02.01.2017

Adipositas-Selbsthilfe Partner-Diät: Diese Liebe geht durch dick und dünn

Vorher - nachher: Das Hochzeitsfoto von 2014 hängt im Wohnzimmer des Ehepaars: „So möchten wir nie wieder aussehen“.

Foto: Karin Costanzo

Vorher - nachher: Das Hochzeitsfoto von 2014 hängt im Wohnzimmer des Ehepaars: „So möchten wir nie wieder aussehen“.

Schwer verliebt waren sie immer! Erst als ihr Babywunsch zu platzen drohte, suchten Christin (26) und Marcel (29) ärztliche Hilfe - und stellten ihr Leben um.

Draußen nieselt es, trotzdem wird Sport gemacht.

Aber schlechtes Wetter ist für Christin und Marcel Oehlert schon lange kein Grund mehr, am warmen Ofen zu sitzen: „Komm schon ,Gerry‘“, ruft Christin ihre Mischlingshündin. Und dann raus: Eine halbe Stunde läuft das Paar aus Bad Driburg durch den Wald im Eggegebirge. „Gerry“ trabt brav nebenher. „Ohne unsere Joggingrunden können wir gar nicht mehr“, sagt die medizinische Fachangestellte lächelnd.

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Christin und Marcel machen alles gemeinsam. Das war schon immer so, auch in ihren dicken Zeiten. Wenn Marcel (29) sich heute das gemeinsame Hochzeitfoto von vor zwei Jahren anschaut, schüttelt er den Kopf: „Unglaublich, oder? Ich kann nur noch die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Aber damals haben wir uns von Fast Food und Süßigkeiten ernährt. Wir lümmelten auf der Couch rum, haben kaum noch Freunde getroffen.“ Immer träger wird ihr Leben, immer pfundiger ihre Körper. Ihrer Liebe schadete das nicht.

Vor zehn Jahren hat sich das Paar kennengelernt.

Schon damals waren beide mollig. Zusammen werden sie langsam „fettleibig“, wie die Mediziner sagen: Christin wiegt schließlich 127 Kilo, Autoverkäufer Marcel 139. „Wir hatten eine falsche Selbstwahrnehmung und fanden uns attraktiv.“ Weder die Familie noch Freunde trauen sich, den beiden zu sagen, dass sie dringend etwas für ihre Gesundheit tun und abnehmen müssen.

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Machen Außenstehende blöde Sprüche, hören sie nicht hin. „Wir waren uns selbst genug. Klar haben wir mal die eine oder andere Diät probiert. Aber immer ohne Erfolg. Irgendwann bewegte sich der Zeiger der Waage nicht mehr weiter nach unten. Das war frustrierend. Und dann haben wir weitergefuttert. Wir mochten uns ja wie wir sind.“

Erst als echte Probleme kommen, sehen sie ein, dass sie ihr Leben ändern müssen.

Beide leiden unter Gelenkbeschwerden, Bluthochdruck, Diabetes. Dann sagt der Frauenarzt Christin, dass auch eine Schwangerschaft bei dem extremen Übergewicht mit vielen Risiken verbunden wäre - der Wendepunkt. „Wir wollten doch Familie!“

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Experten raten zu einer Magenverkleinerung. Sechs Monate dauert die Vorbereitung, in der sie eine Ernährungsberatung, Sportkurse und psychologische Coachings durchlaufen. Dann wird im Klinikum Weser-Egge operiert: Am 11. Mai 2016 führt Chefarzt Florian Dietl den Eingriff durch, um 80 Prozent wird der Magen beider Patienten kleiner.

Beide teilen sich ein Krankenzimmer: „Ohne einander hätten wir das nie geschafft. Wir ziehen uns immer gegenseitig aus den Tiefs wieder raus.“ Sechs Monate nach dem Eingriff hat Marcel 51 Kilo verloren, Christin 52 Kilo. „Wir können nur noch kleine Portionen essen.“ Fürs Wunschgewicht sollen noch zehn Kilo runter.

Beiden ist klar, dass die Operation keine Lösung auf Dauer ist: „Wir haben ein neues Leben gewonnen - und diese Chance werden wir nutzen.“ Mit Sport, gesunder Ernährung – und einem Baby? Christin strahlt: „Ja, das soll jetzt klappen. Und danach wird zum zweiten Mal geheiratet. In einem figurbetonten Kleid!“

Das Paar hat eine Adipositas-Selbsthilfegruppe gegründet. Kontakt: Christin Oehlert: SHG-Adipositas-BD2@gmx.de

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Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 52.

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