20.06.2019

Vorsicht! Experte warnt: Diese vier Diäten sind extrem gefährlich!

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Vor allem der Verzicht auf lebenswichtige Nährstoffe macht Diäten so gefährlich.

Foto: Shutterstock/Pixelbliss

Vor allem der Verzicht auf lebenswichtige Nährstoffe macht Diäten so gefährlich.

Wege, um möglichst schnell abzunehmen, gibt es viele. Doch das Problem: Manch eine Diät ist alles andere als ungefährlich. Wir haben mit Ernährungswissenschaftler Uwe Knop gesprochen – und er hat verraten, welche Diäten besonders gefährlich sind.

Wer langfristig und gesund Gewicht verlieren möchte, sollte seine komplette Ernährung umstellen und nährstoffreich und ausgewogen essen. Das ist nun längst keine Neuigkeit mehr – doch viele Abnehmwillige wollen sich diese Zeit nicht nehmen und suchen stattdessen nach schnellen Wegen, ungeliebte Pfunde loszuwerden. Was viele dabei ignorieren: Manch eine Diät kann sogar gefährlich sein, insbesondere wenn sie besonders radikal ausfallen. BILD der FRAU hat einen Experten zur Thematik befragt.

Gefährliche Diäten: Ein Experte klärt auf

Immer neue Trends finden ihren Weg auf die Teller abnehmwilliger Menschen. Vielleicht purzeln ein paar Pfunde, manchmal bleiben die Anstrengungen wirkungslos. Doch im schlimmsten Fall schaden die extremen Ernährungsweisen der Gesundheit. Wir haben den Diplom-Oecotrophologen Uwe Knop gebeten, die Gefährlichkeit verschiedener Diäten einzuschätzen.

Whole30: Voller Verbote

So funktioniert die Diät: "Whole30" ist ein Ernährungsprogramm, das 2009 vom amerikanischen Ehepaar Dallas und Melissa Hartwig entwickelt wurde. Bestimmte Lebensmittelgruppen müssen in diesem Programm 30 Tage lang gemieden werden.

Verboten sind:

  • Zucker in jeglicher Form: Ahornsirup, Honig, Kokoszucker, Agavennektar, Xylitol, Stevia und Zucker in Alkohol. (Früchte sind erlaubt. Fruchtsaft darf zum Süßen von Speisen genutzt werden.)
  • jegliche Form von Getreide (Gerste, Weizen, Roggen, Hafer, Mais, Reis, Hirse, Bulgur, Amaranth, Buchweizen, Quinoa, Kleie, usw.)
  • Hülsenfrüchte: die meisten Bohnenarten, Linsen und Erdnüsse sowie alle Sojaprodukte. (Zuckerschoten und -erbsen und normale Erbsen sind erlaubt.)
  • alle Milchprodukte – Kuh-, Ziegen- und Schafsmilchprodukte –, Joghurt, Milch, Butter und Käse.
  • Sulfite, Carrageen und Glutamat.

Das sagt Ernährungswissenschaftler Uwe Knop: "Der Ansatz mit 'erlaubten' und 'verbotenen' Lebensmitteln sowie das strenge und rigorose 'Einhaltungsgebot der Regeln' hat sektiöse Züge – diese Diät könnte der schnelle Weg in eine lange Essstörung sein."

Diätpillen: Leere Versprechen

So funktionieren sie: Diätpillen prophezeien eine schnelle Gewichtsreduktion ganz von selbst. Ein verführerisches Versprechen, in das viele Übergewichtige Hoffnung setzen, die zuvor bereits öfter gescheitert sind. Wirkstoffe wie z. B. L-Carnitin, Cholin, Lecithin, Chrom, Flavonoide oder konjugierte Linolsäure sollen die Wende bringen.

Die Mittel bestehen aus pflanzlichen oder tierischen Produkten (z. B. Pflanzenfasern, hochvernetzter Zellulose, Schalen von Krustentieren, Kollagen des Bindegewebes von Rindern).

Prinzipiell existieren verschiedene Wirkarten, die Sie beim Abnehmen unterstützen sollen:

  1. Die Inhaltsstoffe sollen die Spaltung des Fettes verhindern, welches Sie durch die Nahrung aufgenommen haben.
  2. Andere Pillen sollen wiederum helfen, indem Sie das Appetitgefühl lindern.
  3. Der neueste Trend sind die "Fat-Burner-Pillen", also Pillen, die angeblich den Stoffwechsel ankurbeln und Massen an Kalorien zusätzlich verbrennen.

Das sagt Uwe Knop: "Stammen die Pillen aus dem Internet kann hier alles Mögliche drin sein – das weiß niemand. Ergo: Sie sind hochgefährlich für die Gesundheit. Diätpillen aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt gaukeln ein schnelles und einfaches Abnehmen ohne viel Aufwand vor, bringen aber alle langfristig nichts. Die große Enttäuschung ist vorprogrammiert."

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Schlankmacher untersucht und kommt zu dem Schluss, dass je nach Zusammensetzung gesund­heitliche Gefahren drohen wie erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarkt-Risiko. Möglicherweise enthaltenes Phenolphthalein ist krebserregend. Je nach Inhaltsstoffen sind Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Durchfall einerseits oder Darmverschluss andererseits möglich.

Abnehmen mit allen Mitteln? Öko-Test testete 21 Präparate von Diätpillen und Shakes und kam zu einem erschütternden Ergebnis: Viele von ihnen enthalten verbotene und illegale Substanzen, die starke Nebenwirkungen auslösen können.

Vegane Ernährung: Hintergrundwissen ist essenziell

So geht's: In Deutschland ernähren sich Schätzungen zufolge 0,1 bis 1 Prozent der Bevölkerung vegan. Strenge Veganer verzichten auf alle tierischen Lebensmittel bis hin zu Honig und meiden auch Materialien, die tierischen Ursprungs sind, wie Wolle, Fell und Leder.

Das sagt der Experte: "Wer sich damit nicht richtig gut auskennt und weiß, welche Pillen er unbedingt zusätzlich schlucken muss, der riskiert einen ausgewachsenen Nährstoffmangel und mittel- bis langfristig entsprechende gesundheitliche Probleme."

Eine vegane Ernährung kann zu Mangelerscheinungen unter anderem bei Vitamin B12, langkettigen Omega-3-Fettsäuren, Protein, Vitamin D, Riboflavin, Calcium, Eisen, Jod, Zink und Selen führen. Darüber klärt auch das Informationsamt der Bundesregierung auf seiner Homepage auf.

Auf welche Nährstoffe Sie bei einer veganen Ernährung unbedingt achten sollten, lesen Sie hier.

Master Cleanse: Gefährliche Promi-Diät

Das Prinzip dieser Diät: Ein Getränk bestehend aus Wasser, Zitronensaft, Ahornsirup und Cayennepfeffer wird ausschließlich über einen gewissen Zeitraum getrunken. Der "Master Cleanse" soll entgiften und den Körper entschlacken.

Die als Entgiftungs-Kur angepriesene Diät erfreut sich vor allem auch in Hollywood einer großen Beliebtheit – Stars wie Heidi Klum und Beyoncé sollten auf das Programm schwören.

So schätzt Uwe Knop die "Master Cleanse"-Diät ein: "Allein schon die Anmaßung, 'Meisterliche Reinigung' zu versprechen, ist eine derbe Lüge. Richtig Fasten sollte man nur unter ärztlicher Anleitung oder Aufsicht ausgebildeter Fastenleiter. Ansonsten gilt auch hier: Enttäuschung, Essstörungen und JoJo-Effekt kommen danach. Das ist fast so sicher wie das Amen in der Kirche."

Vorsicht: Wer diese Trinkkur länger als zehn Tage durchzieht, risikiert Schwächeanfälle, Herzrasen und Organversagen.

Fazit: Manche Diäten können Gesundheitsrisiko darstellen

Für den Ernährungswissenschaftler ist klar, dass bei Diäten Enttäuschungen meist vorprogrammiert sind. "Über 90 Prozent aller Abspeckversuche scheitern", so Uwe Knop. "Diäten gelten als Einstiegsdroge in Essstörungen und Fettleibigkeit."

Die Misserfolge sind hoch. Doch gerade diese Misserfolge ebnen den Weg für den nächsten Diät-Trend, der dann wieder nicht wirkt. Betroffene finden sich in einem gefährlichen Kreislauf wieder, der der Gesundheit mehr schadet als nutzt. Uwe Knop: "Keine Diät ist empfehlenswert, denn keine hält, was sie verspricht."

Wer gesund und erfolgreich abnehmen möchte, sollte sich besser darum bemühen, die Ernährung umzustellen. Lesen Sie hier, wie Ihnen das gelingt.

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Uwe Knop ist Buchautor und Diplom-Oecotrophologe. Mitte Juli erscheint sein neues Buch "Dein Körpernavigator zum besten Essen aller Zeiten". Mit seinen Büchern möchte er ein möglichst naturnahes Gegengewicht zu dieser pseudowissenschaftlichen Manipulierungsmaschinerie schaffen.

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Disziplin und Durchhaltevermögen sind die Schlüsselworte einer jeden erfolgreichen Gewichtsabnahme. Doch manchmal schickt uns der Körper auch Signale, die sagen: unbedingt aufhören! Wir verraten Ihnen, bei welchen körperlichen Anzeichen Sie Ihre Diät besser beenden sollten.

Es klingt ernüchternd und doch logisch – eine ausgewogene Ernährung kombiniert mit einem sinnvollen Trainingsplan ist der einzige Weg, um langfristig und gesund abzunehmen. Jeder Körper reagiert anders und hat seine speziellen Bedürfnisse. Alle Ratgeber zu verschiedenen Diäten lesen Sie auf unserer Themenseite.

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