07.02.2017

Work-Life-Balance Natürlich Nadine - Auf der Suche nach dem inneren Coach

Health Coach Nadine Hüttenrausch.

Foto: privat

Health Coach Nadine Hüttenrausch.

Nadine Hüttenrauch ist Ernährungsberaterin und Health Coach. Sie hilft Menschen dabei, ihre inne Mitte zu finden, sich wieder konkrete Ziele zu setzen und diese auch zu erreichen.

Welche Rolle dabei unser Bewusstsein, unsere Ernährung und ausreichend Bewegung spielt, erzählt sie uns im Interview.

bildderfrau.de: Liebe Frau Hüttenrauch, Sie sind Health Coach. Was kann man sich darunter vorstellen?

Nadine Hüttenrauch: Gute Frage! Als Health Coach arbeite ich mit Menschen daran, deren individuelle und persönliche (Gesundheits-) Ziele zu erreichen – das können von einer Ernährungsumstellung, über Stressmanagement, bis hin zu Life Coaching die unterschiedlichsten Ziele sein. Dabei bin ich auf der einen Seite Berater und gebe Wissen weiter.

Aber als Coach geht es mir vielmehr darum, meine Klienten in ihr eigenes Bewusstsein zu bringen und ihren „inneren Coach“ – wie ich ihn nenne – zu entdecken und ihm vertrauen zu lernen. Und auch wenn Menschen mit einem bestimmten Ziel zu mir kommen, so können im Rahmen eines Coachings die unterschiedlichsten Themen auf den Tisch kommen.

Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass ich einen sehr ganzheitlichen Ansatz habe, der den Menschen mit all‘ seinen Facetten betrachtet und so kann es durchaus passieren, dass eine Ernährungsumstellung am Ende auch zu einer Neuorientierung des Berufswegs führt – das war übrigens auch in meinem Fall so.

Sie geben Workshops, organisieren Seminare und halten Vorträge. Wer nimmt denn Ihre Hilfe in Anspruch?

Da gibt es nicht die eine Art von Person. Dennoch ist mir über die Zeit aufgefallen, dass eher Menschen den Weg zu mir finden, die Herausforderungen und Situationen gegenüber stehen, die ich selbst schon durchlebt habe beziehungsweise noch heute durchlebe.

Vor allem sind dies solche, die dem modernen Lebensstil entspringen: ein herausfordernder Job, eine Vielzahl an Anforderungen, Zeitmangel, die Fülle an Möglichkeiten, eine hohe Erwartungshaltung. Diese wiederum bringen oftmals fehlende Zeit für sich selbst, Stress, innere Unruhe, Unausgeglichenheit oder auch eine unausgewogene Ernährungsweise und ähnliches mit sich.

Generell scheinen sich insbesondere Frauen mit diesen Themen auseinander zu setzen, denn die Mehrzahl der Teilnehmer ist weiblich.

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Woran liegt es, dass immer mehr Menschen über Stress, Unzufriedenheit und Unausgeglichenheit klagen?

Im Prinzip geht das in die Richtung dessen, was ich eben beschrieben habe. Das moderne Leben – so viele Chancen und Möglichkeiten es auch bietet – bringt zahlreiche Herausforderungen mit sich: der höhere Leistungsdruck, der stresst und uns unzufrieden macht, die gesteigerte Informationsflut, genauso wie die ständige Erreichbarkeit, die uns von uns selbst entfernt und uns ablenkt, Unsicherheit in Bezug auf den Job genauso wie Beziehungen, die zu Sorgen und Ängsten führen.

Wir sind heutzutage ständig am Machen und Tun, am Kommunizieren, am Leisten und daran, es allen recht machen zu wollen und den vermeintlich gestellten Anforderungen der Gesellschaft zu entsprechen. Aber wo sind wir in dieser Gleichung geblieben?

Ich glaube, dass der Ursprung von Stress, Unzufriedenheit und Unausgeglichenheit in Unbewusstheit und der oftmals verlorenen Verbindung zu uns selbst und unserem Körper liegt. Fragen wie, „Was will ich wirklich?“, „Was tut mir gut?“, Wie geht es mir heute?“, werden viel zu selten gestellt.

Gleichzeitig wird vieles unbewusst und nebenbei gemacht: Gegessen, während gleichzeitig gearbeitet wird, Unterhaltungen mit Freunden geführt, während gleichzeitig die E-Mails und Whatsapp gecheckt werden, Auto gefahren und dabei telefoniert, usw. Der Fokus und die Aufmerksamkeit fehlen. Das kann enorm stressen und zu Unausgeglichenheit führen.

Also sollten wir uns mehr Zeit für uns nehmen?

Unbedingt! Es ist so viel los um uns herum, dass gerade deswegen Zeit mit sich selbst so wichtig wäre. Und zwar, um herauszufinden, was man wirklich möchte, was gerade in einem vor geht oder wie es einem geht. Wenn man sich das nicht fragt, merkt man oftmals erst viel zu spät, dass etwas nicht stimmt – nämlich dann, wenn es sich schon total zugespitzt hat, man plötzlich gereizt ist, enorm müde oder vollkommen gestresst und überfordert.

Zeit für sich selbst ist eine Form der Prävention, die wichtig für die Gesundheit und das Wohlbefinden ist. Zeit für sich selbst schafft Bewusstsein, Klarheit und Zufriedenheit.Diese Zeit kann schon im ganz Kleinen beginnen, wie zum Beispiel dem genussvollen Trinken eines Tees oder Kaffees am Morgen bei der man in sich hinein spürt und sich fragt, wie es einem geht.

Wie kann sich denn dieser seelische Stress auf unseren Körper auswirken?

Stress, ob nun seelisch oder mental, wirkt sich natürlich immer auf den Körper aus und zwar als Stressreaktion: Stresshormone werden ausgeschüttet und der Körper stellt sich auf körperliche Höchstleistung ein. Auch der Blutdruck steigt und im selben Moment werden unwichtige Körperfunktionen heruntergefahren, wie zum Beispiel die Gehirn- oder Verdauungsleistung. Dafür wird die gesammelte Energie in die Beine und Arme befördert. Der Körper ist evolutionär darauf getrimmt, nun zu fliehen oder zu kämpfen.

Eine punktuelle Stressreaktion ist gut, ja sogar lebensnotwendig. Nur sind wir heutzutage tatsächlich lebensbedrohlichen Situationen nur sehr, sehr selten ausgesetzt. Komischerweise scheinen wir diese jedoch gar nicht zu brauchen, um ständig unter Stress zu stehen.

Der Anruf des Chefs, die unbeantworteten E-Mails, die nicht enden wollende To Do-Liste, die vielen Anforderungen: das sind alles moderne Stressoren, die die gleichen körperlichen Reaktionen hervorrufen, wie der Angriff des Säbelzahntigers. Das Problem dabei ist nicht die Reaktion an sich, sondern dass sie oftmals andauernd ist. Dauerstress ist das, was dem Körper schadet.

Stellen Sie sich vor, Ihr Blutdruck ist ständig hoch, Ihre Verdauungsorgane sind auf Dauer unterversorgt und es bleibt dem Körper keine Zeit zur Regeneration und Heilung. Die körperlichen Auswirkungen von Stress können von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich ausfallen, aber fast jeder hat seine Ventile. Seien es der nervöse Magen oder Verdauungsbeschwerden Verspannungen und Rückenprobleme, ständige Erkältung, Hautprobleme und so weiter.

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Und was gehört Ihrer Meinung nach zu einer ausgeglichenen Work-Life-Balance?

Vor allem Zeit für sich. Und zwar nicht, indem man sich alleine auf die Couch setzt und fernsieht, sondern, indem man seine Gedanken beobachtet, reflektiert, prüft, wie es einem geht. Hierfür kann man Meditation oder eine andere Form des Ausgleichs nutzen. Auch Sport kann ein Ausgleich sein, um Anspannung und überschüssige Stresshormone abzubauen.

Genauso ist mentale Entspannung wichtig, um den Kopf frei zu bekommen. Der eine liest hierfür ein Buch, der andere geht im Wald spazieren. Ich koche zum Beispiel gerne, um meinen Kopf von Gedanken zu befreien. Wobei dies ja sogar Teil meiner Arbeit ist und da komme ich auch zum, meiner Meinung nach, ultimativen Ziel, für das ich Konfuzius zitieren möchte: „Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag in deinem Leben mehr zu arbeiten.“ Ist Work-Life-Balance dann überhaupt noch notwendig?

Was machen Sie noch, um nach einem langen, arbeitsreichen und hektischen Tag Ihren Kopf frei zu bekommen?

Kochen ist für mich persönlich eine wunderbare und wirkungsvolle Möglichkeit, um den Kopf frei zu bekommen, genauso, wie alles andere, was meine volle Aufmerksamkeit beansprucht und mir Freude bereitet. Das kann auch Lesen sein oder Schreiben. Ich schreibe unglaublich gerne und es hilft mir oft, meine Gedanken zu strukturieren und mich von ihnen zu befreien.

Ich bin nämlich tatsächlich eine große Denkerin, was bedeutet, dass in meinem Kopf meist ziemlich viel los ist und der Gedankenkarussel häufig auf Hochtouren fährt.

Ich habe außerdem nach dem Ansatz der Achtsamkeit gelernt, mich mehr und mehr auf den jetzigen Moment zu konzentrieren. Mein Anker, um in das Hier und Jetzt zu gelangen, ist mein Atem. Wenn ich abends im Bett liege und nicht einschlafen kann, fokussiere ich mich auf meinen Atem, das beruhigt mich und hilft mir beim Einschlafen. Eine Verknüpfung zwischen Atem und Beruhigung herzustellen, war ein Prozess, den ich beständig geübt habe.

Welche Rolle spielt Ernährung und Sport für Sie?

Ernährung spielt für mich eine sehr wichtige Rolle. Bis vor einer Weile hätte ich womöglich noch gesagt, die zentrale Rolle. Denn Ernährung war mein persönlicher Ausgangspunkt in vielerlei Hinsicht. Zum einen, auf dem Weg zu mehr Bewusstheit mir und meinem Körper gegenüber und zum anderen, in Bezug auf meinen Werdegang und meiner Tätigkeit, die ich heute ausübe. Als zentral würde ich sie heute nicht mehr bezeichnen, da ich Ernährung als Teil des Ganzen betrachte: als Teil der Gesundheit, als Teil des Menschen – ein wichtiger Teil, aber nicht der Einzige.

Und auch Sport und Bewegung ist ein wichtiger Teil des Ganzen. Sitzen wurde bereits als das neue Rauchen definiert. Bewegungsmangel kann, genauso wie eine unausgewogene Ernährung, zu Beschwerden führen: schlechte Haltung und damit verbundene Verspannung und Schmerzen, genauso wie eine verlangsamte Verdauung und ein unausgeglichener Stoffwechsel.

Gerade zum Jahresanfang nehmen sich viele Menschen vor, Ihren Lebensstil umzukrempeln. Gesunde Ernährung und Sport stehen oft ganz oben auf der Liste. Wie schafft man es, diese Vorsätze in die Tat umzusetzen?

Mit dieser Frage habe ich mich tatsächlich länger beschäftigt. Ich bin dabei auf mehrere Schlüsselverhalten gestoßen, die ich als Grund dafür sehe, warum viele Menschen ihre Vorsätze nicht in die Tat umsetzen: 1. Man nimmt sich etwas vor, was man eigentlich nicht wirklich will. 2. Man nimmt sich zu viel auf einmal vor. 3. Man definiert Ziele zu unkonkret.

In diesem Schlüsselverhalten stecken gleichzeitig die Antworten, wie man es schafft, Vorsätze in die Tat umzusetzen:

1. Will ich den gesetzten Vorsatz wirklich, wirklich und zwar mit all‘ seinen Konsequenzen? Diese Frage sollte man sich ganz ehrlich beantworten, wenn man sich vornimmt, etwas zu verändern.

2. Das ganze Jahr über nimmt man sich nichts vor und dann will man am 1. Januar plötzlich alles auf einmal. Wie soll das gehen? Weniger ist hier mehr: lieber nur ein oder zwei Ziele, auf die man sich dann fokussieren kann.

3. Gesunde Ernährung, mehr Sport – schön und gut, aber was genau soll das heißen. Es ist einfacher Vorsätze umzusetzen, wenn man eine ganz klare Vorstellung davon hat. Zum Beispiel, kann ein konkreterer Vorsatz heißen: zweimal die Woche ins Fitnessstudio gehen oder eine gesunde Mahlzeit am Tag essen.

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Frisch, Bio, saisonal? Was gehört Ihrer Meinung nach zu einer gesunden und ausgeglichenen Ernährung?

Ausgeglichenheit lautet für mich das eine Schlüsselwort und das zweite: Qualität.

Frische und naturbelassene Zutaten zahlen auf die Qualität ein. Ein Bio-Siegel tut dies zum Teil auch, wobei es mittlerweile so unterschiedliche Bio-Standards gibt, dass Bio einfach nicht gleich Bio ist. Ich kaufe bestimmte Produkte tatsächlich nur in Bio beziehungsweise mit Demeter-Siegel, da ich mich damit in Bezug auf die Qualität wohler fühle.

Dazu zählen vor allem Fleisch- und Milch-Produkte. Wenn es um Obst und Gemüse geht achte ich zunächst einmal auf Regionalität, denn auf den Bio-Apfel aus Neuseeland kann ich verzichten, wenn ich den Apfel vom Bauern vor Ort erhalte, der sich vielleicht kein Bio-Siegel leisten kann und dennoch eine gute Qualität bietet.

Der Fokus auf Regionalität bedeutet gleichzeitig, dass ich mich nach der Saison ernähre. Für mich ist Saisonalität ein wichtiger Aspekt der Ernährung, denn die Natur hat sich schon etwas dabei gedacht, uns mit bestimmten Nahrungsmitteln zu bestimmten Zeiten zu versorgen. Außerdem führt eine saisonale Ernährung gleichzeitig zu mehr Abwechslung in der Ernährung und somit mehr Ausgeglichenheit.

Ausgeglichenheit und Ausgewogenheit sind für mich mit die wichtigsten Aspekte einer gesunden Ernährungsweise. Sie führen zum einen dazu, ein größeres Nährstoffprofil abzudecken, bringen einen dazu Neues zu entdecken und in der Küche kreativ zu sein und vermeiden Extreme.

Was ist Ihr persönliches Super Food?

Momentan Kurkuma. Nicht nur wegen der schönen Farbe, die gerade im Winter für eine gute Stimmung sorgt … Der in Kurkuma enthaltene sekundäre Pflanzenstoff Curcimun hat so einiges zu bieten: Curcumin werden sowohl verdauungsfördernde, antikanzerogene (Krebs-hemmende), antibakterielle, als auch entzündungshemmende und eben antioxidative Eigenschaften nachgesagt.

Gleichzeitig habe ich mit sogenannter goldener Milch, die aus Kurkuma-Paste gemacht wird, sehr gute Erfahrung gemacht. Ich habe oftmals einen nervösen Magen und habe das Gefühl, dass die Milch, die ich mit pflanzlicher Milch zubereite, eine beruhigende Wirkung hat.

Deutsche Hausmannskost ist lecker – aber allzu oft liegt sie auch schwer im Magen. Haben Sie vielleicht ein paar Tipps zum Aufpeppen parat?

Ja, das stimmt wohl. Ich koche eher selten klassisch deutsche Küche, was ich jedoch gerne mache, ist, diese Zutaten in leichten Gerichten zu verwenden. So wird der Grünkohl oder das Rotkraut als frischer Salat gegessen, die Pilzpfanne auch mal mit Quinoa verzehrt, Beilagen zur Hauptkomponente gemacht. Ich liebe zum Beispiel Semmel- und Serviettenknödel. Haben Sie diese schon einmal angebraten mit Tomate und Mozzarella probiert? Lecker!

Welche Rolle spielt Verzicht?

Verzicht kann befreien und gleichzeitig kann er enorm einschränken, nämlich dann, wenn er zwanghaft wird. Im Rahmen einer Ernährungsumstellung, kann ein anfänglicher Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel gut aufzeigen, wie sehr das körperliche Empfinden durch die Ernährung verändert werden kann. Zwanghafter Verzicht auf Dauer, kann allerdings zu Frustration und Unzufriedenheit führen. Wie bei allem, ist also auch bei Verzicht das richtige Maß ausschlaggebend.

Was bedeutet für Sie Zufriedenheit?

Ich würde sagen, so ziemlich alles. Ich verspüre ein enorm starkes Streben nach Zufriedenheit. Zufriedenheit, welche für mich mit Lebensfreude einhergeht, ist für mich der Schlüssel zur Gesundheit. Es bringt nichts, wenn ich mich noch so gut ernähre, noch so viel Sport mache, mich noch so sehr versuche zu optimieren, wenn ich am Ende unzufrieden und unglücklich bin. Denn das wird sich negativ auf den Körper auswirken.

Zufriedenheit und Lebensfreude stehen daher für mich an erster Stelle und das bedeutet für mich, eine enge Beziehung zu sich selbst zu pflegen, Dinge und Situationen mit Humor zu sehen, eine gewisse Gelassenheit zu pflegen und Fünf gerade sein zu lassen, zum Beispiel was die Ernährung betrifft.

Und was ist mit Glück?

Als Kind wollte ich immer eines: glücklich zu sein. Was jedoch ist Glück und was bedeutet es, glücklich zu sein? Sind Glück und Glücksgefühle punktuell? Für mich ist Zufriedenheit wichtiger. Mir geht es mehr darum, den Zustand von Zufriedenheit immer öfter zu erzeugen und ihn zu einem übergreifenden Zustand zu machen. Das bedeutet nicht, dass ich nicht auch einmal unzufrieden, traurig oder ängstlich bin. Es bedeutet, dass mein Grundzustand, zu dem ich immer wieder zurückkehre, die Zufriedenheit ist, gewürzt mit Tiefs und Hochs.

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