07.02.2020 - 15:37

Doch nicht gesund? Neue Studie zeigt: Clean Eating birgt Gefahren

Naturbelassen, frisch und regional: Clean Eating gilt als eine der gesündesten Ernährungsweisen. Doch der Ansatz birgt auch seine Risiken.

Foto: imago images / Westend61

Naturbelassen, frisch und regional: Clean Eating gilt als eine der gesündesten Ernährungsweisen. Doch der Ansatz birgt auch seine Risiken.

Clean Eating gilt als gesunder Ernährungssatz, doch eine US-Studie weist nun auf Risiken hin. Welche das sind und ob Clean Eating am Ende ungesund ist, erfahren Sie hier.

Während Essen bei manchen Menschen in gesund und ungesund eingeteilt wird, wird bei anderen mittlerweile zwischen "sauberen" ("cleanen") und "schmutzigen" Lebensmittel unterschieden. Clean Eating zählt sicherlich zu einem der größeren Ernährungstrends der vergangenen Jahre. Obwohl der Ernährungsansatz nicht neu ist, denn im Prinzip wird dabei so gegessen, wie es unsere Großmütter wohl gewohnt waren: frisch, regional, naturbelassen. Doch es gibt Ernährungsexperten und mittlerweile auch Forscher, die vor den Risiken von Clean Eating warnen. Doch was ist dran und wie kann aus einer gesunden Ernährung eine ungesunde werden?

Ernährungstrend Clean Eating: Studie warnt vor Risiken

Was ist eigentlich Clean Eating? Die einen definieren es als eine Ernährung mit ausschließlich naturbelassenen Lebensmitteln – Zucker, Süßigkeiten, Weißmehl, Industrieprodukte und andere verarbeitete Nahrungsmittel kommen demnach nicht auf den Tisch. Die anderen greifen gemäß eigenem Clean-Eating-Ansatz nur auf Bioprodukte zurück und bei manchen heißt Clean Eating mitunter sich kohlenhydratarm, ohne Milchprodukte oder sogar vegan zu ernähren.

Laut US-Forschern besteht hier bereits das erste Risiko: Es gibt keine klare Definition von Clean Eating. Die vielen Regeln, die dazu jedoch im Raum stehen, können Verwirrung stiften und dazu führen, dass man sich möglichst viele davon zu eigen macht. Die Folge: Die vielen Verbote können unter anderem zu einer angespannten Beziehung zu Essen und emotionaler Belastung führen und sogar Essstörungen begünstigen. Gerade junge Menschen sind laut der US-Studie, die 2019 im Journal of Eating Disorders veröffentlicht wurde, gefährdet.

Ist Clean Eating ungesund?

Die heutige, moderne Ernährungsweise, die bei vielen auf Fertigessen, Fast Food und zahlreichen stark verarbeiteten Nahrungsmitteln basiert, hat zu einem Anstieg an Übergewicht und ernährungsbedingten Beschwerden und Krankheiten geführt. Clean Eating bietet hierzu einen klaren Gegentrend, der wieder stärker auf die naturbelassene Küche unserer Großmütter drängt, was grundsätzlich als positiv zu bewerten ist.

Clean Eating ist an sich also nicht ungesund. Es ist vielmehr der Umgang damit, der ein Risiko bergen kann. Die vorwiegend weiblichen Teilnehmer der US-Studie beispielsweise bewerteten Clean-Eating-Ansätze sogar dann als positiv, wenn sie soziale und emotionale Belastungen zur Folge hätten.

"Sauberes" oder "schmutziges" Essen?

Vor allem die Einteilung in “sauberes” Gemüse und Vollkornprodukte und dem gegenüberstehend “schmutzige” Torten und Pizza birgt ein Risiko beim Clean Eating. Es findet eine starke Bewertung von Lebensmitteln statt, und im Extremfall lässt der Ansatz kaum Spielraum für Balance, Flexibilität und das gesunde Maß. Genuss und Freude am Essen können so verloren gehen. Dabei sind diese Aspekte ebenso wesentliche Bestandteile einer gesunden und vor allem entspannten Ernährungsweise.

Der Zwang des gesunden und cleanen Essens hat mittlerweile sogar zu einer neuen Form der Essstörung geführt, die als Orthorexie nervosa bezeichnet wird. Betroffene haben Angst, sich durch ungesunde, “schmutzige” Nahrung zu verunreinigen, was im Extremfall zur sozialen Isolation führen kann.

Intuition anstatt starrer Regeln

Die zahlreichen Ernährungsregeln, stammen sie nun aus dem Clean Eating oder anderen Ernährungsansätzen wie Low-Carb, Paleo oder Vegan, haben bei vielen Menschen zu Verunsicherung geführt. Dabei ist es bei all den Regeln wichtig, nicht den Blick und das Gespür für sich selbst, den eigenen Körper und die eigene Intuition zu verlieren. Es kann helfen, für sich selbst immer wieder zu hinterfragen und in sich hinein zu hören: Was ist für mich und meinen Körper das Richtige? Was brauche ich und was tut mir gut?

Dabei kann ein bestimmter Ernährungsansatz wie Clean Eating als Inspiration oder grobe Richtung gesehen werden, nicht jedoch als strikter Ernährungsplan, an den sich zwingend gehalten werden muss. Auf diese Weise werden die Risiken von Clean Eating und Co. ganz natürlich minimiert.

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Fazit zu den Risiken von Clean Eating

Nein, Clean Eating ist nicht ungesund. Und ja, Clean Eating kann das Risiko der Obsession, die von Verboten und schlechtem Gewissen geprägt ist, bergen. Das gilt letztlich gleichermaßen für jeden anderen Ernährungsansatz, der auf einem mehr oder weniger strengen Regelwerk basiert.

Dass es nicht die eine Definition für Clean Eating gibt, hat nicht nur Risiken, wie die US-Studie aufzeigt, sondern auch seine Vorteile. Es bedeutet nämlich, dass Sie den Ansatz nach Ihren individuellen Bedürfnissen anpassen und frei gestalten können. Dabei kann Ihnen auch intuitives Essen sowie eine achtsame Ernährungsweise helfen.

Wichtig ist grundsätzlich zu verstehen, dass gesundes Essen nicht Verzicht und Verbot bedeutet. Gleichzeitig ist es keine gesunde Ernährung, wenn sie von Stress, Druck und schlechtem Gewissen geprägt ist. Das hat am Ende mehr gesundheitliche Nachteile als Vorteile. Eine gesunde Ernährung hat im Idealfall eine entspannte Beziehung zu Essen als Basis, die Balance und Flexibilität erlaubt sowie Freude und Genuss am Essen beinhaltet.

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Quelle: Suman Ambwani, Meghan Shippe, Ziting Gao & S. Bryn Austin, Is #cleaneating a healthy or harmful dietary strategy? Perceptions of clean eating and associations with disordered eating among young adults, Journal of Eating Disorders volume 7, Article number: 17 (2019)

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