20.12.2016

Glutenfrei Wie gesund ist eine glutenfreie Diät?

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Protein Pancakes - glutenfrei!

Foto: © iStock / KucherAV

Protein Pancakes - glutenfrei!

Eine Ernährung ohne Klebereiweiß sei gesünder. Doch das gilt nur für wenige Menschen - solche mit einer Gluten-Empfindlichkeit, Schilddrüsenbeschwerden oder Zöliakie.

Kein Supermarkt kommt mehr ohne glutenfreie Getreideprodukte aus. Meterweise füllen sie die Regale. Zu erkennen sind sie an der Ähre auf der Verpackung. „Gluten sorgt beim Backen für die lockere Struktur, kann bei Menschen, die unter Zöliakie leiden, aber eine gefährliche, entzündliche Reaktion im Dünndarm auslösen“, sagt Professor Yurdagül Zopf, Internistin und Ernährungsmedizinerin am Universitätsklinikum in Erlangen.

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Was bringt eine glutenfreie Diät?

„Allerdings leidet gerade mal ein Prozent der Bevölkerung darunter. Bei gesunden Menschen gibt es bislang keinen Beleg für einen positiven Effekt einer glutenfreien Diät.“ Allerdings, das zeigen Untersuchungen, gibt es immer mehr Menschen, die unter Bauchschmerzen leiden und bei denen sich die Beschwerden bessern, wenn sie auf Gluten verzichten. „Wir sprechen in diesen Fällen von einer Nicht- Zöliakie-Gluten-Sensitivität, kurz NZGS genannt“, sagt die Expertin. „Die Symptome ähneln denen einer Zöliakie, haben mit der Krankheit selbst aber nichts zu tun.“

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Warum geht vielen Menschen besser, wenn sie auf Gluten verzichten?

Dafür gibt es jetzt mehrere Erklärungen: Betroffene könnten unter einer Schilddrüsenerkrankung wie Hashimoto leiden. Eine noch größere Rolle spielen sogenannte FODMAPs. „Dabei handelt es sich um fermentierte Kohlenhydrate und Stoffe wie Laktose, Fruktose und Sorbit“, sagt Professor Zopf. „Sie verursachen bei vielen Menschen Magen-Darm-Beschwerden und sind in glutenfreien Produkten in geringerer Menge enthalten.“

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Nicht zu unterschätzen ist die Psychosomatik: Viele Menschen glauben einfach, sich ohne Gluten gesünder zu ernähren. „Dabei kann es jedoch zu Mangelerscheinungen kommen“, so die Expertin. „Bei einem dauerhaften Verzicht fehlen B-Vitamine, Folsäure, Eisen und Magnesium.“

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Mit einem Bluttest und einer Darmspiegelung ist eine sichere Zöliakie-Diagnose möglich. Eine Sensitivität stellt sich mit einem sogenannten Gluten-Provokationstest heraus. Wichtig zu wissen, so Professor Zopf: „Glutenfreie Produkte sind nicht gesünder, da sie genauso viele Kilokalorien, Zusatzstoffe, Fett, Zucker enthalten wie andere Lebensmittel auch.“

Glutenfreie Gerichte und Lebensmittel

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Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 41.

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