14.06.2018

Neuer Diät-Trend EPI-Food: Kann man Gene auf schlank programmieren?

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Genießen, ohne zuzunehmen: Der Diät-Trend EPI-Food verspricht, dass der Verzicht auf drei Lebensmittel zur Traumfigur führt.

Foto: iStock/guruXOOX

Genießen, ohne zuzunehmen: Der Diät-Trend EPI-Food verspricht, dass der Verzicht auf drei Lebensmittel zur Traumfigur führt.

Manche Menschen scheinen das Schlank-Gen von Geburt an zu haben. Doch kann man seine Gene auch einfach im Laufe des Lebens auf schlank polen? Angeblich ja – mit EPI-Food.

EPI-Food sagt Ihnen nichts? Kein Wunder: Die relativ neue Ernährungslehre, die sich auf Erkenntnisse der Epigenetik stützt, geht davon aus, dass unsere Gene durch die richtigen Lebensmittel auf schlank programmiert werden können.

EPI-Food soll Gene auf schlank umstellen können

Grundlage der revolutionären Idee ist, dass unser Erbgut mit dem Body-Mass-Index verknüpft ist. Das würde zumindest ein Stück weit erklären, warum manche Menschen von Haus aus schlank sind und es ihr Leben lang bleiben.

  • Die Epigenetik beschäftigt sich als Teilgebiet der Biologie mit der Frage, welche Faktoren die Aktivität eines Gens festlegen. Untersucht werden veränderte Genfunktionen, die nicht auf Mutationen beruhen, aber dennoch weitergegeben werden; bei denen sich der Organismus verändert, nicht jedoch die DNA.

Die Gene funktionieren dabei offenbar wie Lichtschalter – es gibt nur "An" oder "Aus". Wer seine Ernährung auf EPI-Food umstellt, ist in der Lage, so die graue Theorie, die Schalter auf dünn umzulegen. Verzichtet wird eigentlich nur auf Weizen, Kuhmilch und Zucker – bzw. es werden Ersatzprodukte gefunden.

Das sagt der Experte über EPI-Food

Im Gespräch mit bildderfrau.de erklärt Dr. Johannes Coy, Genetiker und Ernährungs-Experte aus Hainburg, dass bestimmte Elemente in einigen Genen durch die Ernährung tatsächlich biochemisch so verändert werden können, "dass die Aktivität der Gene an unsere Umwelt- und Ernährungsbedingungen gezielt angepasst werden."

Dr. Coy: "Dieser Mechanismus war für unsere Vorfahren extrem wichtig, um sich an Hunger- oder Überflussperioden anzupassen und diese besser zu überstehen. Heute hat dieser Mechanismus der Gensteuerung durch den ständigen Überfluss von Nahrung und Kalorien oftmals negative Konsequenzen. Dadurch wissen wir: Äußere Einflüsse und die individuelle Ernährung können Auswirkungen auf den eigenen Stoffwechsel haben.“

Ist Verzicht auf Zucker die Lösung?

Weizen, Kuhmilch und jede Form von Zucker pauschal wegzulassen, ist nach Erfahrung des Experten keine gute Lösung. Denn Zucker hat sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf unseren Körper: "Zum einen ist er eine wichtige Energiequelle für unsere kognitiven Leistungsfähigkeiten. Andererseits erhöht ein hoher Zucker- und Kohlenhydratkonsum das Risiko für die Entstehung verschiedener Erkrankungen wie Übergewicht, Diabetes, Karies, Krebs und Alzheimer", erklärt der Experte.

Ist Weizen so schlecht wie sein Ruf?

So lecker feines Brot und luftige Kuchen auch sind: Weizen bzw. weißes Weizenmehl ist tatsächlich nicht gut, um schlank zu werden oder zu bleiben. "Weizenbrot gehört zu den Lebensmitteln mit sehr hohem Zuckeranteil. Es besteht zu etwa 50 Prozent aus Traubenzucker und treibt den Blutzuckerspiegel sogar höher als Haushaltszucker!", warnt Dr. Coy.

Außerdem enthält weißes Weizenmehl nur wenig Ballaststoffe, dafür aber viel Gluten. "Alternativ sollte man besser auf Urgetreide wie Emmer oder Dinkel umsteigen“, rät der Ernährungsexperte.

Machen Milchprodukte dick?

Eigentlich ist Milch ein Nahrungsmittel für junge Säugetiere, da der darin enthaltene Milchzucker (Laktose) im Erwachsenenalter nicht mehr verdaut werden kann.

"In Mittel- und Nordeuropa kam es aber zu einer Genveränderung, sodass viele unserer Vorfahren auch Milchprodukte mit dem darin enthaltenen Milchzucker im Erwachsenalter konsumieren und damit den harten Winter besser überstehen konnten. Dies ist der evolutionär-biologische Grund, weshalb manche Erwachsene Milch und den darin enthaltenen Milchzucker vertragen – oder eben nicht", erklärt Dr. Coy.

Aber auch wenn man Kuhmilch verträgt, kann der Konsum im Erwachsenenalter zu Gewichtsproblemen führen, da Milch so zusammengesetzt ist, dass der Nachwuchs schnell wächst. Diese Eigenschaft hat der Mensch durch gezielte Zucht noch gesteigert.

Erwachsene, die Milch trinken wollen, müssen sich ausreichend bewegen, denn: "Milch in Kombination mit Zucker und einer mangelnden Bewegung macht sich auf der Waage bemerkbar", warnt der Ernährungsexperte. In vergorenen Milchprodukten wie Buttermilch, Joghurt oder Quark ist der Laktose-Anteil (Zucker) geringer.

Das sollten Sie in Ihrer Ernährung umstellen

Man kann nicht pauschal sagen, dass Milchprodukte ungesund sind oder dick machen – aber es kann sie eben nicht jeder problemlos verwerten. Wer mit seinem Gewicht kämpft, sollte mal versuchen, ob nach einem Verzicht auf Milchprodukte die Pfunde purzeln.

Auch Zucker ist nicht der alleinige Übeltäter – mehr noch: "Diäten, bei denen vollständig auf Zucker verzichtet wird, funktionieren nicht", gibt Dr. Coy zu bedenken. Denn Zucker – gemeint ist hier NICHT der weiße Industriezucker, der in Süßigkeiten und vielen Fertiglebensmitteln enthalten ist – übernimmt wichtige Aufgaben im Organismus des Menschen.

Wer abnehmen will, sollte seinen Weizenkonsum – bzw. den Konsum von weißem Mehl – extrem herunterfahren. Denn das Getreide enthält viel Zucker und sollte daher im Alltag durch gesündere Alternativen oder Produkte aus Vollkorn ersetzt werden.

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→ Hier erfahren Sie mehr über unseren Experten, den Genetiker und Ernährungs-Experten Dr. Johannes Coy.

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