08.03.2016

Weltfrauentag 2016 Katharina Kuhlmann: Von Miss Tuning zur Buchautorin und Tierschützerin

Foto: © Alex Pohl

Während sie 2003 den Titel als Miss Tuning holte und ab 2004 Tuning TV moderierte, engagiert sich Katharina Kuhlmann mittlerweile als Tierschützerin, hat ein Kinderbuch herausgebracht und ist seit 5 Monaten stolze Mutter. Wir haben anlässlich des Weltfrauentags mit ihr gesprochen.

Hallo Katharina Kuhlmann, danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben uns ein paar Fragen zu beantworten. Sie haben einen sehr abwechslungsreichen Lebenswandel und haben ihre Wurzeln im Auto-Fernsehen, beim Moderieren und im Modeln. Nun sind Sie engagierte Tierschützerin und Veganerin. Außerdem kam vor wenigen Monaten ihr erstes Kind zur Welt.

1. Beschreiben Sie uns doch mal einen typischen Tag bei ihnen.

Derzeit sieht das sehr chaotisch aus: Ich bin vor fünf Monaten Mutter geworden vom kleinen Aaron. Er bestimmt jetzt mein komplettes Leben, sprich: er bestimmt jetzt auch, wann ich essen darf. Ich versuche, das alles zu managen mit meinen fünf Tieren, es ist aber schwierig einen Rhythmus reinzubekommen und ich kann erst an mich denken, wenn der Kleine versorgt ist, also schläft. Die Tage sind sehr lang, die Nächte sehr kurz, es ist anstrengend, man ist müde, aber gleichzeitig bin ich sehr glücklich.

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2. Welche Frauen sind Vorbilder für Sie, also welche Frauen inspirieren und beeindrucken Sie?

Man hört ja oft von Frauen, die alles gleichzeitig managen: Job, Kinder, Haushalt und ich dachte immer, dass sie eine Entourage an Angestellten haben müssen. Aber anscheinend schafft das auch die „normale“ Frau ohne Putzfrau und Haushilfen und da muss ich ehrlich sagen: Die Frauen, die mir wirklich Kraft geben, sind diejenigen, die sich in meiner unmittelbaren Umgebung befinden, die „echten“ Frauen. Die mutigen, echten Frauen, die ungeschminkt und unfrisiert beim Bäcker stehen, mit drei Kindern auf dem Arm, mit einem Strahlen im Gesicht, da ziehe ich wirklich den Hut. Die stemmen so viel und das wiederum gibt mir Mut und Kraft. Sie sind meine Alltagsheldinnen.

Wer unter den Prominenten heraussticht ist Daniela Katzenberger, die alles sehr transparent zeigt. Sie zeigt auf Facebook ganz klar: "So sehe ich ohne Makeup aus", sozusagen die nackte Wahrheit. Sie sagt ganz ehrlich: Ich habe 8kg zugenommen oder 10 Kilo müssen runter und hier ist meine Fettplautze. Das finde ich mutig, dass sie dazu steht.

3. Wie ist es dazu gekommen, dass Sie Ihr Leben nach dem Moderieren, Modeln und der Tuning-Welt nun dem Tierschutz und Kochen verschrieben haben?

Manchmal fühlt es sich an, als würde ich über einen Film sprechen. Mein Leben ist doch sehr vielseitig und ich habe natürlich immer polarisiert, mit den Dingen die ich getan habe und tue. Wenn mir jemand vor 10 Jahren gesagt hätte, dass ich mal ein Kinderbuch schreibe und Kochrezepte entwickele, hätte ich natürlich geschmunzelt. Es ist erstaunlich, dass wir meistens einen gesundheitlichen Aspekt haben, der uns dazu bewegt, Eigenverantwortung zu übernehmen.

Als ich an einem Magengeschwür erkrankte, was vor allem stressbedingt war, hat mich mein Heilpraktiker schon gewarnt und so konnte bei mir Magenkrebs im Frühstadium erkannt und direkt behandelt werden. Das gab mir auch psychisch so den Rest, dass gar nichts mehr ging. Mein Heilpraktiker hat mir dann als erstes meine bis dato geliebte Milch vom Speiseplan gestrichen.

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Das war für mich natürlich ein Schock und es ist mir schwer gefallen, auf Milch zu verzichten, doch die Erklärung meines Heilpraktikers leuchtete mir ein: „Du bist erwachsen, du bist ausgewachsen, was willst Du denn mit der Muttermilch eines anderen Lebewesens?“ Das gab mir wirklich zu denken und je mehr ich mich mit diesem Thema auseinandersetzte, desto mehr beschämte es mich.

Ich dachte, dass mein konsequenter Verzicht auf Fleisch bereits ausreicht, um Tierleiden zu verhindern, doch dem ist nicht so. Mir war nicht bewusst, dass eine Kuh nur dann Milch gibt, wenn Sie zuvor auch ein Kälbchen geboren hat, welches ihr in der Regel direkt nach der Geburt wieder entrissen wird. Und während eine Kuh in Freiheit eine Lebenserwartung von 15 Jahren hat, wird sie durch die Milchproduktion derart ausgemergelt, dass ihr Leben nach drei bis vier Jahren im Schlachthof sein Ende findet.

Mit den Eiern ist es eigentlich noch schlimmer. Da die Ei-Industrie für männliche Küken keine Verwendung hat, werden Millionen männliche Küken direkt nach dem Schlüpfen auf Fließbändern abtransportiert und bei lebendigem Leid geschreddert. Die Ausbeutung der Tiere konnte ich nicht länger verantworten und so ist uns bleibt eine rein pflanzliche Ernährung für mich die logische Konsequenz.

Auch aus gesundheitlicher Sicht ist der Verzicht auf tierische Produkte sinnvoll. Vielen ist im Bezug auf die Milch die Laktoseintoleranz ein Begriff. In meinem Fall aber war das Milcheiweiß der Übeltäter und hat zu diversen Problemen mit meiner Haut (Akne), dem Magen-Darmtrakt, Nebenhöhlenentzündungen etc. geführt.

Wenn ich meiner mittlerweile verstorbenen Oma aber heute erzählen würde, dass ich Veganerin bin und auch mein Kind später vegan ernähren werde, hätte sie wahrscheinlich gedacht, wir würden beide daran sterben. Aber es war halt eine andere Zeit und eine andere Denkweise. Keine Eier, keine Butter, kein Fleisch: Das Kind stirbt.

4. Welche Bedeutung hat Ihre Familie und Ihre Aufgabe als Mutter für Sie?

Ich bin jetzt wirklich Erwachsen geworden. Ich habe jetzt so viel Verantwortung, das war mir vorher gar nicht so bewusst. Durch meine tierischen Kinder (zwei Hunde, zwei Pferde und einem Kakadu) trage ich schon eine gewisse Verantwortung und gehe dadurch mit mir selbst mittlerweile ganz anders um: Ich fahre anders Auto, ich würde mich nie wieder ohne Reitkappe aufs Pferd setzen, ich bin auch viel ruhiger geworden im Sinne einer inneren Ruhe.

Ich merke, dass ich in gewissen Situationen ganz anders reagiere und handle. Es ist toll, was für Urinstinkte man bekommt. Ich bin auch rigoroser geworden, konnte nie nein sagen, wenn jemand auf dem Hof mal rauchen wollte. Jetzt würde ich die Leute bitte zu gehen, ich bin wirklich ein kleiner Pitbull geworden was die Überwachung meines Kindes angeht. Ich habe nie gelernt bei mir selbst nein zu sagen, aber beim Kind kann ich jetzt.

5. Wie hat sich im Laufe Ihres Erwachsenwerden das Verhältnis zu Ihrer Mutter gewandelt?

Ich bin jetzt auch schon fast 40, meine Mutter ist ja leider vor vielen Jahren von uns gegangen aufgrund eines Hirntumors und sie fehlt mir natürlich wahnsinnig. Jetzt merke ich erst, was meine Mutter geleistet hat: Sie war Geschäftsfrau, hatte zwei Kinder, den Haushalt, alles ohne Hilfe und ich frage mich wirklich, wie sie das gemacht hat mit einer Liebe und Hingabe zu allem. Gleichzeitig ärgert es mich oft, weil diese Mutterschaft oft als so normal angesehen wird. Was die Frau alles gleichzeitig leisten muss: Geliebte, Hausfrau, Mutter, Geschäftsfrau, Model, was das für ein Druck ist! Heute muss die Frau ihren Mann stehen!

Was wir Frauen leisten, dafür steht uns viel mehr Anerkennung zu, auch vom Partner und nicht nur am Valentinstag mit der Blume von der Tanke. Dabei gehöre ich ja auch zu dieser Generation: Ich habe mich früher auch an den gemachten Tisch gesetzt und habe meine Mutter als Selbstverständlichkeit gesehen. Dass ich meiner Mutter diese Anerkennung nicht mehr zeigen kann, macht mich traurig, ebenso dass sie nie ihr Enkelkind kennenlernen konnte. Man sollte wirklich viel öfter Muttertag feiern, man sollte so froh sein, dass man sie hat. Man lernt das Erkennen viel zu spät.

6. Verraten Sie uns doch mal, wer Ihr Lieblingsdesigner oder Ihre Lieblingsdesignerin ist.

Das ist ganz klar Motte Klamotte, die ganz süße Babysachen machen. Sie sprechen sozusagen die moderne Veganerin an. Vegane Mode hat ja so einen leichten Birkenstock-Öko-Hauch und ich war auch oft skeptisch. Die machen aber so süße Mode und alles ist fairtrade, bio, vegan. Da stecken junge Köpfe dahinter und das gefällt mir unglaublich gut.

7. Für welches Gericht würden Sie alles stehen und liegen lassen?

Das ist doch immer so hormonabhängig! Aber was immer geht: Lakritz! Leider gibt es nur sehr wenige gelatinefreie Sorten und hier in Süddeutschland sitze ich da auch nicht an der Quelle. Mit veganer Lakritze können Sie mich wirklich ködern, wenn sie so richtig scharf und salzig ist.

Ich liebe auch meine Oreo-Torte. Ob Veganer oder Nicht-Veganer, mit der gewinnen Sie jeden. Da könnte ich mich reinsetzen! Ansonsten meine Maronensuppe. (Das Rezept finden Sie im untenstehenden Video)

8. Auch wenn Sie jung sind: Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um - gerade in Zeiten des Jugendwahns?

Ich habe ja schon meine ersten grauen Haare entdeckt heute Morgen vor dem Spiegel, danke Aaron! Ich nehme es mit einem Schmunzeln, aber was ich wirklich brauche ist Schlaf und Erholung. Das ist mein Jungbrunnen: Ich brauche Urlaub, Sonne, Sandstrand. Das macht frisch von Innen.

Man kann sich mit Botox zwar glatt machen lassen, man sieht damit aber nicht jung aus. Glatt heißt nicht jung, es ist die Ausstrahlung, leuchtende Augen. Wir alle kennen doch ältere Menschen, die sowas Frisches haben, keine Falte stört da. Barbara Schöneberger zum Beispiel ist nicht makellos, aber genau das macht sie sympatisch. Sie hat Ecken und Kanten, sie hat eine Zornesfalte und die setzt sie ein und zeigt sie. Mit all den OPs sieht man irgendwann doch nur aus wie eine Karikatur. Wir sollten mit Würde altern und unser Gesicht Geschichten erzählen lassen.

Ich bin nicht mehr im Fernsehen und habe somit auch nicht diesen Druck. Wäre ich noch so aktiv im Fernsehen wie damals, wären Falten sicher ein Thema. Ich bin aber ausgestiegen, weil ich das nicht möchte. Ich möchte raus aus dem Hamsterrad und zu mir selber finden. So toll das alles wirkte, meine Seele war aber nicht glücklich. Ich wollte nicht mein ganzes Leben eine 25-Jährige in Perfektion darstellen müssen.

Anfänglich wurde ich in den Medien nur auf meine Optik reduziert – da wären Falten sicher ein Thema gewesen. Da ich nicht mein ganzes Leben eine 25-Jährige in Perfektion darstellen möchte, bin ich ausgestiegen. Ich wollte zu mir selbst finden und mich weiterentwickeln. Gottseidank hängt für uns Frauen aber das Karriereende nicht mehr von einer Zahl ab, das beweisen Frauen wie Frauke Ludowig und Birgit Schrowange, die keine 20 mehr sind und trotzdem moderieren. Gerade junge Frauen sollten merken, wie schön sie mit ihren Besonderheiten sind, einer Zahnlücke zum Beispiel, und dass wir nicht irgendwelchen Schönheitsidealen nachjagen müssen.

9. Wo werden wir in Zukunft von Ihnen hören und sehen?

Ich habe ab Mai auf RTL2 eine Sendung, die sich „Modelmama“ nennt. Ich wurde begleitet in meinem Leben als Model zum Beispiel für Umstandsmode. Auch meine Arbeit für vegane Magazine in meinem neuen Lebensabschnitt von schwanger zur Mama wurde begleitet. Man darf auch schon vorsichtig ankündigen, dass mich die Autowelt ein stückweit zurückbekommt, aber nicht so wie früher. Mehr sei aber noch nicht verraten.

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Ein zweites Kinderbuch steht in den Startlöchern und ich möchte ein Buch für vegane Schwangere und Mütter herausbringen, das als eine Art Wegweiser fungieren soll. Ich schreibe aus meiner Perspektive, denn ich habe damals, als ich schwanger war, keine Literatur gefunden, die mir geholfen hat, damit man als Vegetarier oder Veganer optimal versorgt ist. Man möchte als Schwangere und Mutter ja 100% sicher gehen, dass einem nichts fehlt.

Auch wenn man mal nicht Stillen kann, was ja passieren kann, muss man das Kind alternativ ernähren. Hier wäre eine kuhmilch- und ziegenmilchfreie Option wünschenswert. Weil ich leider nicht genügend Muttermilch produziere, muss ich zufüttern und besorge meine Premilch aus Frankreich, denn auf dem deutschen Markt gibt es nichts bzw. nur mit Soja. Das ist mein nächstes große Ziel: Eine eigene Reihe mit Babynahrung. Aber es gilt wie so oft: Schritt für Schritt.

Wir bedanken uns sehr herzlich für das Interview, Frau Kuhlmann!

Hier geht es zum Rezept der Maronensuppe:


Cover-Foto: Alex Pohl

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