23.03.2016

Red Monkey Lodge: Barfuß und faul auf Sansibar

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Foto: © Friederike Ostermeyer

Die Red Monkey Lodge liegt an einem der schönsten Strände Sansibars. Abseits der großen Resorts hat der Deutsch-Italiener Mark Dieler gemeinsam mit Einheimischen einen Ort erschaffen, der mehr zu bieten hat, als das übliche Palmen-Paradies.

Mark Dieler erinnert sich noch genau an die heruntergekommene Kaschemme, die er vor sechs Jahren am hintersten Strand-Ende des Fischerdörfchens Jambiani im Südosten der Insel gepachtet hat. „Eine echte Herausforderung war das“. Doch der 38-Jährige hatte eine genaue Vision und fragte die Dorfbewohner, ob sie ihm beim Umbau helfen wollten.

Monatelang wurde gemeinsam an den 12 Zimmern und dem Restaurant mit Beach-Bar gebaut, geschraubt, ausgebessert. So lange, bis das Geld alle war. „Von den letzten 30 Euro haben wir Früchte für das Eröffnungsbüffet gekauft und gehofft, dass Gäste kommen.“ Das war am 19. Dezember 2011. Und sie kamen.

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Kein Käfig für Touristen

Die Einheimischen gehören genauso zur Lodge wie das türkisblaue Meer davor. Sie arbeiten hier, halten den Strand in Ordnung, stellen das Menü zusammen, übernehmen Management-Aufgaben, verraten den Gästen Geheimtipps oder erzählen von der Zeit als es weder Strom noch fließend Wasser in Jambiani gab. Das ist nämlich gerade mal knapp über 20 Jahre her. Ihre Kinder spielen Fußball am Strand oder Verstecken zwischen den Liegestühlen.

Das Tor zur Straße steht immer offen. Wer hier eincheckt, kommt unweigerlich mit den Dorfbewohnern in Kontakt und es fühlt sich ganz selbstverständlich an. Auch wenn die kulturellen Unterschiede aufgrund ihrer tief islamischen Lebensweise gravierend sind. „Die Red Monkey Lodge ist Teil des Dorfes und kein Käfig für Touristen“, sagt Mark Dieler. Ein Antiresort für Barfuß-Freunde und Faulpelze. Für Kitesurfer-Enthusiasten und Menschen auf der Suche nach Meeresrausch-Meditation. Es funktioniert.

Das Dorfleben von Jambiani

Jambiani ist zum Glück immer noch weit entfernt davon, vom Tourismus-Trubel überrannt zu werden. Stattdessen dürfen die Gäste der wenigen kleinen Hotels ein fast noch ursprüngliches Dorfleben kennenlernen. Einige wohnen nach wie vor in den traditionellen Palmenhäusern, irgendwo bauen Männer ein neues Boot aus Holz. Und Suleiman, der „Wunderheiler“ sitzt vor seinem Haus und sortiert Heilkräuter. Er hat Freude daran, Gästen zu erzählen, welche Wurzeln und Pflanzen gegen Schmerzen, Fieber oder Husten helfen. Die nächste Apotheke ist weit, der nächste Arzt sowieso. Suleiman wird in Jambiani gebraucht und geehrt. Genau wie sein Sohn später, dem er sein uraltes Heilwissen weitergeben wird.

Zerbrechliches Paradies

Noch gibt es Korallenriffe vor Jambiani, noch überwiegt die Sehnsuchtskalender-artige Kulisse mit Kokospalmen und weißem Sand. Noch ist das Wasser so klar, dass ein Spaziergang bei Ebbe Richtung Türkisblau etwas unwirklich Traumwandlerisches an sich hat. Noch leben hier die sehr seltenen und liebenswürdigen Colubus Affen. Sie begegnen ihrer Umwelt mit der unschuldigen Neugier eines zweijähriges Kindes und haben der Lodge ihren Namen verliehen.

Allerdings ist Sansibar mit dem vielen Müll restlos überfordert, der weit mehr von den Touristen als von den Einheimischen achtlos in die Natur geworfen wird. Mark Dieler weiß um seine Verantwortung als Manager. Deshalb hat er Plastikflaschen weitestgehend aus der Lodge verbannt und stattdessen dafür gesorgt, dass abfüllbares Trinkwasser jedem Gast kostenfrei zur Verfügung steht. Die Speisen werden nach Verfügbarkeit aus heimischem Obst und Gemüse zusammengestellt, bestenfalls von der Farm nebenan.

Die Red Monkey Lodge hat das Glück, einen der bezauberndsten Strände Sansibars vor sich zu haben. Und doch mag sich die kleine Anlage mit seiner Holzkonstruktion, den weiß getünchten Wänden und den Dächern aus Palmenblättern auf den ersten Blick gar nicht so sehr von anderen auf der Insel unterscheiden. Was neben dem besonderen Konzept einen wesentlichen Unterschied ausmacht, sind die Gäste, die sich offenherzig und unvoreingenommen auf die Begegnung mit den Einheimischen einlassen. Genauso ist spürbar, dass die Mitarbeiter mit Liebe bei der Sache sind und ihrerseits Verständnis dafür haben, dass die Europäer abends ihr Bierchen genießen und machmal gerne Bikini tragen.

Die Red Monkey Lodge steht nicht nur Gästen offen, sondern freut sich auch über Freiwillige, die die Community als Kite-Lehrer, Koch, Sprachlehrer oder mit einer ganz eigenen Idee unterstützen möchten. Für ihr ökologisches und soziales Engagement wurde die Lodge von der Organisation „Responsible Tourism Tanzania“ als eines der ersten zehn Hotels auf Sansibar zertifiziert. Doppelzimmer mit Frühstück ab ca. 95 Euro pro Nacht. www.redmonkeylodge.com

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