Aktualisiert: 05.05.2016 - 08:00

Schwangerschaft Internationaler Hebammentag: Die Lage ist erschütternd

Foto: ©istock/kzenon

Seit 1991 wird in mehr als 50 Ländern der internationale Hebammentag gefeiert, um ihre Bedeutung für die Gesellschaft zu betonen. Doch wie konnten wir in die derzeitige Situation gelangen?

Es gibt kaum eine Frau, die sich nicht die Unterstützung einer Hebamme bei der Geburt ihres Kindes wünscht. Geht es doch nicht nur um die Betreuung bei der Entbindung, sondern auch um die zahlreichen Fragen vor und nach der Geburt, um den Erfahrungsschatz der Hebamme und die Unterstützung im neuen Alltag mit Baby. Doch es steht nicht gut um den Berufsstand der Hebammen in Deutschland. Grund dafür ist die Berufshaftpflichtversicherung, die, wie der Name schon sagt, verpflichtend ist für die Ausübung der freiberuflichen Hebammentätigkeit. Viele Hebammen arbeiten freiberuflich in Teilzeit und tragen somit das Risiko, wenn während einer Haus- oder Geburtshaus-Geburt Komplikationen auftreten sollten. Führt man sich aber die Entwicklung der Versicherungskosten der vergangenen Jahre vor Augen, die im Übrigen in keinem Verhältnis zu den Verdienstkosten stehen, die nur gering anstiegen, wird die Krux der Situation offenbar.

Alleine von 2002 bis 2015 haben sich die Haftpflichtversicherungsprämien verzehnfacht. Zahlte eine Hebamme 1981 noch etwa 30 Euro, sind es 2010 zwischen 3.700 und 4.600 Euro Versicherungsprämie. Bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 18.000 Euro wird die Arbeit nicht nur unwirtschaftlich, sondern im schlechtesten Fall ein Verlustgeschäft. Diese Versicherung wird vor allem aufgrund von Hausgeburten verlangt, bei denen im Fall einer Komplikation bleibende Schäden beim Neugeborenen entstehen, die im weiteren Leben kostenintensiv sein können. Nichtsdestotrotz führen die hohen Versicherungsprämien dazu, dass das Selbstbestimmungsrecht von Frauen, wie und mit wessen Unterstützung sie ihr Kind auf die Welt bringen, massiv eingeschränkt wird und die Berufsausübung für Hebammen de facto nicht mehr möglich ist.

Die Hebamme: Mehr als nur Geburtshilfe

Hebammen leisten weitaus mehr als Geburtshilfe: Geburtsvorbereitungskurse, Wochenbett-Betreuungen, Unterstützung bei Stillfragen, Rückbildungsgymnastik-Kurse, Ernährungsberatung und die Durchführung von Vorsorgeuntersuchungen bilden damit nur ein Fragment ihrer Aufgaben ab. Doch selbst, wenn eine Hebamme keine Geburten betreut, sondern ausschließlich Kurse, Wochenbettbetreuung und Vorsorgeuntersuchungen vornimmt, sind die Prämien noch immer horrend hoch und oftmals nicht zu erwirtschaften.

Die Prämien-Problematik betrifft allerdings nicht nur die Hebammen selbst, sondern auch Kreißsäle und Geburtshäuser. Was kann noch getan werden, um das Aussterben des Berufs zu verhindern? Der Deutsche Hebammenverband fordert einen Haftpflichtfonds, der für Schäden aufkommt, die über einer bestimmten Deckungssumme liegen. Damit könnte die Preisspirale der Versicherungsprämien aufgehalten werden. Zahlreiche Proteste und Petitionen stärken den Hebammen den Rücken. Doch so lange sich die Versicherungen nicht einigen, sieht die Zukunft der Hebammen und Frauen in Deutschland ungewiss und düster aus - ihr Fortbestand ist derzeit nur bis Juni 2016 gesichert, denn der Deutsche Hebammenverband hat nur bis dahin eine Versicherung.

Weiterführende Informationen, sowie Hintergrundartikel finden Sie unter www.unsere-hebamme.de und unter www.hebammenfuerdeutschland.de.

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