Aktualisiert: 08.05.2020 - 11:02

Alte Getreidesorten im Trend Emmer, Einkorn, Dinkel: Wie gesund ist Urgetreide?

Was steckt hinter dem Begriff Urgetreide? Und ist es gesund? Wir verraten mehr.

Foto: imago images/Westend61

Was steckt hinter dem Begriff Urgetreide? Und ist es gesund? Wir verraten mehr.

Brot und Brötchen aus Urgetreide liegen im Trend. Doch sind sie wirklich so viel gesünder als das so beliebte Weizen? Wir klären auf.

Der Ruf von Weizen wird seit ein paar Jahren immer schlechter. Die Stimmen werden lauter, dass Weizen ungesund sei, dick und sogar dumm machen soll. Zumindest wird der Eindruck erweckt, wenn man sich Buchtitel wie “Weizenwampe” oder “Dumm wie Brot” ansieht. Zwar verzehren wir weiterhin in großen Mengen Weizen: Jährlich werden um die 66 Kilogramm Weizenmehl pro Kopf in Deutschland konsumiert. Doch auch sogenannte Urgetreidesorten wie Emmer, Einkorn und Dinkel werden immer beliebter.

Ist Urgetreide gesünder als Weizen? Und was ist der Unterschied?

Gesundes Urgetreide: Was steckt dahinter?

Urgetreide ist zwar kein geschützter Begriff, doch im Allgemeinen werden darunter Getreidesorten verstanden, die bereits vor Tausenden vor Jahren angebaut wurden. Dazu gehören unter anderem Einkorn, Emmer sowie Dinkel und Ur-Roggen.

Urgetreidesorten gelten als nahrhafter und daher gesünder. Dafür sind Weizen und Roggen jedoch ertragreicher, weshalb sie den Anbau von Urgetreide mehr und mehr verdrängt haben. Doch Letztere wurden nun wiederentdeckt und so findet sich immer häufiger Brot und Brötchen aus Urgetreide beim Bäcker oder auch Urgetreidemehl in gut sortierten Supermärkten und Bioläden.

Ist Urgetreide gesünder als Weizen?

Es gibt einige Stimmen, die hinter der steigenden Mengen an Glutenunverträglichkeit, Weizenallergie als auch diverse Verdauungsbeschwerden und Krankheiten den genveränderten Weizen vermuten. Urgetreide wiederum soll besser bekömmlich sein und selbst Reizdarm-Beschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Bauchkrämpfe sollen dadurch gemildert werden.

Da auch Urgetreide glutenhaltig ist, ist es auch bei Glutenunverträglichkeit oder Zöliakie nicht geeignet. Bei Weizenallergikern kann es durchaus eine Alternative darstellen.

Was wiederum die Bekömmlichkeit betrifft, so ergab eine Studie von Ernährungswissenschaftlern der Universität Hohenheim interessante Aufschlüsse. Hier wurden Urgetreide und Weizen auf die enthalten FODMAPs geprüft. Bei dieser Abkürzung handelt es sich um kurzkettige Kohlenhydrate, die bei Reizdarm in vielen Fällen zu einer Verstärkung der Symptome führen. Ergebnis war, dass sowohl Backwaren aus Urgetreidesorten, wie Einkorn, Emmer und Dinkel, als auch aus Weizen ähnliche Mengen dieser FODMAPs aufwiesen. Was allerdings zur Verringerung der FODMAPs in Backwaren führte, war die Herstellung.

Art des Brotbackens beeinflusst die Bekömmlichkeit

Die Forscher der Universität Hohenheim haben festgestellt, dass bereits ab einer Gehzeit des Teigs von über vier Stunden, die Menge an FODMAPs in Brot und Gebäck deutlich reduziert werden kann. So kann Brot bekömmlicher gemacht werden. Das gilt sowohl für die Urgetreide, als auch für Weizen.

Ein Grund, warum Backwaren aus Urgetreide als bekömmlicher wahrgenommen werden, könnte daran liegen, dass diese meist in kleineren Bäckereien angeboten werden. Diese stellen Brot und Brötchen meist traditionell her und geben dem Teig somit mehr Zeit, was wiederum die Bekömmlichkeit steigert. Weizen wiederum wird in den meisten Industriebackwaren verwendet, die häufig mit Schnellbacktriebmitteln versehen werden, um den Vorgang zu beschleunigen.

Urgetreide oder Weizen: Was ist nahrhafter?

Tatsächlich sind die Nährwerte von Emmer, Einkorn und Dinkel vergleichbar mit denen von Weizen. Hier ein Vergleich der Getreidesorten gemäß Vollkornerzeugnissen:

  • Eiweiß: Urgetreide ca. 13 bis 16 Gramm, Weizen ca. 11 Gramm je 100 Gramm Vollkornerzeugnis
  • Kohlenhydrate: Urgetreide und Weizen liegen um die 60 Gramm je 100 Gramm
  • Fette: Urgetreide und Weizen liegen um die 2-3 Gramm je 100 Gramm
  • Ballaststoffe: Einkorn und Emmer um die 8 Gramm, Dinkel 9 Gramm, Weizen 10 Gramm je 100 Gramm
  • Gluten: Die Urgetreide enthalten zwischen 9 und 10 Gramm, Weizen wiederum 8 Gramm je 100 Gramm
  • Vitamin B3: Einkorn 3 Milligramm, Emmer 8 Milligramm, Dinkel 4 Milligramm, Weizen 7 Milligram
  • Kalium: Einkorn 367 Milligramm, Emmer und Dinkel um die 400 Milligramm, Weizen 337 Milligramm

Fazit: Urkorn gegen Weizen

Auch wenn Urgetreide aufgrund seines ursprünglichen Auftretens als gesünder und bekömmlicher auftritt, so ist es vom Nährstoffgehalt durchaus mit Vollkornweizen vergleichbar. Und auch was die Bekömmlichkeit betrifft, so scheint gemäß der Studie der Uni Hohenheim weniger die Getreidesorte, sondern vielmehr die Herstellung ausschlaggebend zu sein.

Urgetreide liefert durchaus eine gute Abwechslung, was Nährstoffe und Geschmack einer insgesamt gesunden und ausgewogenen Ernährungsweise betrifft. Und am Ende ist es eine grundsätzliche Frage der individuellen Bekömmlichkeit, welche Getreidesorten auf dem eigenen Teller landen sollten. Hierbei kann zum Beispiel eine intuitive Ernährung helfen.

Mehr zu den Themen Brot, Getreide und Backwaren finden Sie auf unserer umfangreichen Themenseite. Außerdem können Sie sich auf unserer Themenseite AAllergien und Intoleranzen zu Weizenallergie und Glutenunverträglichkeit informieren.

Wie ist das eigentlich mit dem Mehl? Welche Type passt zu welchem Rezept? Erfahren Sie mehr im Video:

Ratgeber Mehltype: Welches Mehl für welches Rezept?
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Quellen:

Rüdiger Lobitz, Urgetreide – mehr Schein als Sein?, Ernährung im Fokus, 04.2018

Jochen U. Ziegler, Deborah Steiner, C. Friedrich H. Longin, Tobias Würschum, Ralf M. Schweiggert, Reinhold Carle, Wheat and the irritable bowel syndrome – FODMAP levels of modern and ancient species and their retention during bread making, Journal of Functional Foods, 08.2016

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