20.06.2016

Finanztest Teilzeitjobs: mehr Zeit, weniger Geld

Wer seine Arbeitszeit reduzieren möchte, muss dies spätestens drei Monate vorher beim Arbeitgeber anmelden.

Foto: istock/Tsuji

Wer seine Arbeitszeit reduzieren möchte, muss dies spätestens drei Monate vorher beim Arbeitgeber anmelden.

Arbeit in Teilzeit ist weit verbreitet. Finanztest erklärt, was man bei Steuern, Rente und Abgaben beachten sollte.

In Deutschland gehen über acht Millionen Berufstätige einem Teilzeitjob nach. Dafür gibt es viele unterschiedliche Gründe. So entscheiden sich über zwei Drittel der berufstätigen Mütter für Teilzeit, um Job und Familie besser vereinbaren zu können. Alleinerziehende haben oft keine andere Wahl, andere finden einfach keine volle Stelle. Weitere Gründe für eine Reduzierung der Arbeitsstunden ist eine Fortbildung neben dem Job oder der sanfte Ausstieg aus dem Berufsleben.

Finanztest gibt Tipps und beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Teilzeit:

Wer hat Anspruch auf Teilzeit?

Grundsätzlich haben Arbeitnehmer das Recht auf Teilzeit im bisherigen oder einem gleichwertigen Job. Voraussetzung: Man muss mindestens seit sechs Monaten im Betrieb angestellt sind und dieser muss mehr als 15 Mitarbeiter haben. Wer seine Arbeitszeit reduzieren möchte, muss dies spätestens drei Monate vorher beim Arbeitgeber anmelden. Arbeitnehmer in Elternzeit (innerhalb der ersten drei Lebensjahre des Kindes) haben eine Frist von nur sieben Wochen.

Darf ein Antrag auf Teilzeit abgelehnt werden?

Ja, jedoch nur aus betrieblichen Gründe, beispielsweise, wenn dadurch hohe Kosten entstehen oder niemand anders die Arbeit erledigen kann.

Was muss ich beachten?

Bevor man die Stunden reduziert, rät Finanztest, zu klären, ob oder für wie lange man sich ein niedrigeres Einkommen leisten kann. Mit Abgabenrechnern (stellen im Internet zum Beispiel Krankenkassen zur Verfügung) kann man ausrechnen, was netto übrig bleibt.

Wie kann man von der Teilzeit in Vollzeit zurückkehren?

Wer seine Arbeitszeit während der Elternzeit reduziert hat, hat nach deren Ablauf den Anspruch, wieder in die volle Stelle zurückzukehren.

Für alle anderen Arbeitnehmer oder bei einer Rückkehr nach der Elternzeit gilt: Wer sein Recht auf Teilzeit in Anspruch nimmt, tut dies unbefristet! Mit anderen Worten, kein Betrieb muss einem Angestellten, der sich einmal für das Modell Teilzeit entschieden hat garantieren, seine volle Stelle zurückzuerhalten. Allerdings können Arbeitgeber und Arbeitnehmer von vornherein eine befristete Teilzeitstelle vereinbaren. Ein Recht auf befristete Teilzeit haben Arbeitnehmer jedoch nicht.

Weniger Arbeit – weniger Gehalt: Was ist zu beachten?

Für Minijobber (Verdienst bis 450 Euro im Monat) übernimmt der Arbeitgeber die Kosten der Sozialversicherung, dem Arbeitnehmer bleibt lediglich ein Eigenanteil für die Rentenversicherung bis zu 16,65 Euro. Von dieser Abgabepflicht können sich Minijobber zwar befreien lassen, Finanztest weist aber darauf hin, dass dadurch auch kürzere Beitragszeiten für die spätere Rente zusammen kommen.

Bei Midijobs (Verdienst zwischen 451 und 850 Euro brutto im Monat) muss man reduzierte Sozialabgaben leisten. Vorher unbedingt ausrechnen (oder von der Personalstelle ausrechnen lassen), was nach Abzügen netto bleibt und ob sich der Job gegenüber einem Minijob rechnet. Zudem sind Verdienste über 450 Euro steuerpflichtig. Für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigte empfiehlt Finanztest außerdem, zu überprüfen, ob ein Wechsel der Krankenkasse Beiträge sparen kann.

Welche Steuerklasse?

Lohnsteuerklasse V ist durch ihre hohen Abzüge die ungünstigste Steuerklasse für Beschäftigte. Sind bei einem Paar beide Partner berufstätig, ist die häufigste Variante: Derjenige mit dem geringeren Einkommen wählt Steuerklasse V, der Besserverdienende die günstigere Klasse III. Am Ende des Jahres, wenn eine hohe Steuernachzahlung ins Haus flattert, erweist sich diese Strategie jedoch häufig als Milchmädchenrechnung. Finanztest rät solchen Paaren dazu, auch bei sehr unterschiedlich hohen Einkommen jeweils die Lohnsteuerklasse IV mit Faktor zu wählen. Einmal im Jahr darf man beim Finanzamt eine neue Steuerklasse beantragen. Für Alleinerziehende empfiehlt Finanztest Steuerklasse II anstatt I, damit bei der Gehaltsabrechnung direkt der zusätzliche Freibetrag berücksichtigt wird.

Genug Rente trotz Teilzeit?

Nicht nur während der aktiven Berufsjahre, vor allem im Rentenalter macht sich der geringere Verdienst durch Teilzeit bemerkbar. Ein Wechsel etwa von ganz- zu halbtags senkt die Rente merklich. Ausnahme: Bis zu drei Jahre nach der Geburt eines Kindes wird einem Elternteil, meist der Mutter, die Kindererziehungszeit wie ein Durchschnittseinkommen auf die Rente angerechnet. Zusätzliche Einkommen, werden in dieser Zeit auch zusätzlich angerechnet. Die Deutsche Rentenversicherung berät zu entsprechenden Fragen unter der kostenlosen Servicenummer 0800/10004800.

Private Rentenvorsorge

Die Riester-Rente ist vor allem für Arbeitnehmer mit Kindern attraktiv und beginnt bereits ab einem Mindestbetrag von fünf Euro im Monat (60 Euro jährlich). Pro Kind bekommt man eine Zulage von bis zu 300 Euro im Jahr, für sich selbst 154 Euro. Bevor man sich jedoch für Riester entscheidet, sollte man sich laut Finanztest gründlich informieren, zum Beispiel unter test.de/riester.

Fazit von Finanztest: Teilzeit kann sich, je nach persönlicher Situation, lohnen. Eine Reduzierung sollte vorher gründlich berechnet und überlegt sein, ebenso die Frage, wann man wieder in eine volle Stelle einsteigen möchte.

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