11.07.2019

Kohlenhydrate, Gluten und Co Bleiben Sie gelassen: Gesunde Ernährungsmythen aufgedeckt!

Öfter mal auf die Zutatenliste schauen: Das kann helfen, schlechte Lebensmittel zu erkennen und damit nicht mehr auf Ernährungsmythen hereinzufallen.

Foto: iStock/vgajic

Öfter mal auf die Zutatenliste schauen: Das kann helfen, schlechte Lebensmittel zu erkennen und damit nicht mehr auf Ernährungsmythen hereinzufallen.

Was machen Kohlenhydrate, Gluten und Zucker wirklich mit unserem Körper? Wir haben uns 5 gesunde Ernährungsmythen angesehen, verraten Ihnen, was wirklich dahinter steckt und wie Sie sich nicht mehr davon verunsichern lassen.

Gesunde Ernährung ist mittlerweile zu einer Art Religion geworden. Jeder scheint irgendetwas darüber gehört und gelesen zu haben und ständig steht eine neue Nährstoffgruppe am Pranger – mal ist es Fett, mal sind es Kohlenhydrate. Bei all den Ernährungsmythen und dem (Halb)Wissen, ist die Verwirrung und Verunsicherung rund um Essen und eine gesunde Ernährung am Ende nur natürlich.

Dabei sind es oftmals genau diese vermeintlich gesunden Ernährungsregeln, die zu unnötigen Verboten, Heißhunger und Gelüsten und letztlich einem verkrampften Essverhalten und einer unentspannten Beziehung zu Essen führen. Um für mehr Gelassenheit rund um Ihre Essgewohnheiten zu sorgen, haben wir 5 gesunde Ernährungsmythen für Sie aufgedeckt.

Ernährungsmythos Nr. 1: Kohlenhydrate machen dick

Der Low-Carb-Trend der letzten Jahren hält sich weiterhin konsequent. Kohlenhydrate machen dick und der einzige Weg, um wirklich abzunehmen ist eine kohlenyhdratarme oder sogar kohlenhydratfreie Ernährung – so der Ernährungsmythos. Dabei machen Kohlenhydrate für sich gesehen nicht dick.

Was zu mehr Kilos auf der Waage führen kann, ist ein Zuviel an Kalorien. Nun ist es jedoch so, dass kalorienreiche Gerichte häufig eine große Menge Kohlenhydrate enthalten. Denken Sie einmal an Pizza, Pommes, Hamburger und ähnliches. Kein Wunder, dass der Gedanke nahe liegt, dass Kohlenhydrate dick machen. Doch tatsächlich ist es vielmehr die Menge und das, was aus ihnen gemacht wird.

Ernährungsmythos Nr. 2: Gluten ist die Ursache von Übergewicht und Krankheiten

Glutenfreie Produkte boomen. In den USA ernähren sich um die 3 Millionen Menschen glutenfrei. 72 Prozent davon sollen keine Zöliakie-Erkrankung haben. Grund für diesen “Wahn” sind Aussagen, wie “Gluten verklebt den Darm”, “Gluten macht dumm”, “Gluten macht dick”. Tatsächlich ist es jedoch umstritten, ob Gluten tatsächlich solche Auswirkungen auf den Körper hat und daher zählt dies zu den gesunden Ernährungsmythen.

Es gibt nämlich auch Studien, die den Verzicht von Gluten mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung bringen, da auf Vollkorn verzichtet wird, welches wiederum wichtige Nährstoffe enthält. Tatsächlich ist es so, dass beim Verzicht ganzer Lebensmittelgruppen, ein Nährstoffmangel entstehen kann. Solange Sie glutenhaltige Lebensmittel vertragen und keine Verdauungsbeschwerden davon bekommen, lassen Sie sich von diesem Ernährungsmythos nicht verunsichern.

Bei Beschwerden nach Brot und Nudeln kann übrigens auch eine Weizensensitivität oder Weizenallergie der Grund sein. Auch Schnellbacktriebmittel und andere Zusätze in Backwaren können Verdauungsprobleme verursachen. Achten Sie also vor allem bei Brot auf eine gute Qualität und ein traditionelles Herstellungsverfahren. Im Zweifel: Selbst backen! Schmeckt sowieso besser!

Ernährungsmythos Nr. 3: Vollkorn ist immer gesund

Vollkorn ist das Sinnbild schlechthin einer gesunden Ernährung und gerade die Deutschen sind ein Meister in der Verarbeitung, wenn man einmal an die verschiedensten Variationen von Vollkornbrot denkt. Und tatsächlich ist das volle Korn reich an Nähr- und Ballaststoffen und grundsätzlich gesund. Allerdings wird Vollkorn nicht von jedem gleich gut vertragen.

Vollkorn ist relativ schwer verdaulich. Das hat den Vorteil, dass es länger satt hält. Für Menschen mit einem empfindlichen Verdauungstrakt und schwacher Verdauungsleistung kann Vollkorn jedoch zu Beschwerden führen. Bauchschmerzen und Blähungen können die Folge sein. Daher ist es ein Ernährungmythos, dass Vollkorn immer gesund ist. Achten Sie für sich darauf, wie Sie Vollkorn vertragen und trinken Sie dazu ausreichend. Außerdem kann die Zubereitung Vollkorn besser verträglich machen.

Ernährungsmythos Nr. 4: Zucker ist der Bösewicht

Zucker gilt schon seit eine Weile als der Feind schlechthin und scheint unter keinen Umständen Teil einer gesunden Ernährung sein zu dürfen. Er bringt den Blutzucker ins Schwanken, macht dick und süchtig.

Tatsächlich kann Zucker Schwankungen im Blutzucker verursachen und, in zu großen Mengen verzehrt, auch eine Gewichtszunahme oder Diabetes begünstigen. Die Problematik mit Zucker ist aber nicht unbedingt der Zucker selbst, sondern vielmehr die Mengen, in der wir ihn heute zu uns nehmen. Das betrifft leider nicht nur Süßkram und Kuchen, sondern auch viele Fertigprodukte und Industrielebensmittel, die Zucker enthalten. Unser Geschmack ist tatsächlich auf “süß” getrimmt – und bei vielen Lebensmitteln wissen wir gar nicht, wie viel Zucker eigentlich drin steckt, wenn wir die Zutatenliste nicht genau studieren.

Statt jedoch zu versuchen, vehement auf Zucker zu verzichten – was meist in einem noch stärkeren Verlangen mündet – achten Sie besser darauf, Zucker nur in Maßen zu verzehren und Fertigprodukte mit viel Zucker zu meiden.

Ernährungsmythos Nr. 5: Ich muss mich zu 100 Prozent gesund ernähren

Wenn man sich in den sozialen Medien umsieht, so hat man das Gefühl, dass es so viele Menschen schaffen sich hundertprozentig gesund zu ernähren, nur man selbst irgendwie nicht. Tatsächlich ist es jedoch ein Ernährungsmythos, dass die Ernährung zu 100 Prozent aus gesunden Lebensmitteln bestehen muss und auch die sozialen Medien zeigen meist nur einen Teil des Gesamtbildes.

Das Ziel, eine vollständig gesunde Ernährung zu erreichen schreckt viel eher ab und wird wahrscheinlich dazu führen, dass Sie es gar nicht erst versuchen. Verabschieden Sie sich also von diesem Ernährungsmythos und streben Sie viel besser die 70/30- oder 80/20-Regel einer gesunden Ernährungsweise an. Wichtig ist, dass die Basis gesund und ausgewogenen ist, dann können Sie sich auch vollkommen frei von schlechtem Gewissen Genussmahlzeiten gönnen.

Fazit: Statt sich verunsichern zu lassen, hören Sie mehr auf Ihren Körper

Es gibt so viele verschiedene, oftmals sogar widersprüchliche Aussagen und Mythen rund um eine gesunde Ernährung. Da ist es ganz natürlich, dass viele verunsichert sind. Damit Sie für sich gelassener in Bezug auf Ihre Ernährung bleiben, haben wir zum Schluss die folgenden drei Tipps:

  • Verarbeitung eines Nährstoffes: Es ist nicht der Nährstoff selbst, zum Beispiel Kohlenhydrate, der dick macht oder ungesund ist, sondern vielmehr, wie er verarbeitet wird. Achten Sie daher generell auf möglichst naturbelassene, qualitativ hochwertige und frische Lebensmittel.
  • Die Menge macht's: Neben der Verarbeitung, ist es auch die Menge eines Lebensmittels, die zu Problemen und Beschwerden führen kann. Achten Sie also auf Balance und Maß.
  • Ihre individuelle Bekömmlichkeit: Am Ende ist es Ihre individuelle Bekömmlichkeit, die ein Nahrungsmittel für Sie gesund oder weniger gesund macht. Hören Sie mehr auf Ihren Körper und entscheiden mit seiner Hilfe, was Ihnen gut tut und weniger gut tut und in welcher Menge. Dabei kann Ihnen zum Beispiel ein Ernährungstagebuch helfen.

Lesen Sie mehr über eine gesunde und entspannte Ernährungsweise auf der Themenseite unserer Autorin Natürlich Nadine. Mehr über verschiedene Diätansätze erfahren Sie auf unserer umfangreichen Themenseite Diäten.

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