Aktualisiert: 31.01.2021 - 18:01

Hilfe bei Autoimmunkrankheit So funktioniert das Autoimmunprotokoll

Beim Autoimmunprotokoll wird auf Nahrungsmittel verzichtet, die Entzündungen und Immunreaktionen im Körper fördern. Der Genuss muss dennoch nicht zu kurz kommen.

Foto: GettyImages / Arx0nt

Beim Autoimmunprotokoll wird auf Nahrungsmittel verzichtet, die Entzündungen und Immunreaktionen im Körper fördern. Der Genuss muss dennoch nicht zu kurz kommen.

Autoimmunerkrankungen, wie Hashimoto oder Colitis Ulcerosa, sind bis heute nicht heilbar. Die Ernährung nach dem Autoimmunprotokoll kann jedoch Symptome lindern. Eine vielversprechende Chance für Betroffene!

Morbus Crohn, Hashimoto-Thyroiditis, Colitis Ulcerosa, Multiple Sklerose, Psoriasis, autoimmune Gastritis: Die Liste von Autoimmunerkrankungen ist lang. Über 5 Millionen Deutsche leiden im deutschsprachigen Raum unter einer Erkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift.

Eine Heilung von Autoimmunerkrankungen gibt es bis heute nicht. Doch es gibt Möglichkeiten, Symptome zu lindern. Eine dieser Möglichkeit ist die Ernährung: Das Autoimmunprotokoll hat das Ziel, das Immunsystem zu entlasten und die Beschwerden der jeweiligen Erkrankungen so zu mildern.

Das Autoimmunprotokoll: Ernährung bei Autoimmunerkrankungen

Das Autoimmunprotokoll (AIP) ist eine Ernährungstherapie, die auf den Grundlagen der Paleo Diät basiert und darauf abzielt, Beschwerden von Autoimmunerkrankungen zu lindern. Da bestimmte Nahrungsmittel dazu beitragen können, Entzündungen und Immunreaktionen im Körper zu fördern und somit die Symptome von Autoimmunerkrankungen verschlimmern, werden eben diese aus der Ernährung gestrichen.

"Das AIP ist in Bezug auf die Ernährung stark auf die Regeneration des Magen-Darm-Trakts ausgerichtet, der bei Betroffenen durch Entzündungsprozesse geschädigt ist und dadurch einerseits Nährstoffe schlechter aufnimmt, andererseits Fremdstoffe nicht mehr wirkungsvoll am Eindringen in den Körper hindern kann." erklärt Sabrina Bergmann, die die Beschwerden einer Hashimoto-Thyreoiditis mithilfe des AIP erfolgreich lindern konnte und mit ihrem Mann, René Bergmann, auf ihrer Website Hashimoto & Co. Betroffen hilft, das Autoimmunprotokoll Schritt für Schritt umzusetzen.

Ziel des Autoimmunprotokolls ist es, das Immunsystem zu entlasten und den Körper gleichzeitig mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen. So sollen die individuellen Symptomatiken der jeweiligen Erkrankung gelindert, eine Ausprägung der Krankheit verhindert und zum allgemeinen Wohlbefinden beigetragen werden. Auch bei nahrungsmittelbedingten Unverträglichkeiten, wie Zöliakie, soll die Ernährungstherapie helfen.

Wie funktioniert das Autoimmunprotokoll?

Das Autoimmunprotokoll teilt sich in 3 Phasen:

  1. Eliminationsphase: In einem Zeitraum von mindestens 30 Tagen wird strikt auf alle Nahrungsmittel verzichtet, die eine Immunreaktion fördern. Dazu zählen Getreide und Pseudogetreide, Hülsenfrüchte, Milch und Milchprodukte, Eier, raffinierten Zucker, raffinierte Öle, Nüsse, Samen, Nachtschattengewächse und die davon abgeleiteten Gewürze, Nahrungsmittel mit potentieller Kreuzreaktion auf Gluten, Alkohol, Süßstoffe sowie sämtliche Lebensmittelzusatzstoffe.
  2. Wiedereinführungsphase: Lebensmittel werden Schritt für Schritt wieder in die Ernährung eingefügt. In dieser Zeit findet man heraus, welche Nahrungsmittel man individuell verträgt oder nicht verträgt.
  3. Langfristige Erhaltungsphase: Dies ist letztlich die individuelle AIP-Ernährung. Hier wird sich gemäß der Erkenntnisse der Wiedereinführungsphase ernährt, während grundsätzlich die Prinzipien der weiterhin gelten.

Neben der Ernährung spielen beim Autoimmunprotokoll außerdem Lebensstilfaktoren eine wichtige Rolle. "Ausreichend Schlaf, Stressmanagement, Zeit in der Natur und in natürlichem Sonnenlicht, soziale Beziehungen und Bewegung haben maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. Darum bilden sie die weiteren Säulen des Heilungsprozesses im Protokoll," erklärt Sabrina Bergmann.

AIP: Welche Lebensmittel sind erlaubt?

Die Liste der Nahrungsmittel, die im Rahmen des Autoimmunprotokolls wegfallen ist lang und die Umsetzung muss strikt eingehalten werden. Die AIP-Expertin Bergmann weist darauf hin, dass "selbst kleine Ausnahmen in der Eliminationsphase leider nicht möglich sind. Wer das nicht beherzigt, wird frustriert und ohne nennenswerte Erfolge das Protokoll verlassen". Und dennoch bleiben im Rahmen des AIP einige Lebensmittel übrig.

Das darf in der strengen Eliminationsphase des Autoimmunprotokolls gegessen werden:

  • Gemüse, Pilze und Salat (außer Nachtschattengewächse)
  • Früchte, vor allem Beeren
  • Hochwertiges Fleisch und Innereien
  • Fleisch- und Knochenbrühe
  • Fisch
  • Kräuter

Dabei ist zusätzlich die Nahrungsmittelqualität zu beachten. Es sollten biologisch hergestellte und qualitativ hochwertige Lebensmittel sein. Tierprodukte sollten aus artgerechter Haltung stammen.

Haben sich die individuellen Symptomatiken der jeweiligen Autoimmunerkankung gebessert, kommen während der Wiedereinführungsphase dann weitere Lebensmittel hinzu. Welche Lebensmittel vertragen werden, ist dabei völlig individuell.

Diese Lebensmittel fördern Entzündungen
Diese Lebensmittel fördern Entzündungen

Fazit zum Autoimmunprotokoll

Das Autoimmunprotokoll ist sicher keine Ernährungsumstellung, die man mal eben nebenbei umsetzt – vor allem, wenn man sich zuvor auf Basis vieler Fertiggerichte, Fastfood und Getreideprodukte ernährt hat. Die Vorbereitung ist ein wichtiger Faktor, damit die Umsetzung gelingt. Und auch Zeit und Geduld spielen eine wichtige Rolle, um die Motivation nicht zu verlieren.

Dennoch bietet das Autoimmunprotokoll eine wertvolle Chance für Betroffene von Autoimmunerkrankungen, wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Crohn, die häufig aufgrund der Symptome und Begleiterscheinungen einen schweren Leidensweg durchmachen. Zahlreichen Erfahrungsberichten zufolge zeigt die AIP-Diät große Wirkung. Symptome und Beschwerden werden gelindert oder verschwinden sogar komplett und häufig kann die Dosis von Medikamenten verringert werden.

Auch Sabrina Bergmann hatte mit Erschöpfung, ständiger Müdigkeit, Angst- und Unruhezuständen, Sodbrennen und auch Verdauungsproblemen zu kämpfen, bevor sie mit dem AIP begann. Mittlerweile sind die Symptome alle abgeklungen, ihre Lebensqualität hat sich immens verbessert und sie konnte nach konsequenter Umsetzung des Protokolls die Dosis ihrer Medikamente erstmals nach 20 Jahren verringern.

Zum Schluss hat Bergmann noch einen Tipp: "Bei der Durchführung [des Autoimmunprotokolls] ist die persönliche Einstellung entscheidend. Wer nach vorn schaut, auf das, was zu gewinnen ist, wird viele positive Erfahrungen mit dem AIP machen und sich bereichert fühlen. Es braucht Offenheit und Flexibilität, auch etwas Neugier und Experimentierfreude im Protokoll."

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Sabrina und René Bergmann sind die Autoren der Website Hashimoto & Co. Hier dreht sich alles um das Autoimmunprotokoll und die Behandlung von Autoimmunerkrankungen durch gezielte Ernährung sowie einen gesunden Lebensstil. Der Blog liefert neben dem Basiswissen auch praktische Erfahrungen zum AIP, Tipps und Tricks sowie viele Rezepte.

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Eines haben Allergien und Intoleranzen, sogenannte Unverträglichkeiten, gemeinsam: Der Körper reagiert auf etwas. Auf unserer Themenseite Allergien und Intoleranzen informieren wir Sie rund um die Thematik. Und auf unserer Diäten-Seite finden Sie die für Sie passende Ernährungsweise oder Diät.

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