23.12.2016

Diätgerüchte aufgeklärt Schlank mit Algen?

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Algen kommen uns mittlerweile gar nicht mehr so exotisch vor. Sie begegnen uns im Bioladen und im Sushi-Röllchen, in Kosmetikprodukten gegen Zellulitis und als Nahrungsergänzung in der Apotheke. Doch was ist dran an dem Gerücht, dass Algen nicht nur schön, sondern jetzt auch noch schlank machen?

Makro- und Mikroalgen

Makroalgen sind die klassischen Unterwasserpflanzen, das Gemüse aus dem Meer. Mehr als 30.000 Algenarten gibt es, davon sind etwa 160 für uns Menschen essbar.

Die bekanntesten Sorten sind Braunalgen, wie Arame, Hijiki, Wakame, Kombu oder Kelp, sowie die Rotalgen Nori und Dulse. Mehrere Millionen Tonnen werden jährlich in künstlich angelegten Meereskulturen in China, Japan, Korea, Chile und auf den Philippinen erzeugt. Aber auch in der französischen Bretagne, in Irland, Großbritannien und Norwegen kennt man die Ernte und die Verwendung von Algen.

Für die japanischen Sushi-Spezialitäten kommt beispielsweise die Nori-Alge zum Einsatz. Die Algen werden von Hand geerntet, getrocknet und zu Blättern gepresst. Kurz geröstet dienen sie als Hülle für Sushi und andere Reis-Snacks. Die übrigen Sorten haben einen milden bis intensiven, fischigen Geschmack und werden als Gemüse und Salat oder für Suppen und Würzpasten verwendet.

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Aus den Zellwänden der Makroalgen gewinnt die Industrie Agar-Agar, Carrageen und Alginate. Diese Produkte tauchen als Verdickungsmittel, Geliermittel und Stabilisatoren in verarbeiteten Produkten auf.

Mikroalgen sind kein Gemüse, sondern spezielle Bakterien, die in Binnengewässern wachsen und gezüchtet werden. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie genau wie Pflanzen mit Hilfe von Chlorophyll Energie gewinnen können, indem sie Kohlendioxid zu Sauerstoff umsetzen. Spirulina, AFA und Chlorella werden als Nahrungsergänzungsmittel in Naturkostläden, Drogerien und Apotheken verkauft. Aufgrund ihres hohen Eiweiß-, Vitamin- und Mineralstoffgehaltes sollen sie nicht nur Vegetariern und Sportlern wertvolle Dienste leisten, sondern ihnen werden auch zweifelhafte medizinische Wirkungen bei diversen Erkrankungen nachgesagt.

Wertvolle Inhaltsstoffe

Zwischen 7 und 38 Prozent des Trockengewichts von Algen machen die Mineralstoffe aus. Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Jod lassen sich ebenso nachweisen wie die Vitamine C, B12 und Beta-Carotin, die Vorstufe des Vitamin A. Darüber hinaus bestehen Algen vor allem aus Eiweiß und Ballaststoffen. Belegt ist, dass die enthaltene Alginsäure im Darm Schwermetalle binden kann, die dadurch ausgeschieden und nicht vom Körper aufgenommen werden. Auch die Kosmetikindustrie nutzt Algen für Wellnessprodukte und Schönheitscremes.

Entscheidend für den Nährstoffgehalt der Algen ist die Qualität des Wassers, in dem sie wachsen oder gezüchtet werden. So schwankt der Gehalt an Nährstoffen stark. Auch vor Schadstoffen sind Algen nicht gefeit. Schwermetalle wie Blei, Quecksilber und Cadmium können sich in den Algen ansammeln.

Achtung Jod!

Deutschland zählt immer noch zu den Jodmangelgebieten. Da kommt das Meeresgemüse mit einem natürlichen Jodgehalt von 5 bis 11.000 Milligramm Jod pro Kilogramm Trockenware gerade recht. Doch wer getrocknete Algen kauft, sollte vorsichtig sein. Vor allem in einigen Braunalgen ist so viel Jod enthalten, dass der Verzehr gesundheitlich bedenklich ist. Ein Zuviel an Jod kann zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen. Die Folgen können sein: Kropfbildung, Herzrhythmusstörungen, Schweißausbrüche, Unruhe, Durchfälle, Haarausfall, Muskelschwäche.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, nicht mehr als 200 Mikrogramm Jod täglich aus Algen aufzunehmen. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sind daher Algenprodukte mit einem Jodgehalt von mehr als 20 Milligramm pro Kilogramm nicht mehr als Lebensmittel verkehrsfähig. Doch keine Angst: Wer gerne japanisch isst, muss nicht mit negativen, gesundheitlichen Konsequenzen rechnen. Nicht nur die Sorte ist ausschlaggebend für den Jodgehalt, sondern auch die Zubereitung. Beim Einweichen und Kochen gehen bis zu 90% des Jodgehaltes verloren.

Japaner vertragen übrigens weitaus größere Mengen an Jod. Da in Japan kein Mangel an Jod herrscht, reagiert deren Schilddrüse auch auf große Mengen Jod relativ gelassen.

Abnehmen mit Algen?

Die neuesten Meldungen über Algen versprechen Hoffnung für alle Abnehmwilligen. Japanische Forscher haben in Braunalgen den Farbstoff Fucoxanthin entdeckt. An der Hokkaido Universität in Hakodate (Japan) gelang es im Tierversuch, das Körperfett bei Ratten mit Hilfe des Algenwirkstoffes um 10 Prozent zu verringern. Die Wirkung erfolgt über die Stimulierung eines Proteins, das in der Lage ist, überschüssige Energie als Wärme abzugeben statt als Fettgewebe zu speichern.

Der Wirkstoff Fucoxanthin ist jedoch eng an Eiweiße in der Braunalge gebunden und entfaltet seine Wirkung erst, wenn er in reiner Form angewendet wird. Selbst beim Verzehr großer Mengen dieser Algen passiert in Punkto Gewichtsreduktion also gar nichts. Die Forscher rechnen damit, dass frühestens in drei Jahren Schlankheitspillen mit dem Wirkstoff auf den Markt kommen.

Fazit

Algen sind ein nährstoffreiches und mit nur etwa 40 kcal pro 100g kalorienarmes Lebensmittel. Im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung können sie dazu beitragen, die Versorgung mit Jod zu verbessern.

Vorsicht ist geboten vor Algenprodukten mit unbekanntem Jodgehalt. Ein Zuviel davon kann zu Problemen mit der Schilddrüse führen. Als Wundermittel in Kapselform funktionieren Algen jedoch nicht.

Das Geheimnis einer langfristigen Gewichtsabnahme bleibt nach wie vor eine ausgewogene Ernährung in Kombination mit ausreichend Bewegung und einem gesunden Lebensstil.

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