31.08.2018

Echter oder emotionaler Hunger Wann emotionales Essen zum Problem wird

Emotionales Essen kann schnell zur Gewohnheit werden. Das Abgewöhnen ist dann gar nicht so leicht.

Foto: iStock/cyano66

Emotionales Essen kann schnell zur Gewohnheit werden. Das Abgewöhnen ist dann gar nicht so leicht.

Ist es wirklich Hunger oder nicht?! Nicht nur das körperliche Bedürfnis nach Essen äußert sich als Hunger. Auch unangenehme Gefühle und Gewohnheiten bringen uns dazu, zu Essen zu greifen. Erfahren Sie mehr über emotionalen Hunger.

Wir essen, wenn wir Hunger haben und hören auf, wenn wir satt sind. Oder? Nicht immer! Denn neben dem körperlichen Bedürfnis nach Nahrung, wird Essen auch zur Befriedigung, Beruhigung oder Belohnung bei Stress, Traurigkeit, Langeweile oder auch Einsamkeit genutzt. Hierbei handelt es sich um emotionales Essen beziehungsweise emotionalen Hunger.

Emotionaler Hunger betrifft mehr Menschen als man denkt und ist nicht jedem bewusst. Das hängt auch daran, dass emotionaler Hunger nicht so einfach von "echtem" Hunger zu unterscheiden ist. Wie kann emotionalen Hunger dennoch erkannt werden? Wie kommt es zum emotionalen Essen? Und wie kann damit umgegangen werden?

Emotionales Essen oder doch körperlicher Hunger?

Von körperlichem oder "echtem" Hunger wird in den Fällen gesprochen, in denen der Körper nach Nahrung verlangt, da er Energie oder auch Nährstoffe benötigt. Wird bei echtem Hunger etwas gegessen, so stellt sich danach normalerweise ein Gefühl von Sättigung ein und das Hungergefühl ist verschwunden.

Emotionaler Hunger im Vergleich zu echtem Hunger entsteht hingegen aufgrund eines bestimmten Gefühlszustandes. Meist sind es eher negative Gefühle, wie Stress, Langeweile, Frust, Liebeskummer, Leere oder Unzufriedenheit, die durch Essen kompensiert werden sollen. Da führt beim Nachhausekommen der erste Weg zum Kühlschrank. Meist ist der Hunger in diesen Fällen jedoch auch nach dem Essen nicht gestillt.

Emotionaler Hunger: Auf Dauer ein Problem

Ihnen fällt sicherlich die ein oder andere Situation ein, in der Sie aufgrund unangenehmer Emotionen gegessen haben. Das an sich ist nicht weiter schlimm. Essen aus Frust, Stress, Traurigkeit, Ärger und ähnlichem wird erst zur Problematik, wenn es mehr und mehr Macht über einen gewinnt, zur Gewohnheit oder gar Obsession wird. Zum Beispiel: In stressigen Situationen wird immer Schokolade benötigt. Langeweile wird immer mit einer Tüte Chips gefüllt.

In diesen Fällen wird aus einem "Ich gönne mir mal etwas", ein "Ich muss das jetzt haben". Sprich: Aus Genuss wird Zwang. Betroffene haben dann bei emotional fordernden Situationen ihr Essverhalten nicht mehr unter Kontrolle. Das emotionale Essen kann sich auch in Gewichtszunahme bis hin zu Übergewicht äußern. Häufig liegt genau hier der Grund, warum Menschen das Abnehmen auf Dauer nicht gelingt. Denn Diäten fokussieren sich in den meisten Fällen darauf, was gegessen wird und nicht, warum gegessen wird.

Gerade strenge Diäten, die von feste Vorschriften und Verboten geprägt sind, führen bei vielen Menschen zu Frust, da sie auf Dauer nur schwer umsetzbar sind. Genau dieser Frust wiederum kann dazu führen, dass emotionaler Hunger – bei dem es sich im Prinzip auch um eine Form von Heißhunger handelt – entsteht. Das Ergebnis ist, dass am Ende die verlorenen Kilos wieder drauf sind oder man sogar noch mehr wiegt als zuvor.

Nicht nur emotionales Essen kann langfristig problematisch werden. Entdecken Sie die fünf ungesündesten Essgewohnheiten, die viele gar nicht bemerken.

Warum essen wir, wenn wir gar keinen Hunger haben?

Tatsächlich haben wir meist bereits in der Kindheit gelernt, dass nicht nur aufgrund von Hunger gegessen wird. Denken Sie beispielsweise an eine Situation, in der Sie von Ihren Eltern mit Essen belohnt wurden – zum Beispiel einer Süßigkeit oder einem Eis –, wenn Sie etwas besonders gut gemacht oder geschafft haben. Auch sogenannte Volksweiseheiten, wie "Wenn Du Deinen Teller nicht auf isst, wird das Wetter morgen schlecht", die viele in der Kindheit gehört haben, können das Essverhalten bis in das Erwachsenenalter hinein beeinflussen und auch dazu führen, dass das persönliche Sättigungsgefühl möglicherweise nicht richtig eingeschätzt wird. So essen auch viele Erwachsene noch ihren Teller auf, obwohl sie bereits satt sind.

Emotionaler Hunger bzw. emotionales Essen hängt also oft mit bestimmten einverleibten Verhaltensmustern zusammen. Auch der zwanghafte Gang zum Kühlschrank nach dem stressigen Arbeitstag ist eine Art Automatismus emotionalen Hungers, der zur Gewohnheit geworden ist.

Gleichzeitig wird über emotionalen Hunger versucht, etwas zu befriedigen, was über das körperliche Bedürfnis nach Nahrung hinaus geht. So wird Essen zum Werkzeug, um mit bestimmten Gefühlen besser klar zu kommen. Die Schokolade wird zur Art Gehhilfe bei Stress, die Schüssel Eis zum tröstenden "Freund" bei Kummer. Emotionaler Hunger betrifft also psychologische und seelische Themen.

Zwischen echtem und emotionalem Hunger unterscheiden

Gewohnheiten sind letztlich automatische Handlungen, die in vielen Fällen unbewusst durchgeführt werden. Durch Bewusstsein und Achtsamkeit gegenüber dem eigenen Essverhalten kann demnach zunächst aufgedeckt werden, in welchen Situationen, aus welchen Gründen gegessen wurde und ob es sich dabei um emotionalen oder um echten Hunger handelte. Hierbei kann ein Ernährungstagebuch hilfreich sein.

Nicht immer ist es so einfach zwischen emotionalem und echtem Hunger zu unterscheiden. Folgende Fragen können bei der Unterscheidung helfen:

  • Haben Sie ein tatsächliches Hungergefühl in der Bauchgegend und knurrt der Magen oder essen Sie gerade mehr aus Zwang? (letzteres ist eher emotionaler Hunger)
  • Haben Sie das Gefühl Ihr Hunger muss jetzt sofort gestillt werden und Sie halten es keine weitere Sekunde aus? (eher emotionaler Hunger)
  • Muss es etwas ganz Bestimmtes zu essen sein, wie Schokolade, Chips oder Eiscreme? (eher emotionaler Hunger)
  • Haben Sie nach dem Essen immer noch Hunger oder fühlen Sie sich nicht richtig befriedigt? (eher emotionaler Hunger)
  • Fühlen Sie sich nach dem Essen schlecht bzw. haben Sie ein schlechtes Gewissen? (eher emotionaler Hunger)

Emotionales Essen abgewöhnen: Was hilft bei ständigem Heißhunger?

Bewusstsein ist der erste Schritt für Veränderung. Wenn Sie zum Beispiel erkennen, dass Sie in stressigen Situationen immer Verlangen nach Schokolade haben, können Sie sich zukünftige eine Alternative zum Essen überlegen: Vielleicht hilft es ihnen beispielsweise schon, an die frische Luft zu gehen und den Druck bewusst auszuatmen. Grundsätzlich ist es wichtig, Gefühlen ihren Raum zu geben, anstatt sie zu unterdrücken – hierbei kann Achtsamkeit helfen. Situationen, wie z. B. Langeweile, könnten Sie außerdem anstatt mit Essen, mit einer erfüllenden Tätigkeit begegnen.

Lesen Sie auch unseren wertvollen Ratgeber, um sich Essen aus Langerweile abzugewöhnen.

In belastenden Situationen und bei unangenehmen Gefühlen solche Alternativen zu etablieren geht nicht von Heute auf Morgen und wird wahrscheinlich nicht immer sofort gelingen. Es ist vielmehr ein Prozess des Schaffens und Übens neuer Gewohnheiten, welche Zeit benötigen. Auch können die Ursachen von emotionalem Hunger sehr unterschiedlich sein, sodass in Fällen von stark zwanghaftem Verhalten bis hin zu Essenssucht therapeutische Hilfe durchaus nötig sein kann.

Probieren Sie auch die Achtsamkeitsmethode, die nicht nur beim Abnehmen helfen kann, sondern auch beim Abgewöhnen von ungesunden Essgewohnheiten.

Fazit: Emotionalen Hunger über das Essen hinaus stillen

Emotionaler Hunger ist Hunger über das körperliche Bedürfnis nach Nahrung hinaus und betrifft vielmehr unsere Gefühlswelt. Es geht eigentlich nicht darum, etwas zu essen, sondern vielmehr, ein inneres Gefühl zu befriedigen. Daher ist es wichtig, für diese Art von Hunger andere befriedigende Wege zu finden. Das kann ein Entspannungsbad nach einem stressigen Tag, ein Gespräch mit Familie und Freunden bei einer traurigen Nachricht oder auch ein erfüllendes Hobby bei Langeweile sein – sprich, alles mögliche, das einem persönlich gut tut und eben nicht in emotionales Essen mündet.

Entdecken Sie weitere Ratgeber rund um eine gesunde und ausgewogene Ernährungsweise in jeder Lebenslage bei unserer Kolumnistin Natürlich Nadine.

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