15.06.2016

Reise Vietnam: 5 Dinge, die man in Saigon erlebt haben muss

Von

Auf dem Roller lassen sich die besten Street-Food-Perlen Saigons erkunden.

Foto: istock/lichtbildfotograf

Auf dem Roller lassen sich die besten Street-Food-Perlen Saigons erkunden.

Noch immer weht der Wind französischer Kolonialzeit durch die Straßen Saigons. Die besondere Mischung aus europäischer Vergangenheit, vietnamesischer Kultur und globale Moderne machen das heutige Ho Chi Minh zu einer der spannendsten Metropolen Asiens. An diesen 5 Orten bekommen Sie die einzigartige Seele der Stadt besonders zu spüren. 

Einen Drink auf der Dachterrasse des Hotel Majestic

Das von den Franzosen 1925 erbaute 5-Sterne-Hotel, welches direkt am Mekong im Zentrum der Stadt liegt ist eine Institution. Und die Manager wissen um den Nostalgie-Bonus, der umso wichtiger wird, je mehr kalte Betonkästen aus Glas und Stahl aus dem Boden gezogen werden. Bis auf die nötigen Modernisierungen im Hintergrund blieb die opulente Einrichtung deshalb bis heute unverändert. Bestehen für die wunderschönen Jugendstilmöbel, phantasievollen Wandmalerin oder filigranen Buntglasfenster Renovierungsbedarf, werden sie zur Ausbesserung direkt nach Paris geschickt. Wer das Majestic betritt, unternimmt unweigerlich eine Reise in die 20er-Jahre Saigons. Und wie man spürt, war das damals eine ganz besondere Zeit. Selbst wenn sie heute offiziell Ho Chi Minh Stadt heißt, reden sie meisten Bewohner immer noch von „ihrem Saigon“.

"Manchmal dachte er, es wäre immer sieben Uhr abends und Zeit für einen Cocktail auf dem Dach des Majestic“, schrieb der Autor Graham Green in seinem berühmten Roman „Der stille Amerikaner“. Green wusste genau wovon er sprach, denn er residierte selbst in den 1950er-Jahren dort. Man sollte es dem Autor gleichtun, zumindest was den Drink auf der Dachterrasse betrifft. Von hier oben hat man nicht nur eine großartige Aussicht über die Stadt, sondern kann auch die Sonne beim Untergehen über dem Mekong beobachten. Die Dachterrasse wirkt dabei wie ein Tor zwischen zwei Welten: Hier oben scheint die Zeit auf goldene Weise stehengeblieben zu sein, doch der Blick über das rasant wachsende Saigon mit ihren vielen Baustellen und überdimensionalen Werbeplakaten lässt erahnen, wie viel sich seit Graham Greens sentimentalen Cocktail-Momenten bereits verändert hat.

Adresse: 1 Dong Khoi Street, District 1, Ho Chi Minh City, Website: www.majesticsaigon.com

Besuch des Tempels der Meeresgöttin in Chinatown

In Saigon leben mehr als 600.000 Chinesen, die natürlich auch ihre Kultur mitgebracht haben. Ihr „Chinatown“ befindet sich in Distrikt 5 und sticht vor allem durch die vielen Geschäfte hervor, die allerhand Kräuter- und Naturheilkundliches anbieten. Darunter befinden sich auch exotische „Heilmittel“, dessen fragwürdige tierischer Ursprünge vermutlich weniger unterstützenswert sind. Trotzdem ist das geschäftige Chinatown einen Besuch wert, speziell aber sollte man sich den kunstvoll verzierten taoistischen Thien Hau Tempel, welcher der Meeresgöttin gewidmet ist, nicht entgehen lassen. Täglich besuchen Gläubige den im 18. Jahrhundert errichteten Tempel, um hier für ihre Familien und Freunde zu beten. Dafür lassen sie ihre auf einem Zettel formulierten Wünsche an langen, spiralförmigen Räucherstäbchen unter die Decke hängen, welche anschließend drei Tage lang brauchen, um abzubrennen. Der Tempel verdeutlicht auf bildliche Weise die Vereinigung des Männlichen und des Weiblichen, also des Yin und Yang, welches nach der taoistischen Lehre in und um uns in Einklang gehalten werden muss. Und er zeigt, wie die Gläubigen die mehr als 2000 Jahre alte Religion noch heute praktizieren. Besonders Frauen kommen hier her, um zu meditieren und die Meeresgöttin um Schutz, Geleit oder die Erfüllung ihres Kinderwunsches zu bitten. Nichtgläubige Besucher, die selbst nach einem Ort der Ruhe und Kontemplation suchen, sind im Thien Hau Tempel täglich bis 17 Uhr willkommen. Angemessene Kleidung und Zurückhaltung während der Zeremonien sind dabei Selbstverständlichkeit.

Adresse: Thien Hau Tempel, 710 Nguyễn Trãi, phường 11, District 5

Das quirlige Treiben auf dem Ben Thanh Markt erleben

Der Ben Thanh Markt ist eine riesige überdachte historische Markthalle aus dem frühen 20. Jahrhundert im Zentrum der Stadt. Von 8 bis 18 Uhr kann man hier an unzähligen Ständen um Gewürze, Lebensmittel, Kleidung, Kunsthandwerk und allerhand Kitsch feilen. Hier gibt es nichts, was es nichts gibt und vor allem die Preisvorstellungen der einzelnen Händler sind extrem unterschiedlich. Doch Vorsicht, mitunter kann es lange dauern, bis man seinen alten Stand mit dem besseren Preis unter dem chaotischen Gewirr an Auslagen und Waren wiedergefunden hat. Mit hartnäckigem, aber respektvollem Feilschen lässt sich meist viel bewegen. Es braucht eine gewisse Stressresistenz und Muse, sich dem unüberschaubaren Gewusel hinzugeben. Doch gibt es in Saigon wohl kaum einen besseren Ort, sich mit Andenken und Mitbringsel für zu Hause einzudecken. Und die meisten Händler sind dabei so charmant, dass man am Ende mit dem Gefühl heraus geht, ein gutes Geschäft gemacht zu haben. Der Ben Thanh Markt bietet Asien pur und verspricht eher ein verrücktes Erlebnis als einen gemütlichen Einkaufsbummel.

Adresse: Ben Thanh Markt, Le Loi Ben Thanh, Distrikt 1

Rasante Street Food-Tour mit der Vespa

Anders als in Hanoi finden sich die besten Street Food-Perlen nicht direkt in der Innenstadt, sondern vor allem in den direkt angrenzenden Stadtteilen. Man kann sich zwar mit dem Taxi dort hinkutschieren lassen, doch viel aufregender gestaltet sich das kulinarische Erlebnis auf dem Rücksitz einer Vespa. Motorroller sind Teil des vietnamesischen Alltags und allein in Saigon gibt es mehr als fünf Millionen von ihnen. Die rasante Energie die hier auf den Straßen herrscht, mit „Verkehrsregeln“, die kein Europäer jemals verstehen wird, gehört zur Stadt genauso wie das leckere Essen, das hier an jeder Straßenecke angeboten wird. Möglich macht die wilde Foodie Tour das seit kaum einem Jahr bestehende Familienunternehmen „Vietnam Vespa Adventures“. Ihre fröhlichen Fahrer holen die Gäste direkt von ihrem Hotel ab und bringen sie begleitet von zahlreichen Adrenalinkicks sicher zu den besten Street Food Hotspots der Stadt.

Experimentierfreudige bekommen die Möglichkeit, frittierte Wasserfrösche oder exotische Krebse zu probieren. Für Vegetarier (unbedingt vorher angeben) stehen blanchierter Wasserspinat, Glasnudeln oder frittierter Tofu mit knusprig geröstetem Ingwer auf dem Programm. Auf der nächsten Station lernen die Gäste, wie sie den original vietnamesischen Pfannkuchen zubereiten. Dazu fließen auf Wunsch jeden Menge Bier und Cocktails. Ein besonderes Erlebnis ist der anschließende Besuch einer schummrigen Hinterhofbar, wo eine Sängerin von Klavier und Geige begleitet bei Kerzenschein herzergreifende Lieder vorträgt. Auch ohne den Text verstehen zu können, weiß man sofort, dass sie von unerfüllter Lieber, Sehnsucht und dem Genuss der Melancholie singt. Die Vespa-Tour beinhaltet mindestens fünf Stationen und dauert bis in die späten Abendstunden. Was es dafür braucht sind neben knurrenden Magen, Neugier und ein wenig Waghalsigkeit.

Infos und Buchung unter: http://www.vespaadventures.com/

Besuch des Kriegsopfermuseums von Saigon

Es sind eher Bilder statt großer Worte, die hier auf den drei Etagen des „The War Remnant Museum“ sprechen. Fotos zahlreicher internationaler Kriegsreporter, die zwischen 1955 und 1975 auf den Schlachtfeldern des Vietnamkriegs unterwegs waren, zeigen schonungslos vor allem die Gräueltaten, welche die Amerikaner dem vietnamesischen Volk und damit auch sich selbst angetan haben. Hier gibt es keine heldenhafte Blut und Boden-Romantik, sondern weinende Soldaten, verletzte Kinder, gefolterte Männer und Frauen, Menschen, die an Panzern gekettet zu Tode geschleift werden oder die bis heute anhaltenden Folgen von körperlicher Missbildung des Entlaubungsmittels „Agent Orange“. Vor all diesen Bildern prangt zu Beginn der Ausstellung kommentarlos jener berühmte Satz aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776: „Alle Menschen sind gleich geschaffen und von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet. Dazu gehören Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“. Die Diskrepanz zwischen diesen Worten und den darauf gezeigten Bildern könnte kaum beklemmender sein. Zweifellos ist es speziell die vietnamesische Sicht, welche hier zum Tragen kommt, doch zeigen die schrecklichen Szenen ganz klar, dass es hier nicht um Rache oder Vergeltung geht. Sie dienen als Mahnmal, dass so etwas nie wieder passieren darf. Der Besuch des Kriegsopfermuseums ist eine aufwühlende Erfahrung, die abwechselnd Wut, Trauer und Unverständnis in einem aufsteigen lässt. Deshalb sollte er nicht zwischen zwei Events gepackt werden, sondern es bedarf anschließend seine Zeit, das Gesehene zu verarbeiten.

Adresse: The War Remnant Museum, 28 Võ Văn Tần 6, Distrikt 3

Die Recherche wurde unterstützt von Vietnam Airlines und dem Reisveranstalter www.enchantingtravels.de


Weiteres zum Thema Reisen in Vietnam lesen Sie hier:

Seite