15.11.2018

Low-Carb-Pasta Alles, was Sie schon immer über Konjaknudeln wissen wollten

Nicht nur in asiatischen Gerichten möglich: Konjaknudeln werden immer beliebter als Low-Carb-Alternative zu Pasta.

Foto: iStock/brebca

Nicht nur in asiatischen Gerichten möglich: Konjaknudeln werden immer beliebter als Low-Carb-Alternative zu Pasta.

Wer sich Low Carb ernährt, muss auf Pasta verzichten – oder etwa nicht? Eine echte Alternative zu Teigwaren aus Hartweizengrieß und Co sind sogenannte Konjaknudeln. Was das genau ist, wie sie schmecken und was sie für Ihre Gesundheit tun? Das verrät Ihnen eine Expertin.

Low Carb ist schon seit Jahren einer der beständigsten Ernährungstrends schlechthin. Kein Wunder: Immer mehr Menschen versuchen sich leicht und gesund zu ernähren, viele wollen auch einfach nur ein, zwei Pfund abnehmen. Doch der dauerhafte Verzicht auf Kohlenhydrate lässt auch das eine oder andere geliebte Lebensmittel vom Speiseplan verschwinden – etwa Nudeln.

Pasta ist wohl tatsächlich die eine Zutat, die die meisten Low-Carber schmerzlich vermissen – was auch das Aufkommen verschiedener Alternativ-Produkte erklären lässt. Mittlerweile gibt es verschiedenste Nudelsorten mit weniger Kohlenhydraten, etwa aus Kichererbsenmehl, aus roten Linsen oder ganz einfach Gemüsenudeln – Gemüse (etwa Nudeln, Möhren und Co), das mit einem Spiralschneider in "Form" gebracht wird.

Unter all den Pasta-Alternativen erfreut sich in den letzten Jahren vor allem eine Variante einer besonderen Beliebtheit: Konjaknudeln. Doch was ist das überhaupt? Wie schmecken die Nudeln und was zeichnet sie aus? BILD der FRAU hat jemanden gefragt, der sich damit auskennt: Anja Willms. Die 30-Jährige betreibt gemeinsam mit ihrem Kollegen Cyrille Gattiker ihr eigenes Unternehmen namens "Shileo", das sich auf die Produktion von Konjaknudeln und Co spezialisiert hat.

Konjaknudeln: Experten-Interview zur Low-Carb-Pasta-Alternative

BILD der FRAU: Was sind Konjaknudeln überhaupt? Wie werden sie hergestellt?

Anja K. Willms: Der Ausgangsrohstoff der Nudeln ist die Konjakwurzel. Diese wird fast ausschließlich in Asien in Ländern wie China, Indonesien und Taiwan angebaut. Nach der Ernte wird die Knolle zunächst getrocknet und dann zu Mehl verarbeitet, aus welchem dann die Nudeln hergestellt werden. Da das Mehl jedoch sehr ballaststoffreich ist und ähnlich wie Chiasamen ein enormes Quellverhalten aufweist, wird die Nudelproduktion zur wahrhaft nassen Angelegenheit. Die fehlenden Kohlenhydrate erschweren zusätzlich die Produktion, da diese normalen Nudeln Stabilität geben. Trotz steigender Nachfrage gibt es daher bis heute nur wenige Produzenten, die Produkte aus Konjak herstellen.

Sind Konjaknudeln so gesund, wie oft behauptet wird?

Ja, das sind sie tatsächlich. Mit gerade einmal 25 Kalorien pro 100g zubereitet enthalten sie noch nicht einmal ein Viertel der Kalorien von normalen Nudeln. Und dank des geringen Kohlenhydratanteils eignen sich Lebensmittel auf Basis von Konjak nicht nur für alle Gesundheits- und Figurbewussten, sondern auch Menschen, die krankheitsbedingt auf ihre Kohlenhydratzufuhr achten müssen wie z. B. Diabetiker. Zudem zählen Konjaknudeln zu den basischen Lebensmitteln, wodurch sie sich förderlich für den Säure-Ausgleich in unserem Körper eignen.

In Ländern wie Japan gehören Nudeln und andere Produkte aus Konjak, die dort übrigens Shirataki (übersetzt: weißer Wasserfall) genannt werden, aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften bereits seit Jahrzehnten auf den Speiseplan. Und auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin ist Konjak als Heilmittel nicht mehr wegzudenken. Dort wird der Wirkstoff beispielsweise gegen Beschwerden von Asthma, Reizdarm oder Adipositas eingesetzt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Konjak-Produkte auch immer häufiger in Europa zu finden sind.

Die Produkte sind selbst für sensible Menschen gut geeignet, da sie vegan und gluten- sowie laktosefrei sind. Die Wirkung von Konjak und des im Konjakmehl hochkonzentrierten Ballststoffes Konjak-Glucomannan wurde sogar kürzlich von der Europäischen Lebensmittelaufsichtsbehörde (EFSA) untersucht. Im Ergebnis kamen diese Studie zum Schluss, dass Konjak-Glucomannan in einer bestimmten Aufnahme nicht nur zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut beiträgt, sondern auch im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung zu Gewichtsverlust führt.

Konjaknudeln sind reich an Ballaststoffen

Wie wirkt sich der Genuss von dieser speziellen Nudeln das auf die Verdauung aus?

Es ist allgemein bekannt und bewiesen, dass sich gerade Ballaststoffe auf die Verdauung sehr förderlich auswirken. Statt bei harmlosen Problemen wie Verstopfung auf abführende Präparate zurück zu greifen, kann man sich wunderbar auch mit einer Ernährungsumstellung helfen. Die Erhöhung der Ballaststoffzufuhr ist dabei in vielerlei Hinsicht förderlich für die Darmgesundheit. Vollkornprodukte, Gemüse oder Obst sind gute Ballaststoffträger, enthalten jedoch auch nicht wenig Kohlenhydrate.

Konjak-Lebensmittel sind im Kontrast dazu nicht nur reich an Ballaststoffen sondern auch kalorien- und kohlenhydratarm. Nach dem Verzehr binden unlösliche Ballaststoffe wie Konjak-Glucomannan große Mengen an Wasser und quellen deshalb im Darm auf. Durch das größere Volumen empfinden wir nicht nur ein Völlegefühl sondern verhelfen auch unserem Darm beim Weitertransport. Die Bindung von Gallensäuren, die im Darm an der Fettverdauung und damit indirekt an der Senkung des Cholesterinspiegels beteiligt sind, sind hier neben des langsameren Anstiegs des Blutzuckerspiegels ebenfalls als positive Wirkungen von Ballaststoffen zu nennen. Es lohnt sich damit in vielerlei Hinsicht an der Erhöhung der Tageszufuhr zu arbeiten.

Ballaststoffe bringen Ihre Verdauung in Schwung. Hier lesen Sie, welche Lebensmittel außerdem besonders reich an Ballaststoffen sind.

Wenn die Inhaltsstoffe so aufquellen… gibt es da dann auch eine bestimmte Menge am Tag, die man nicht überschreiten sollte?

Keine Sorge, einen Grenzwert für die Aufnahme von Konjaknudeln gibt es nicht. Dennoch empfiehlt die Europäische Lebensmittelaufsichtsbehörde insbesondere Verbrauchern mit Schluckbeschwerden Konjak-Mahlzeiten immer mit ausreichend Flüssigkeit, sprich 1-2 Gläser Wasser zu verzehren.

Um den durchschnittlichen empfohlenen Tagesbedarf eines Erwachsenen von ungefähr 2000 Kalorien zu decken, ließen sich theoretisch 8 kg zubereitete Konjaknudeln essen. Das schafft man natürlich beim besten Willen nicht. Und bereits mit einer Portion von 200 g deckt man bereits fast vollständig den Tagesbedarf an Ballaststoffen, der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zwischen 20-30 g pro Tag festgesetzt wurde.

Wie genau schmeckt denn die Pasta-Alternative?

Zwischen den auf dem Markt erhältlichen Produkten gibt es große Unterschiede in Geschmack, Form und Konsistenz. Allgemein kommen sie geschmacklich jedoch asiatischen Reis- oder Glasnudeln sehr nah und eignen sich daher hervorragend z. B. für Low-Carb-Curry-Gerichte.

Verschiedene Sorten erhältlich

Viele können sich ja mit der Konsistenz der Nudeln und dem leicht fischigen Geruch nicht anfreunden...

Das höre ich tatsächlich häufiger. Und auch ich kann mich nicht mit allen Sorten anfreunden. Vom Geruch, Geschmack als auch der Konsistenz gibt es einen großen Unterschied zwischen der eingelegten und getrockneten Variante. In einer Lake schwimmende Konjaknudeln haben in der Tat einen etwas fischigen Geruch und oftmals eine zähe bis hin zu glibbrig empfundene Konsistenz. Diese Nudeln empfehle ich immer abzuspülen, was schon einmal deutlich den Geruch wegnimmt.

Getrocknete Konjaknudeln ähneln in Geschmack und Konsistenz hingegen fast 1 zu 1 Reisnudeln. Die neutral riechenden getrockneten Nudelnester lassen sich gut portionieren und aufheben und nehmen im Gegensatz zu ihren nassen Artverwandten aromatische Soßen und Gewürze wunderbar auf. Und auch vom Nährwert gibt es einige Vorzüge. So bestehen die in einer Lake aufbewahrten Nudeln fast ausschließlich aus Wasser. Der Gehalt an gesundheitsförderndem Konjak-Glucomannan in getrockneten Produfkten ist hingegen um ein Vielfaches höher.

Gibt es außer Nudel noch andere Produkte aus Konjak-Mehl?

Ja, die gibt es. Hier lohnt sich ein Blick in den Asialaden. Die Vielfalt unter den eingelegten Konjak-Produkten ist dort groß – angefangen von reisähnlichen Produkten bis hin zu Lasagneplatten. Getrocknete Produkte sind hingegen deutlich seltener zu finden und das Angebot beschränkt sich auf Konjaknudeln sowie Konjakreis.

Perfekt für asiatische Gerichte und mehr

Welche Gerichte eignen sich besonders?

Aufgrund der Ähnlichkeit zu Reisnudeln, eigen sich Konjaknudeln natürlich hervorragend für asiatische Gerichte z. B. für Curry. Viele kombinieren die warmen Nudeln aber auch zu einem klassischen Blattsalat um eine Sättigungsbeilage zu haben. Der Reis ist da schon vielfältiger einsetzbar. Ob zu Low-Carb-Milchreis, Milchreiskuchen, Paella, Risotto bis hin zu Sushi ist alles möglich.

Wo kann man die Low-Carb-Produkte kaufen?

Leider sind sie noch nicht überall zu finden. Eingelegte Konjaknudeln gibt es beispielsweise oft in Asialäden oder auch vereinzelt in Supermärkten zu kaufen. Bei den getrockneten Varianten wird es da schon schwieriger. Es gibt einige wenige Unternehmen auf dem deutschen Markt, die diese Produkte in guter Qualität online anbieten und zügig liefern.

Klingt wirklich, als wären Konjaknudeln eine echte Alternative zu herkömmlicher Pasta. Vielen Dank für die Informationen!

Noch mehr Informationen über die verschiedenen Sorten an Low-Carb-Nudeln wie Zoodles, Shirataki & Co gibt's hier. Alle weiteren Ratgeber und kreative Rezepte rund um das Thema Low Carb finden Sie auf unserer Themenseite.

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Die gebürtige Aachenerin Anja Kristina Willms arbeitete zunächst lange Zeit als Senior Projektmanagerin für Lebensmittel-Unternehmen, bevor es Sie nach Asien zog, wo sie einige Zeit lebte. Dort stieß sie auch das erste Mal auf Konjak – und war offenkundig begeistert. So begeistert, dass sie Ende 2017 gemeinsam mit Cyrille Gattiker ihr eigenes Unternehmen "Shileo" gründete – einer der ersten europäischen Anbieter, der Konjaknudeln und Konjakreis exklusiv getrocknet zum Kauf anbietet.

Hier noch ein Hinweis des Herstellers (Legal Disclaimer):

Bei einer täglichen Aufnahme von 4 g trägt Glucomannan zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei. Lebensmittel die mehr als 1 g Glucomannan je angegebene Portion enthalten, tragen im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung zu Gewichtsverlust bei.

Die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 3 g Glucomannan in drei Portionen à 1 g in Verbindung mit 1-2 Gläsern Wasser vor den Mahlzeiten und im Rahmen einer kalorienarmen Ernährung ein.

Bei Verbrauchern mit Schluckbeschwerden oder bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr besteht Erstickungsgefahr. Es wird daher empfohlen reichlich Wasser zu trinken, damit Glucomannan in den Magen gelangt.

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