06.03.2017

Gut zu wissen Was ist eigentlich nachhaltiger Fisch?

Frischer Fisch vom Grill oder im Sushi ist für viele ein kulinarischer Höhepunkt. Aber woher kommt der Fisch überhaupt und wie können Sie einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten?

Foto: istock/ValentynVolkov

Frischer Fisch vom Grill oder im Sushi ist für viele ein kulinarischer Höhepunkt. Aber woher kommt der Fisch überhaupt und wie können Sie einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten?

Als nachhaltig denkender Mensch stellt man sich oft die Fragen: Was darf ich noch guten Gewissens essen? Darf ich noch Fisch kaufen? Wir haben die Antworten!

Als Kunde kann es verwirrend sein: Immer wieder neue Regeln und Verbote. Dieses ist gesund, jenes ist schädlich, auf diese Siegel müssen Sie achten... Das Regelwerk, an das man sich als nachhaltig denkender Mensch mit einem gewissen Anspruch an seine Ernährung zu halten hat, legt sich gefühlt wie ein Korsett um uns.

Gerade beim Thema Fisch gibt es große Sorgen, nicht erst seit Fukushima. Möchte man sich gesund und ausgewogen ernähren, sollte man Fisch essen, sagen die Einen. Andere wiederum sagen, dass Fisch nicht unbedingt notwendig ist. Isst man Fisch, möchte man unter Umständen auch einen Beitrag gegen die Überfischung der Meere leisten. Darf man dann aber überhaupt noch Fisch essen?

Bildderfrau.de hat mit zwei Experten gesprochen, um für Sie Licht ins Dunkel zu bringen.

Ist Fischkonsum noch vertretbar?

Pat Shanahan ist die Programmdirektorin der Genuine Alaska Pollock Producers, einer gemeinnützigen Organisation für das Marketing von Alaska-Seelachs, der in Alaska gefangen und verarbeitet wurden.

Bildderfrau.de: Manchmal fragt man sich als Kunde, ob Fischkonsum überhaupt noch vertretbar ist?

Pat Shanahan: Seelachs aus Alaska ist nachhaltig. Die Alaska Seelachs Fischereien in Alaska setzen ihre Fangquoten sehr vorsichtig, daher sind die Fangmengen im Vergleich zur Biomasse sehr niedrig. Das ist ein sehr sicherer Weg, um die Bestände zu schützen – selbst wenn neben dem Fang auch Umwelteinflüsse den Bestand reduzieren (was sie regelmäßig tun). Der Bestand ist dennoch geschützt.

Es gibt Vereinigungen, die verlangen, Fisch höchstens als Delikatesse zu essen, also so selten wie möglich. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass die Nachfrage an nachhaltigem Fisch sinkt. Doch gerade der nachhaltige Fischfang sorgt für eine Überwachung der Fischbestände, womit der Kunde unmittelbar die Nachhaltigkeit beeinflussen kann. Ohne die Nachfrage fehlt die Motivation für nachhaltige Fischereiunternehmen. Außerdem glaube ich, dass es aus gesundheitlichen Gründen nicht gut wäre vollständig auf Fisch zu verzichten. Bestimmte Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel das marine Omega-3, liefert nur Fisch.

Aber wie kann ich als Kunde nachhaltigen Fisch erkennen?

Zum einen empfehle ich nach einem glaubwürdigen Öko-Label zu schauen, wie zum Beispiel dem MSC-Zertifikat. Des Weiteren empfehle ich sich über den Fisch, den Sie essen möchten, zu informieren. Zum Beispiel kommt nicht jeder Alaska-Seelachs auch wirklich aus Alaska und einige Alaska-Seelachs-Fischereien außerhalb von Alaska sind nicht nachhaltig zertifiziert. Schauen Sie auf das Fischfanggebiet 67. Dieses Fischfanggebiet liegt im Nordostpazifik.

In Alaska ist es sogar konstitutionell festgelegt, dass ausschließlich nachhaltig gefischt werden darf, was mit Sicherheit ein großer Unterschied zu vielen anderen Fischfang-Nationen ist. Darauf sind wir auch stolz.

Was zeichnet Alaska-Seelachs aus Alaska aus?

Der Titel "Alaska-Seelachs" suggeriert dem Konsumenten, dass es sich um Seelachs aus Alaska handelt, jedoch kann dies erst das Fischfanggebiet zweifelsfrei auflösen. Nur das Fanggebiet 67 steht für Alaska. Doch ist es überhaupt von Bedeutung, wo genau der Fisch gefangen wurde? Ja, denn Alaska-Seelachs aus Alaska wird im Vergleich zum Alaska-Seelachs aus Russland zum Großteil nur einmal eingefroren mittels Schockfrostverfahren (91%), sodass er stets gefroren weiterverarbeitet wird. Der russische Alaska-Seelachs wird zum Großteil zweimal tiefgefroren und nur ein kleiner Teil (16%) wird nur einmal tiefgefroren.

Wussten Sie schon: Alaska-Seelachs ist eng verwandt mit dem atlantischen Kabeljau, die beide zur Familie der Dorsche gehören. Der Alaska-Seelachs ist aber nicht verwandt mit dem Lachs.

Der Fischverzehr der Deutschen

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt ein- bis zweimal pro Woche Fisch zu verzehren. Der durchschnittliche Fischverzehr pro Kopf in Deutschland liegt bei 14 Kilogramm. Spitzenreiter auf der Beliebtheitsskala ist der Lachs (20,5%), gefolgt vom Alaska-Seelachs (18,3%) und Hering (15,9%). Und eine amüsante Randnotiz: Pro Jahr isst jeder Deutsche im Schnitt 24 Fischstäbchen.

Um mehr über den MSC und die Zertifizierung zu erfahren, sprachen wir mit Andrea Harmsen vom Marine Stewardship Council (kurz: MSC).

Was kann ich als Konsument für nachhaltigen Fischfang tun?

Bildderfrau.de: Man liest oft vom nachhaltigen Fischfang, aber woran erkenne ich ihn als Kunde?

Andrea Harmsen: Das blaue MSC-Siegel macht es dem Verbraucher einfach: Es zeigt ihm auf den ersten Blick, dass ein Fischprodukt aus nachhaltiger Fischerei kommt.

Wer beim Fischkauf auf Produkte mit dem blauen MSC-Siegel achtet, kann sicher sein, dass er Fisch aus nachhaltigem Fang kauft. Und mehr noch: Er unterstützt mit seiner Wahl eine nachhaltige Fischerei und leistet selbst einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Fischbestände.

Beim Fischhändler, der auch Fischarten im Angebot hat, die noch nicht mit MSC-Siegel erhältlich sind, hilft ein Blick in den WWF Fischratgeber um herauszufinden, ob die gewünschte Fischart aus einem nicht überfischten Bestand kommt.

Gehe ich als Kunde in den Supermarkt, werben zahlreiche Verpackung mit nachhaltigem Fischfang. Ähnlich wie beim Bio-Siegel gibt es viele unterschiedliche Auszeichnungen, aber welche zeichnet wirklich nachhaltigen Fischfang aus?

Das MSC-Siegel ist weltweit als das strengste, umfassendste und transparenteste Nachhaltigkeitssiegel für Fisch und Meeresfrüchte anerkannt. MSC-zertifizierte Fischereien müssen ein sehr breites, wissenschaftlich begründetes Spektrum an Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Und sie müssen ihre Nachhaltigkeit regelmäßig von unabhängiger Seite kontrollieren lassen. Alle anderen Siegel, die auf Wildfisch-Produkten zu finden sind, haben entweder deutlich schwächere Nachhaltigkeitskriterien oder kein strenges, unabhängiges und transparentes Kontrollsystem. Oder aber sie berücksichtigen nicht den Schutz des gesamten marinen Ökosystems, sondern betrachten nur den Schutz einer einzelnen Spezies, wie zum Beispiel des Delfins.

Worauf genau achtet das MSC-Label, also was muss ein Fischfang-Betrieb einhalten, um von euch ausgezeichnet zu werden?

Fischereien, die MSC-zertifiziert sind, achten darauf, dass die Bestände, die sie befischen, stets eine nachhaltige Größe haben, also nicht überfischt sind. Sie achten darauf, dass sie das Ökosystem Meer schonen, also z.B. wenig Beifang haben oder den Meeresboden nicht mit ihrem Fanggerät zerstören. Und sie verfügen über ein gutes Fischereimanagement, sind also z.B. in der Lage, ihre Fischereiaktivitäten effektiv an mögliche Bestandsgrößenänderungen anzupassen.

Momentan fallen alle anderen Siegel in ihrer Vertrauenswürdigkeit deutlich hinter den Standard des MSC-Siegels zurück – sei es, weil sie zu lasche Nachhaltigkeitskriterien anlegen, weil sie nicht unabhängig und streng genug kontrollieren oder weil sie keinen ganzheitlichen Ansatz verfolgen.

Gibt es aus Wildfischerei-Sicht etwas an Fischfang aus Aquakulturen auszusetzen?

Verbraucher sollten sich bewusst machen, dass sie mit dem Kauf von Zuchtfisch nicht automatisch Wildfischbestände schonen und schützen. Denn häufig werden Zuchtfische mit Fischmehl gefüttert, welches aus Meeresfischen hergestellt wird - und nur zu etwa 5 Prozent kommt dieses Fischmehl aus nachhaltiger Fischerei. Grundsätzlich gilt für die Aquakultur wie für den Wildfischfang: nur solange sie nachhaltig und umweltverträglich betrieben wird, ist sie vertretbar.

Ist es überhaupt sinnvoll Fisch zu verzehren oder wäre es nicht am nachhaltigsten, komplett auf Fisch zu verzichten?

Fisch ist eine nachwachsende Ressource. Um unsere Meere und ihre Fischbestände zu erhalten, ist es nicht nötig, gänzlich auf den Verzehr von Fisch zu verzichten – wohl aber ist es nötig, darauf zu achten, dass man nur Fisch aus nachhaltigem Fang isst.

Nachhaltigkeit ist immer eine Mischung aus Ökonomie und Ökologie. Auf der ökonomischen Seite stehen nicht nur die Menschen, die gerne Fisch essen, weil er schmeckt und gesund ist, sondern auch diejenigen, die auf Fisch als Nahrungsmittel angewiesen sind, oder diejenigen, die mit Fischfang ihren Lebensunterhalt bestreiten. Auf der ökologischen Seite stehen Meere und Fischbestände, die auch für zukünftige Generationen erhalten werden müssen. Die ökonomische und die ökologische Seite zusammen zu bringen, bedeutet Nachhaltigkeit. Dafür steht der MSC.

Festmahl vom Grill: Meeresfrüchte für lauschige Abende

Wie erkenne ich Restaurants, die nur nachhaltig gefangenen Fisch anbieten? Gibt es für diese eine Auszeichnung?

Restaurants können, wenn sie MSC-zertifiziert sind, nachhaltigen Fisch auf der Speisekarte mit dem MSC-Siegel ausweisen. In der Praxis ist dies noch selten der Fall - daher empfehlen wir jedem Restaurantbesucher, den Kellner oder die Kellnerin konkret zu fragen, welcher Fisch auf der Karte aus nachhaltigem Fang kommt.

Fisch: Lieblingsrezepte und Wissenswertes

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