03.07.2019

Mediziner ist sich sicher: Diese Gemüsesorten können uns krank machen!

Nachtschattengewächse, wie Paprika, Aubergine und Tomate, enthalten besonders viele Lektine. Machen sie uns krank?

Foto: Shutterstock/Natasha Breen

Nachtschattengewächse, wie Paprika, Aubergine und Tomate, enthalten besonders viele Lektine. Machen sie uns krank?

Ein US-Arzt stellt Gemüse und andere gesunde Nahrungsmittel an den Pranger. Die enthaltenen Lektine sollen krank machen und zu Gewichtszunahme führen. Wir erklären, was dahinter steckt.

Gemüse ist gesund und Gemüse sollte die Grundlage unserer Ernährung sein. Zumindest darin sind sich nahezu sämtliche Ernährungsweisen – so unterschiedlich sie auch sein mögen – einig. Doch nun bringt ein US-Mediziner auch noch diese Ernährungsrichtlinie ins Wanken. Dr. Steven Gundry warnt vor den in Gemüse bzw. Lebensmitteln enthaltenen Lektinen, die sowohl Krankheiten verursachen, als auch zu Gewichtszunahme führen sollen. Mit einer Ernährung ohne Lektine wiederum sollen Krankheiten geheilt und Abnehmerfolge erzielt werden können.

Aber was genau steckt hinter der lektinfreien Ernährung? Was sind Lektine überhaupt? Welches Gemüse ist scheinbar schlecht? Und kann es sein, dass Puddig am Ende gesünder als Paprika ist? Wir klären auf.

Lektine: Können diese Lebensmittel dem Menschen schaden?

Mit dem Titel "Böses Gemüse: Wie gesunde Nahrungsmittel uns krank machen" hat der US-amerikanische Arzt Dr. Steven Gundry eine kontroverse Diskussion angestoßen: Können manche Lebensmittel, bzw. explizit Gemüse dem Menschen tatsächlich schaden?

Laut seinem Buch: Ja. Grund hierfür sind die in Gemüse enthaltenen giftigen Lektine. Dabei handelt es sich um Proteine, die Gemüse als Abwehrstoff vor Feinden dienen – das schließt auch den Menschen mit ein. Im menschlichen Körper sollen Lektine daher allerhand Schaden anrichten. Sie können sich an Körperzellen heften und Entzündungen hervorrufen. Daher werden sie vor allem mit Autoimmun-Erkrankungen und chronisch entzündlichen Krankheiten wie Morbus Crohn, Arthritis und Schilddrüsenproblemen, in Verbindung gebracht. Auch Gewichtszunahme soll laut Dr. Gundry durch Lektine verursacht werden können.

Lektinfrei ernähren: Diese Lebensmittel sollen gemieden werden

In seinem Buch stellt der amerikanische Arzt eine Liste an Lebensmitteln vor, die reich an Lektinen sind und die daher gemieden werden sollen. Dazu zählen auch gesunde Lebensmittel wie bestimmte Gemüsesorten (nicht alle), Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Früchte und einige Nüsse, Saaten und Öle. Aber auch verarbeitete Produkte wie Zucker, Süßigkeiten, Chips und Co sind dabei.

Auf der “Verbots-Liste” der mittlerweile auch als "Gundry-Diät" bekannten Ernährung stehen:

  • Gemüse der Familie der Nachtschattengewächse wie Aubergine, Tomate, Paprika, Chilischoten
  • Kürbisgewächse wie Kürbis, Zucchini, Gurke
  • Bohnen, Linsen und generell alle Hülsenfrüchte
  • Mais
  • Früchte – außer Früchte der Saison
  • Vollkorngetreide und Pseudo-Getreide in jeglicher Form
  • Alle raffinierte Stärkeprodukte wie Zucker, Süßigkeiten, Brot, Gebäck, Nudeln, Chips, etc. sowie Soft Drinks
  • Bestimmte Nüsse und Saaten wie Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Cashewkerne, Erdnüsse und Chiasamen
  • Bestimmte Milchprodukte wie Kefir, griechischer Joghurt, Ricotta
  • Bestimmte Pflanzenöle wie Sonnenblumenöl, Traubenkernöl, Distelöl
  • Fleisch das von Tieren stammt, die mit lektin-haltigen Nahrungsmitteln gefüttert wurden

Eine Antwort können wir an dieser Stelle direkt geben: Wie sie vielleicht selbst bemerken so wird auch von Zucker abgeraten, was natürlich den Pudding betrifft. Pudding ist also auch im Rahmen der lektinfreien Ernährung nach Gundry nicht gesünder als Paprika.

Was ist bei der lektinfreien Ernährung erlaubt?

Keine Paprika, kein Pudding – was ist bei der lektinfreien Ernährung dann überhaupt erlaubt? Unter anderem die folgenden Lebensmittel sollen laut Dr. Gendry unbedenklich sein:

  • Kohlgemüse wie Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl etc.
  • Wurzelgemüse inklusive Karotten und Radieschen
  • Zwiebelgemüse wie Lauch, Zwiebeln, Frühlingszwiebeln
  • Süßkartoffel, Pilze, Oliven
  • Salat und Kräuter
  • Avocado und Beeren der Saison
  • Bestimmte Nüsse und Saaten wie Leinsamen, Walnüsse, Pistazien
  • Schaf- und Ziegenmilchprodukte
  • Fisch und Meeresfrüchte aus Wildfang
  • Fleisch aus Freilandhaltung
  • Bestimmte Pflanzenöle wie Olivenöl, Kokosöl, Avocadoöl
  • Einige Süßstoffe, wie Stevia und Xylit

Kochen vermindert den Lektingehalt

Durch die Zubereitung von Lebensmitteln kann der Lektingehalt verändert werden. So werden durch das Einweichen und auch Kochen von Lebensmitteln ein großer Teil der meisten Lektine gelöst. Das ist auch der Grund, warum Hülsenfrüchte vor dem Kochen bereits eingeweicht werden oder auch, warum die traditionelle Zubereitung von Brot so lange dauert.

Auch bei Gemüsesorten wie Tomaten, Aubergine und Paprika wird die Menge an Lektinen durch das Kochen verringert. Damit sind sie oftmals auch besser verträglich.

Fazit zu Lektinen: Keine Angst vor Gemüse!

Tatsächlich ist die Studienlage in Bezug auf Lektine aktuell noch recht gering. Was die beschriebenen Abnehmerfolge, die durch eine Ernährung ohne Lektine scheinbar erzielt werden, angeht, können diese auch auf der generell naturbelasseneren Ernährungsweise ohne stark verarbeitete Lebensmittel und geringere Mengen Kohlenhydrate basieren.

Was Krankheiten angeht, wie Schilddrüsenerkrankungen oder entzündliche Darmerkrankungen, so kann es tatsächlich sein, dass der Verzicht auf größerer Mengen an Lektinen einen mildernden Effekt haben kann. Probieren Sie dies am besten selbst aus. Probieren Sie auch aus, ob lektinreichere Gemüsesorten wie Tomaten und Paprika im gekochten Zustand besser vertragen werden. Hierbei kann ein Ernährungstagebuch helfen. Gleiches gilt auch, wenn Sie generelll einen empfindlichen Darm und Verdauungstrakt haben.

Wenn Sie gesund sind und keine Beschwerden beim Verzehr von lektinhaltigen Lebensmitteln haben, so brauchen Sie grundsätzlich keine Angst vor Gemüse und Vollkorn zu haben und müssen Tomaten, Paprika und Zucchini auch nicht vom Speiseplan streichen. Achten Sie, wie bei allem, auf Ihre individuelle Bekömmlichkeit und die Menge einzelner Lebensmittel.

Erfahren Sie auf unserer Themenseite Allergien und Intoleranzen mehr über Unverträglichkeiten von Lebensmitteln. Auf der umfangreichen Themenseite Diäten klären wir Sie über die verschiedensten Ernähurngsansätze und Diätmethoden auf.

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