25.10.2017

Wahrheit oder Hysterie Macht Fruchtzucker wirklich dick?

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Macht Fruchtzucker dick? Das behaupten zumindest immer mehr Diät-Ratgeber und Lebensmittelhersteller.

Foto: iStock/agrobacter

Macht Fruchtzucker dick? Das behaupten zumindest immer mehr Diät-Ratgeber und Lebensmittelhersteller.

Seit Jahren steht Fruchtzucker wegen seiner angeblich dickmachenden Wirkung in der Kritik. Sogar Obst soll wegen seines hohen Fruchzuckergehalts ungesund sein. Was steckt dran an dem Gerücht?

Seit mehreren Jahren diskutieren wissenschaftliche Studien die Frage: Macht Fruchtzucker dick? Immer wieder ist etwas über die dickmachende Wirkung von Fruchtzucker zu lesen. Angeblich soll der nämlich mehr als andere Zuckerarten die Bildung von Fett fördern.

Also doch lieber den “normalen Zucker” essen? Oder zugunsten der Figur besser auf Obst, das einen hohen Anteil Fruchtzucker enthält und andere fruchtzuckerreiche Lebensmittel verzichten? Wir sagen Ihnen, ob an dem Gerücht etwas Wahres dran ist.

Macht Fruchtzucker dick?

Unser weißer Haushaltszucker ist ein Zweifachzucker, Saccharose genannt. Dieser wird im Darm in zwei Einfachzucker zerlegt und dann erst verstoffwechselt. Diese Einfachzucker sind Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose).

Fruchtzucker kommt natürlicherweise in allen Früchten oder etwa der gesunden Wunderwaffe Honig vor. In der industriellen Lebensmittelproduktion wird Fruchtzucker auf Grund seiner sensorischen und physikalischen Eigenschaften bevorzugt in Getränken wie Limonaden und Säften, Desserts, Saucen, Konserven und anderen Fertigprodukten zugesetzt. Er ist Bestandteil von Diabetikerprodukten, weil er unabhängig von der Insulinproduktion resorbiert wird.

Für den Hausgebrauch können Sie Fruchtzucker als weißes Pulver oder als Sirup kaufen und zum Süßen verwenden. In kalten Speisen ist die Süßkraft von Fruchtzucker höher als die der gleichen Menge Traubenzucker.

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Wer sagt, dass Fruchtzucker dick macht?

Der Hintergrund dieser These ist ein Fütterungsversuch mit Mäusen an der Universität von Cincinnati. Eine Versuchsgruppe Mäuse bekam Wasser zu trinken, das mit Fruchtzucker gesüßt war. Die zweite Gruppe Mäuse trank Wasser ohne jeglichen Zusatz und die dritte mit Haushaltszucker gesüßtes Wasser.

Die Versuchsmäuse der ersten Gruppe (Fruchtzucker!) aßen von sich aus weniger fettreiches Essen und nahmen dadurch die geringste Menge Kalorien zu sich. Trotzdem hatten sie die höchste Gewichtszunahme und wiesen 90 Prozent mehr Körperfett auf als die übrigen Mäuse.

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Erklärungsversuche

Ein Ansatz, der zu erklären versucht, warum Fruchtzucker eventuell wirklich die Fettbildung fördern könnte, liegt in der unterschiedlichen Verarbeitung der Zuckerarten in der Leber. Eine andere Möglichkeit zeigen Untersuchungen auf, die sich mit der Regulation der Nahrungsaufnahme durch die Hormone Leptin, Insulin und Ghrelin beschäftigen. Offensichtlich reagieren diese Hormone auf Fruchtzucker nicht so ausgeprägt wie auf andere Kohlenhydrate.

Eine Studie der Yale University zeigte beispielsweise, dass nach der Einnahme von Fruchtzucker der Insulinspiegel niedriger war, als etwa nach der Aufnahme von Glucose. Insulin reguliert als "Sättigungshormon" jedoch auch unser Sättigungsgefühl. Lässt dieses länger auf sich warten, kann das natürlich zu Übergewicht führen.

Außerdem zeigte eine Studie der Universität Hohenheim, dass eine erhöhte Fructosezufuhr dem Dünndarm Probleme bereiten kann. Die Entstehung einer Fettleber oder der Stoffwechselkrankheit Diabetes und Bluthochdruck werden begünstigt. Kinder, deren Fructosekonsum über mehrere Wochen reduziert wurden, nahmen zudem während dieser Phase deutlich an Gewicht ab. Forscher führen deshalb die steigende Zahl von Übergewichtigen auch auf die hohen Mengen Fructose zurück, die in Fertigprodukten zu finden sind.

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Fazit

Dass Fruchtzucker tatsächlich die Fettbildung beim Menschen mehr fördert als andere Zuckerformen, ist wissenschaftlich nicht eindeutig bewiesen. Jedoch scheint vor allem der Anteil von Fructose in Fertigprodukten wie zuckerhaltigen Getränken oder Fertigsaucen ein Problem zu sein. Sie liefern reichlich leere Kalorien, machen jedoch nicht satt. Eine übermäßige Aufnahme von Fructose überfordert den Organismus und kann nicht angemessen verarbeitet werden. Das fördert Übergewicht und Krankheiten wie Diabetes oder Adipositas.

Auf Obst sollten Sie dagegen auf keinen Fall verzichten. Es liefert viele wertvolle Inhaltsstoffe, die den Stoffwechsel anregen und unterstützt so außerdem unser Immunsystem. . Frisches Obst bietet neben den enthaltenen Vitaminen auch noch sattmachende Ballaststoffe. Im Unterschied zur künstlich hinzugefügten Fructose kann der Organismus die in Obst vorhandenen Mengen außerdem besser verarbeiten. Vorsicht bei Obstsäften: Diese enthalten Vitamine, werden aber häufig in ihrer Wirkung auf die Gesundheit überschätzt. Eine der empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag dürfen Sie aber gern durch einen naturbelassenen Saft ersetzen.

Einen tolle und gesunde Alternative sind übrigens grüne Smoothies, die neben einer kleinen Portion Obst hauptsächlich aus Gemüse bestehen und damit weniger Fruchtzucker enthalten. Lassen Sie sich also durch das Gerücht "Fruchtzucker macht dick" bitte nicht von ihrem täglichen Obstverzehr abbringen. Dafür gibt es keinen Grund!

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