sich schon auf unsere Frauenpower Gala im Oktober: Bundesministerin Manuela Schwesig

„Wir brauchen solche starken Frauen – überall“

Ein Zitat, das Manuela Schwesig besonders schätzt, kommt von der verstorbenen SPD-Politikerin Regine Hildebrandt: „Erzähl mir doch nicht, dass es nicht geht!“ Hartnäckigkeit und Engagement lohnen, davon ist die Frauen- und Familienministerin überzeugt. Und das beweisen auch die Preisträgerinnen der GOLDENEN BILD der FRAU.

Liebe Frau Ministerin, was gefällt Ihnen an der Idee der GOLDENEN BILD der FRAU?

Diese Frauen bewegen mit ihrem Einsatz und ihren Projekten im Kleinen Großes. Sie sind wunderbare Vorbilder für das Engagement in unserer Gesellschaft. Die Preisverleihung und der Preis selbst würdigen ihr Engagement und rücken die Frauen und ihre wertvolle Arbeit ins Licht der Öffentlichkeit, sodass viele Menschen von diesem tollen Engagement erfahren.

Was macht für Sie eine starke Frau aus?

Dass sie sich selbst treu bleibt, auch aktiv und mutig für ihre Werte eintritt, wenn sie infrage gestellt oder kritisiert werden. Wir brauchen starke Frauen im Beruf und auch in Führungspositionen, als Mütter, als Ehefrauen und Partnerinnen, als Künstlerinnen, Wissenschaftlerinnen oder in der Politik. Frauen sind heute besser ausgebildet als je zuvor, sie haben kreative Ideen, sie sind ehrgeizig und wollen mitgestalten. Ihr Potenzial und ihre Lebenserfahrungen tragen dazu bei, dass unsere Gesellschaft bunter und vielfältiger wird.

Wie werden aus Mädchen starke Frauen?

Indem sie wissen, wer sie sind. Deshalb ist es wichtig, das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen der Kinder schon in jungen Jahren zu fördern und zu stärken. Gerade für Mädchen, aber auch für Jungen ist es wichtig, dass sie lernen: Ich kann meine Träume verwirklichen, egal ob ich ein Mädchen oder ein Junge bin. Sie sollen sich frei entfalten können, ohne von überholten Rollenklischees gehemmt zu werden.

Durchsetzungsstarke Mädchen und Frauen gelten immer noch schnell als „zickig“ – haben Sie diese Erfahrung auch gemacht?

Das ist ein dummes Vorurteil, das nur Klischees zementieren und einer modernen, gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Mädchen im Weg stehen soll. Bei einem willensstarken Jungen würden Menschen, die so was sagen, nicht auf die Idee kommen, ihn „zickig“ zu nennen. Da heißt es dann, er ist energisch oder ehrgeizig. Es kommt leider immer noch häufig vor, dass Frauen unterschätzt werden, nur weil sie Frauen sind.

Welche Frau hat Ihr Leben besonders beeindruckt oder beeinflusst?

Regine Hildebrandt ist für mich ein Vorbild. Sie war eine Sozialdemokratin, die bis heute ganz besonders für den Kampf für soziale Gerechtigkeit steht. „Erzählt mir doch nicht, dass es nicht geht!“ ist ein wunderbares Zitat von ihr. Sie hat sich auch sehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eingesetzt.

Wie wichtig ist es für den Zusammenhalt einer Gesellschaft, dass sich Menschen sozial und ehrenamtlich engagieren?

Freiwilliges ehrenamtliches Engagement ist unentbehrlich und der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. 31 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland ehrenamtlich in ihrer Freizeit – und es werden immer mehr. Das ist eine schöne Nachricht: dass sich Menschen für andere Menschen interessieren und ihnen zur Seite stehen möchten, sich für sie einsetzen. Diese Bereitschaft zu helfen, miteinander zu sprechen, sich zu informieren oder Initiativen ins Leben zu rufen, ist wirklich großartig. Mir ist es wichtig, dass die Ehrenamtlichen für ihren Einsatz auch Wertschätzung erfahren – und davon kann es nicht genug geben. Wer freiwillig Zeit und Einsatz einbringt, um Gutes zu tun, verdient Anerkennung und Dank. Doch natürlich muss dieses ehrenamtliche Engagement auch unterstützt werden durch die Politik: Mir ist es als Ministerin sehr wichtig, dass jene, die sich vor Ort einsetzen, auch die nötige Unterstützung bekommen, dahingehend, dass die Strukturen auch weiterentwickelt und gefördert werden.

Wie gehen Sie mit Ungerechtigkeiten um? Waren Sie – wie unsere Preisträgerinnen – auch schon immer ein mutiger Mensch?

Ungerechtigkeit kann ich nicht hinnehmen – das ist ein wichtiger Grund, warum ich in die Politik gegangen bin. Ich setze mich dafür ein, dass sich etwas verändert. Wer sich für und mit anderen engagiert und füreinander einsteht, ist davon überzeugt, etwas für sich und andere verbessern zu können. Diese Überzeugung teile ich mit unseren Preisträgerinnen. Manchmal muss man sich auch streiten, um etwas zu erreichen und vor allem, um gegen Ungerechtigkeit anzukämpfen. Zum Beispiel wenn es um die Chancengleichheit aller Kinder geht oder dass Frauen nicht schlechter bezahlt werden als Männer – nur weil sie Frauen sind. Das ist ein Kampf, den es zu kämpfen lohnt. Sie erinnern sich: Auch dass Frauen gleichberechtigt in Führungspositionen kommen, die Frauenquote, war ein harter Kampf und wir haben sie nach 32 Jahren öffentlicher Auseinandersetzung und Diskussion endlich durchsetzen können. Hartnäckigkeit und Engagement lohnen sich. Gerade wenn es um die Rechte von Frauen geht.

Ist Nächstenliebe ansteckend?

Davon bin ich als Christin und Sozialdemokratin absolut überzeugt. Nächstenliebe und Solidarität sind der Motor meines Handelns. Nächstenliebe ist auch der Motor der engagierten Frauen, die mit der GOLDENEN BILD der FRAU gewürdigt werden. Sie alle tragen dazu bei, aus Fremden Freunde oder Bekannte zu machen, mit denen man fühlt, denen man hilft. Den Frauen wiederum macht es Freude, unsere Gesellschaft ein Stück besser zu machen.

Was wünschen Sie sich am meisten für Deutschlands Frauen?

Nicht nur Wunsch, sondern mein erklärtes Ziel ist echte Gleichberechtigung für alle Frauen. Ich kämpfe für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für eine frauen- und familienfreundlichere Arbeitswelt und dafür dass Frauen und Männer für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen. Dass diese Ungerechtigkeit bei den Löhnen endlich aufhört. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber jede der fünf Preisträgerinnen zeigt, wie viel „frau“ erreichen kann. Diese Frauen sind Inspiration für alle von uns. Denn es lohnt sich, sich zu engagieren.

Interview aus der aktuellen Ausgabe der BILD der FRAU.

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