09.05.2017

Diese Süße brauchen Sie nicht! Zuckerfrei essen: So nehmen Sie ab, ohne zu hungern

Ein zuckerfreies Leben? Hört sich ziemlich bitter an. Doch wer die Umstellung schafft, sagt Kerstin von der Linden, fühlt sich prima – und muss auf Süße nicht verzichten.

Foto: iStock/andresr

Ein zuckerfreies Leben? Hört sich ziemlich bitter an. Doch wer die Umstellung schafft, sagt Kerstin von der Linden, fühlt sich prima – und muss auf Süße nicht verzichten.

Zuckerfreie Ernährung, die schmeckt: geht das? Ja, sagt Kerstin von der Linden. Sie hat sich komplett umgestellt – den Zucker vermisst sie null.

Zucker ist ungesund – aber leider versüßt er unser kulinarisches Leben, und das in fast allen Bereichen. Von Brot über Fertigsalate bis hin zu, natürlich, Süßigkeiten: Alles ist mit Zucker versetzt, häufig mit viel mehr, als wir glauben.

WDR-Moderatorin Kerstin von der Linden wollte ihrem zuckersüßen Leben die Stirn bieten – gar nicht so einfach, wenn auch noch Mann und Kinder im Spiel sind und für lange Umstellungsprozesse kaum Zeit bleibt. Sie wagt dennoch den Selbstversuch und hat es geschafft, ihre Ernährung innerhalb von sieben Wochen von Grund auf umzukrempeln und den Zucker aus der Küche zu verbannen. Ihre Erfahrungen hat sie jetzt in einem Buch festgehalten. Mit bildderfrau.de hat sie darüber gesprochen.

bildderFrau.de: Ganz kurz zusammengefasst – warum ist Zucker so böse?

Kerstin von der Linden: Einfache Antwort: 36kg pro Jahr isst jeder von uns pro Kopf – mehr als unser willenloser Rollkoffer bei einer Flugreise wiegt. Machen Sie den Versuch und heben 36kg. Das ist der Wahnsinn! Zucker wird mit zahlreichen Krankheiten in Verbindung gebracht. Er hemmt das Sättigungshormon Leptin – wir essen also mehr, als wir eigentlich müssten. Karies, Übergewicht, Herz- Kreislauferkrankungen bis hin zu Demenz – in allen Fällen spielt auch übermäßiger Zuckerkonsum eine Rolle. Mehr als fünf Teelöffel sollten wir am Tag nicht essen. Durch versteckte Zucker kommen wir locker auf 30 Teelöffel.

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Sind alle Zuckersorten gleich schlimm?

Für den Selbstversuch habe ich auf Haushaltszucker verzichtet. Weiß, braun, Vollrohr – egal: Die sind alle von der Zusammensetzung her gleich. Genauso wie vermeintliche Alternativen wie Agavendicksaft, Ahornsirup oder Kokosblütenzucker. Zucker besteht aus Glucose (Traubenzucker) und Fructose (Fruchtzucker). Fructose, vor allem industriell hergestellte wie Maissirup, überfordert in großer Menge unseren Stoffwechsel. Also raus damit. Manche verzichten für zuckerfrei auf alle Kohlenhydrate, Milch und Früchte. Das halte ich für Quatsch. Denn: Wer bitte soll mich dann so schlecht gelaunt ertragen?

Die Umstellung: am Anfang ist es schwierig

Aus Ihrer Erfahrung: in welchen Lebensmitteln ist viel weniger Zucker als gedacht, in welchen viel mehr?

Begeistert während der Challenge war ich, dass meine Erdnussflips keinen Zucker hatten. Chips derselben Marke allerdings schon. Okay: Flips = Fett. Aber irgendwas muss ich abends knabbern, wenn auch nur in Maßen... Überrascht hat mich Zucker im Soßenbinder, der Sojasahne, in meinem Lieblingsaufschnitt und auch im Katzenfutter. Das erklärt die schlechten Zähne bei unserem Haustier.

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Was war an der Umsetzung am schwierigsten, wo haben Sie Zucker am meisten vermisst?

Die Disziplin, anders einzukaufen und viel selbst zu machen ist als berufstätige Mutter echt ein Wort. Abgesehen davon, dass ich zuverlässig anfangs auf alles Lust hatte, was garantiert Zucker enthält: Schokolade, Fertigsalate, Burger, Milchbrötchen... Aber mit der Zeit und etwas Übung hatte ich den Dreh raus, habe Alternativen gefunden. Schokolade gibt’s bei mir zum Beispiel immer noch: Jetzt mit 80 Prozent Kakaogehalt aufwärts.

Was macht die Umstellung in Ihrem Körper? Und ab wann haben Sie Zucker nicht mehr vermisst?

Erst wird man sehr zuverlässig unerträglich. Stimmungs-Schwankungen, Kopfschmerzen, Gier nach Süß, Müdigkeit – alles war bei mir zwei Wochen lang dabei. Der Körper gewöhnt sich dann aber um – auch, wenn das ein wochenlanger Prozess ist. Inzwischen kann man mich mit brauner Brause jagen und auch Zucker im Kaffee schmeckt mir nicht mehr. Und das, wo ich früher Mrs. Double-Caramell-Shot-Macchiato war...

Mit diesen Tipps geht's einfacher

Für alle Personen mit Zeitmangel: wie kann ich schnell und effektiv Zucker reduzieren, wenn ich nicht auf alles verzichten will?

Die einfachste Sache: Überall erstmal weniger verwenden. Braucht der Lieblingskuchen wirklich 180 Gramm oder tun es nicht auch 100 Gramm? Muss die Tomatensoße wirklich mit dem klassischen Löffel Zucker abgerundet werden? Brotsorten ohne Zucker und Gerstenmalz verwenden – jeder gute Bäcker gibt gerne Auskunft. Wurst beim Metzger erfragen. Rohe Schinkensorten wie Parma oder Serrano dürfen keinen Zucker enthalten, weil die Markennamen geschützt sind. Leider sind Produkte mit weniger oder ohne Zucker meist teurer.

Ihr ganz persönlicher Tipp für alle, die noch nicht ganz überzeugt sind: wie „kriegen Sie sie rum“?

Mit Geschmack beim Kochen, durch Alternativen wie Erythrit oder Reissirup. Und zuckerfrei nicht an die große Glocke hängen. Erstaunlicherweise fühlen sich manche Männer durch das Zuckerthema fast provoziert und haben mir schon viele interessante Gespräche aufgenötigt. Dabei geht es mir nicht um das Glas Bier am Abend oder die zwei Kekse zum Kaffee. In industriellen Lebensmitteln wird kontinuierlich auf mehr Süße gesetzt – versteckt und für mich als Verbraucher nicht zu erkennen. Besser gegen diese Zucker und für die Gesundheit entscheiden!

Welche Anfangsfehler kann man vermeiden?

Keiner sollte sich stressen und schlecht fühlen, wenn er doch einmal in ein Kochschinkenbrötchen beißt oder den Geburtstagskuchen im Büro mitisst. Das mache ich auch! 100 Prozent zuckerfrei, immer und in jeder Lebenslage geht nicht. Jeder, der etwas Anderes erzählt, hat wahrscheinlich kein Sozialleben. Bewusst entscheiden: Diesen Zucker esse ich jetzt. Den Kartoffelsalat aus dem Regal, den Fertigdrink aus der Dose oder die Currywurst auf die Hand brauche ich aber nicht.

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Darum lohnt es sich, zuckerfrei zu leben

Was ist das schönste nach der Umstellung?

Wenn meine Kinder sagen: „Das schmeckt gar nicht so schlecht, wie es aussieht!“ Und natürlich der Blick auf die Waage, die seit Monaten konstant bei meinem Traumgewicht steht, 57 Kilogramm. Das habe ich noch nie so lange gehalten, irgendwann kam sonst immer der Jojo-Effekt. Ich esse normal und sicher nicht wenig. Aber auf den versteckten Zucker achte ich. Funktioniert super!

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Hand aufs Herz: sind Sie noch gefährdet – oder kann Zucker Ihnen nichts mehr anhaben?

Ganz ehrlich: Er schmeckt mir nicht mehr! Wenn man einmal die natürliche Süße im Essen wiederentdeckt hat, merkt man erstmal, wie übersüßt Nutella und Co. sind. Neee – da verzichte ich gerne...

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