19.10.2018

Alexander Kumptner: "Diäten sind wie Religion. Alles was zu extrem ist, ist Mist"

Wenn es um Ernährung und einen trainierten Körper geht, hat Profi-Koch Alexander Kumptner eine ganz eigene Meinung.

Foto: Wolfgang Schardt für ZS Verlag

Wenn es um Ernährung und einen trainierten Körper geht, hat Profi-Koch Alexander Kumptner eine ganz eigene Meinung.

Profi-Koch Alexander Kumptner liebt österreichische Süßspeisen über alles – und trotzdem ist er rank und schlank und nennt einen stählernen Sixpack sein Eigen. BILD der FRAU hat mit ihm über Ernährung, Diäten und Sport gesprochen.

Durchtrainiert und mit stählernem Sixpack – so kennen Fans den TV-Koch Alexander Kumptner. Erst kürzlich hat er mit "Alex kocht" ein Kochbuch auf den Markt gebracht und wer da schon einen Blick hineingeworfen hat, fragt sich unweigerlich: Isst er diese Leckereien wie Scholadentarte und Co. wirklich selbst? Wie macht er es, trotzdem so gut in Form zu sein – während manch andere Kuchen gefühlt bloß ansehen müssen und zunehmen. BILD der FRAU hat mit dem charmanten Wiener gesprochen und ihm auf den Zahn gefühlt.

Alexander Kumptner: Fit mit Intervallfasten & Sport

BILD der FRAU: Bei all den leckeren Sachen, die du so kochst und die auch in deinem Kochbuch vertreten sind – wie schaffst du es, so gut in Form zu bleiben? Befolgst du ein bestimmtes Ernährungskonzept? Machst du viel Sport?

Sport mache ich wirklich viel. Aber ich habe in Sachen Ernährung auch schon viel ausprobiert. Mittlerweile denke ich, dass intermittierendes Fasten am besten für mich ist. Aber ich sehe es nicht so eng. Wenn man sich um etwas einen zu großen Kopf macht, dann funktioniert es nicht. Ich muss sagen, dass ich ein viel zu großer Genussmensch bin und viel zu gern auch Süßes mag, dass ich darauf verzichten würde. Eine Diät bringt nur dann etwas, wenn du es über einen langen Zeitraum machen kannst, ohne dass es deinen Alltag wirklich beeinflussen würde.

Was genau bedeutet denn intermittierendes Fasten?

Ich esse 16 Stunden nichts und in den anderen acht Stunden eben den Kalorienbedarf, den ich brauche. Das sind dann zwei Riesen-Mahlzeiten, die ich zu mir nehme. Und dann schaue ich, dass da genügend Proteine dabei sind und so weiter. Meine Fastenzeit endet etwa immer so um zwei Uhr, dann habe ich ein Zeitfenster von acht Stunden, um zu essen. Ich verzichte am liebsten auf das Frühstück. Es wird zwar immer gepredigt, dass Frühstück die wichtigste Mahlzeit ist, ich finde aber, dass das Blödsinn ist.

Ist Frühstück denn nicht wichtig?

Das Frühstück ist dann die wichtigste Mahlzeit, wenn du Profi-Sportler bist und nach dem Aufstehen 40 km Rad fährst. Frühstück ist auch wichtig für Schulkinder, wegen der Konzentration. Aber wenn man morgens schon ins Büro geht und sich an den Schreibtisch setzt, dann ist es doch unlogisch, dass du was isst bevor du überhaupt einen Schritt gemacht hast.

Man sollte sich also erst bewegen und dann essen?

Am effizientesten ist Sport, wenn du ihn vor deiner ersten Mahlzeit machst. Was passiert, wenn du auf nüchternen Magen trainierst? Du baust dein Fett-Depot ab. Wenn du aber während des Sports dein Essen verdaust, ist das was du verdaust, auch der beste Energiegeber. Das heißt: Wenn du Haferflocken zum Frühstück isst und dann Sport machst, wird dein Körper auf die Energie der Haferflocken zurückgreifen, nicht auf dein Körperfett.

Viele Leute fragen mich, wie ich das mache. Sie sagen, dass sie jeden Tag laufen gehen und trotzdem nicht abnehmen. Darüber wundern sie sich dann. Dabei ist es doch ganz einfach: Sie verbrennen nur den Bagel mit Avocado und das Müsli vom Frühstück, nicht aber das, was sie eigentlich verbrennen wollen: die Fettdepots. Wenn man mit Kardio oder Intervalltraining abnehmen möchte, dann sollte man auf nüchternen Magen trainieren. Das geht ganz schnell.

"Abnehmen ist reine Rechnung. Defizit und Überschuss"

Das merken wir uns schon mal: Wer abnehmen will und Sport macht, sollte vor der ersten Mahlzeit trainieren. Wie ist es mit der Ernährung? Worauf sollte man achten?

Abnehmen ist immer nur eine Rechenaufgabe. Was du isst, ist eigentlich egal. Wenn du 400 Äpfel isst, bist du über deinem Kalorienbedarf und nimmst zu. Wenn du zum Fast-Food-Laden gehst und ein Hamburger-Menü bestellst, liegst du meistens drunter und kannst so auch abnehmen. Das ist nur ein Rechenbeispiel. Wie du dich dabei fühlst, ist eine andere Sache. Wenn du dich gesund und ausgewogen ernährst und dich so ernährst, dass es sich für deinen Körper gut anfühlt, ist es natürlich wesentlich besser. Ansonsten ist Abnehmen reine Rechnung. Defizit und Überschuss. Fertig.

Gibt es Diäten, die du schwachsinnig findest?

Diäten sind wie Religion. Alles was zu extrem ist, ist Mist. Ich hab es mal mit der ketogenen Diät probiert und praktisch vollständig auf Kohlenhydrate verzichtet. Wenn ich das eine Woche länger gemacht hätte, wäre ich ein Massenmörder geworden. Ich kann mich noch gut erinnern, meine Haut war ganz dünn. Das hat wirklich krass ausgesehen. Nach einer gewissen Zeit habe ich eine Nudel nur angeschaut und schon war alles wieder gut.

Ich meine, was passiert? Du entziehst dem Körper etwas, was du ihm früher oder später wieder geben wirst – in diesem Fall die Kohlenhydrate. Da meldet sich schon bald der Ur-Instinkt des Körpers. Er denkt sich: Ich bekomme keine Kohlenhydrate. Wenn ich sie doch bekomme, dann speichere ich sie alle. So funktioniert der Körper nun mal. Du musst ihn austricksen. Und das geht eigentlich ganz leicht. Aber nicht durch zu extreme Entzugszustände. Besser ausgewogen ernähren und sich regelmäßig bewegen – das ist besser als jede Extremdiät.

Das klingt doch sehr vernünftig. Vielen Dank für das Gespräch!

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Wissen auch Sie nicht, welche Diät die Richtige für Sie ist? In unserem Diäten-Check erfahren Sie mehr. Wenn Sie hingegen mehr über das von Alexander Kumptner angesprochene Intervallfasten erfahren wollen, finden Sie hier mehr Informationen.

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Alexander Kumptner wurde 1983 in Wien geboren. Nach seiner Kochausbildung im "Hilton Vienna Plaza" bei Sternekoch Werner Matt profilierte er sich als Herdkünstler in namhaften Restaurants und als langjähriger Chef des Wiener Dinner-Clubs "Albertina Passage". Auszeichnungen wie die "Trophée Gourmet A la Carte", zwei Hauben im Gault-Millau und "Austria’s 50 Best Chefs" pflastern Alexander Kumptners Weg. In zahlreichen Fernsehauftritten bei "Die Küchenschlacht", "Kerners Köche", "Grill den Profi" und "Kochgiganten“ begeistert Alexander Kumptner die Zuschauer mit seiner charmanten Wiener Art.

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