24.11.2016

FIT FÜR DEN WINTER Welche Kräuter können im Winter unser Immunsystem stärken?

Mit Ingwer, Kardamom und auch Muskatnuss gibt es weitere Möglichkeiten, um das eigene Wohlbefinden zu steigern.

Foto: iStock/iuliia_n

Mit Ingwer, Kardamom und auch Muskatnuss gibt es weitere Möglichkeiten, um das eigene Wohlbefinden zu steigern.

Die Erkältungswelle ist da. Welche Kräuter können besonders im Herbst und Winter unser Immunsystem stärken und wie sind diese richtig anzuwenden?

 

bildderfrau.de: Würden Sie sich bitte kurz unseren Leser/innen vorstellen und uns erzählen, was Sie hauptberuflich machen?

Dr. Lobsang Dripatsang: Geboren und aufgewachsen bin ich in Tibet. Dort erlernte ich von meinem Vater, einem tibetischen Arzt, die Grundlagen der Konstitutionslehre und die Philosophie des Tibetischen Buddhismus. Um auch anderen Menschen helfen zu können vertiefte ich mein Wissen am Medical Institut in Tibet.

Als Experte für die Tibetische Konstitutionslehre unterstütze ich die PADMA bei der Wissenstransformation und der Erforschung traditioneller Kräuterrezepturen. Durch diese Arbeit wird das traditionelle Wissen für zukünftige Generationen bewahrt und gleichzeitig auch für unsere moderne, westliche Gesellschaft nutzbar.

>> Mit tibetischer Lehre gegen Übergewicht: Ernährung ist eine Typenfrage

Sie sind Experte für die Tibetische Konstitutionslehre beim Schweizer Unternehmen PADMA, das sich der Erforschung pflanzlicher Inhaltsstoffe verschrieben hat und spezielle Kräutermischungen nach tibetischen Rezepturen fertigt. Würden Sie unseren Leser/innen mehr über die Ursprünge dieser Lehre aus Fernost erzählen? Was genau sind Ihre Grundsätze und was ist ihr Ziel?

Der Ursprung der Tibetischen Konstitutionslehre geht zurück bis ins 8. Jahrhundert. Sie integriert Behandlungen der wichtigsten traditionellen asiatischen und persischen Gesundheitssysteme. Das Herzstück der Lehre bilden die fünf Elemente Luft, Feuer, Wasser, Erde und Raum sowie die drei Energietypen (auch dynamische Prinzipien genannt) rLung (Wind), Tripa (Galle oder Hitze) und Beken (Schleim, bestehend aus Wasser und Erde).

Gemäß der Tibetischen Konstitutionslehre bestimmen diese drei Prinzipien unsere Konstitution. Dementsprechend hat jede Person eigene Befindlichkeiten und reagiert anders auf seine Umwelt. Ein länger anhaltendes Ungleichgewicht der Körperenergien, d.h. eine Abweichung vom eigenen, individuellen Konstitutionstyp, beeinflusst zudem den gesamten Organismus. Körperliche und psychische Beschwerden sind häufig die Folge.

Durch unsere Ernährung und eine typgerechte Bewegung in Verbindung mit speziellen Kräuterpräparaten haben wir die Möglichkeit unser inneres Gleichgewicht und damit die eigene Konstitution wiederherzustellen.

Worin liegt der Vorteil der Tibetischen Konstitutionslehre im Vergleich zur herkömmlichen Schulmedizin?

Anstatt einzelner Symptome und Befindlichkeiten betrachtet ein tibetischer Arzt immer den ganzen Menschen. Dieses Gesamtbild aus Körper, Geist und Seele wird maßgeblich von der Ausprägung der drei genannten Prinzipien bestimmt. Aus diesem Grund haben Störungen der inneren Balance auch Auswirkungen auf die körperliche und mentale Verfassung.

Nach der Tibetischen Konstitutionslehre hat jeder Mensch ein unterschiedliches Energie-Muster und kann damit einem von drei Energietypen zugeordnet werden. Wie finde ich heraus, welcher Energietyp ich bin?

Zu welchem Typen man selbst tendiert lässt sich anhand eine Beispiels illustrieren: Auf einer Party lassen sich anhand einer Gruppe bereits bestimmte Merkmale der Grundtypen aufzeigen.

  • Die Person, die ständig in Bewegung ist, mit allen ein bisschen plaudert, eher laut spricht und vielleicht noch Stimmungsschwankungen aufweist, ist höchstwahrscheinlich ein rLung-Typ.
  • Der Tripa-Typ ist eher temperamentvoll, kann auch schnell aus der Haut fahren und neigt zum Schwitzen. Generell hat dieser Typ eher gelbliche Haut und Augen. Durch Alkohol-Konsum nimmt sein Gesicht einen rötlichen Ton an. Ein inneres Ungleichgewicht macht sich durch stark riechenden Schweiß bemerkbar.
  • Der Beken-Typ ist stattdessen bodenständig und vertrauenserweckend. Auf der Party erkennt man eine solche Person daran, dass sie sich nicht viel bewegt. Dieser Typ ist in der Regel breit gebaut und tendiert schneller zu Übergewicht. Zudem hat dieser Typ oft auch bleiche oder weiße Haut.

Spezielle Kräutermischungen sollen zu einem harmonischen, inneren Gleichgewicht beitragen. Inwiefern?

Bereits seit Jahrtausenden machen sich die Menschen die Kraft der Natur zunutze. Die Tibeter haben erkannt, dass bestimmte Pflanzen die Energien im Körper verstärken oder reduzieren. Es gibt Kräuter, wie Zimt, Ingwer oder Langer Pfeffer, die eine wärmende Wirkung haben und das Element Feuer (die Hitze im Körper) anregen.

So wird beispielsweise die Granatapfelrezeptur Se bru 5 angewendet, um die Verdauungshitze zu steigern. Die Muskatnussrezeptur Agar 8 wiederum wird zur Reduzierung von zu viel Wind im Körper eingesetzt. Dieser Entsteht vor allem durch anhaltenden Stress und Überforderung. Häufige Folgen von zu viel Wind-Energie sind innere Unruhe, Schlafstörungen und Nervosität.

Schon sind die ersten Erkältungswellen angerollt. Welche speziellen Kräuter können besonders im Herbst und Winter unser Immunsystem stärken und wie sind diese richtig anzuwenden?

Besonders die als Königin der Pflanzen bekannte Myrobalane ist in dieser Jahreszeit zur Bewahrung des inneren Gleichgewichts zu empfehlen. Mit Ingwer, Kardamom und auch Muskatnuss gibt es weitere Möglichkeiten, um das eigene Wohlbefinden zu steigern.

Alle drei Zutaten lassen sich zudem leicht in die tägliche Ernährung einbauen. Ein Glas heißer Milch am Morgen verfeinert man am besten mit Muskatnuss. Über den Tag hinweg eignet sich Ingwer hervorragend für Tee. Am Abend lassen sich Speisen oder auch Heißgetränke mit Kardamom verfeinern.

Wenn es bereits zu spät ist – was raten Sie unseren Leser/innen bei Erkältung und Grippe?

Es ist wichtig, dass der Körper nicht auskühlt. Am besten gelingt das mit warmer Kleidung und heißen Getränken. Unser Körper benötigt in einer solchen Phase vor allem Ruhe und viel Flüssigkeit. Trinken Sie daher viel Tee oder Wasser und gönnen sie sich ein Bad vor dem Schlafengehen. Zusätzliche Unterstützung bieten Nahrungsmittel mit Vitamin C und D. Besonders geeignet sind saisonale Früchte und Gemüse sowie Fisch.

Welche Rolle spielen eine ausgewogene Ernährung und Bewegung?

Das Grundgerüst der Tibetischen Konstitutionslehre sind eine typgerechte Ernährung und Bewegung. Tripa-Typen haben viele innere Hitze und können auch Rohkost gut verdauen. Allerdings sollten scharfe und deftige Speisen vermieden werden. Sport ist für diesen Typen prinzipiell gut geeignet. Allerdings ist darauf zu achten, den Körper nicht zu überanstrengen. Vor allem Ausdauersport ist nicht optimal, da dabei zu viel Hitze im Körper erzeugt wird.

>> Ist Salat so gut wie sein Ruf?

Der Beken-Typ hingegen sollte seinen Magen vor dem Essen mit heißem Wasser vorwärmen, um den Stoffwechsel und die Verdauung anzuregen. Zudem ist bei diesem Typen die Bewegung sehr wichtig - je mehr, desto besser. Mit sogenannten „Tummo“-Atemübungen lässt sich zudem die Hitze im Körper steigern.

Für den rLung-Typen sind Frühstück und Abendessen sehr wichtig und sollten nicht ausgelassen werden. Das Essen kann auch mal deftiger ausfallen. Sport ist für diesen Typen grundsätzlich gut. Zudem eignet sich Meditation, um den Wind zu kanalisieren. Auch Yoga, Pilates und Atemübungen sind hilfreich für einen ausgewogenen Körper und Geist. Grundsätzlich gilt jedoch, dass der Sport nicht zu ausdauernd oder extrem sein sollte.

Wie wichtig ist ausreichender Schlaf?

Für einen erholten Geist benötigt man einen ausgeruhten Körper. Ausreichend Schlaf, d.h. etwa acht Stunden, ist daher sehr wichtig. Vor allem für rLung-Typen oder bei zu viel Wind-Energie ist Schlaf wichtig für unseren Körper. Nehmen Sie sich zudem auch am Tag Pausen und Ruhezeiten. Beken-Typen sollten hingegen ein Nickerchen nach dem Essen vermeiden und sich stattdessen bewegen. Bei Problemen mit dem Einschlafen oder Durchschlafen empfiehlt sich die bereits angesprochene Kräuterrezeptur Agar 8.

>> Tipps für einen erholsamen und gesunden Schlaf

Gibt es noch weitere praktische Tipps aus der Tibetischen Konstitutionslehre, die Sie unseren Leser/innen gerade in der kalten Jahreszeit empfehlen können?

  • regelmäßige und ausreichende Mahlzeiten mit saisonalen Zutaten
  • zum Abendessen auch mal ein Glas Wein
  • ausreichend Schlaf und Erholung
  • entspannende Aktivitäten (lesen, basteln, spazieren usw.), Saunabesuche
  • warme Kleidung
  • vermeiden Sie kalte Getränke und Rohkost

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