11.05.2018

Experten warnen Achtung: Diese Nebenwirkungen hat die „Mysimba“-Abnehmpille

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Wie sinnvoll Diät-Pillen sind wird weiter diskutiert. Doch die neue Abnehmpille "Mysimba" hat Nebenwirkungen, die so erheblich sind, dass Experten gezielt vom Kauf der Pille abraten – gar davor warnen.

Foto: iStock/CentralITAlliance

Wie sinnvoll Diät-Pillen sind wird weiter diskutiert. Doch die neue Abnehmpille "Mysimba" hat Nebenwirkungen, die so erheblich sind, dass Experten gezielt vom Kauf der Pille abraten – gar davor warnen.

Schlimme Nebenwirkungen, geringer Erfolg: "Mysimba" soll ohne Stress schlank machen. Doch beide Wirkstoffe des gerade erst zugelassenen, verschreibungspflichtigen Medikaments sind heftig umstritten. Erfahren Sie hier mehr über die neue Abnehmpille.

Wenn es doch nur so einfach wäre: Jeden Tag eine Tablette schlucken und zusehen, wie die überflüssigen Pfunde purzeln. Leider ist die Forschung noch nicht so weit. Trotzdem kommen immer wieder Arzneien auf den Markt, die genau das versprechen. Dazu gehört auch ein neues Kombipräparat, "Mysimba". Vor den Nebenwirkungen warnen nun Experten.

Gefährliche Abnehmpille: "Mysimba" bringt Nebenwirkungen mit sich

"Mysimba" enthält zwei Wirkstoffe, und beide sind mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen verbunden. "Der eine Wirkstoff heißt Bupropion und kommt ansonsten bei schweren Depressionen zum Einsatz", sagt Professor Bernhard Högemann, Chefarzt für Innere Medizin am Klinikum Osnabrück. "Er führt bei Einnahme zu Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckschwankungen und Hautausschlag. Aber er zügelt auch den Appetit." Was jeder wissen sollte: In den 80er-Jahren wurde Buproprion wegen des Risikos tödlich verlaufender Krampfanfälle schon einmal vom Markt genommen."

Der zweite Wirkstoff ist Naltrexon. Er ist bekannt aus der Suchttherapie." Auch dieses Mittel führt zu einer Appetitminderung. Allerdings ebenfalls zu einem hohen Preis. Denn häufige Nebenwirkungen sind Herzrasen, Schüttelfrost, Impotenz und allgemeine Schwäche. Ich kann deshalb nur dringend davon abraten, dieses Medikament zu nehmen. Zumal sich in Studien gezeigt hat, dass es nicht besonders gut hilft."

Geringe Abnehmerfolge: Nur ein paar Kilo in einem Jahr

Die Kombi-Abnehmpille wurde in Studien an 4000 übergewichtigen Probanden erprobt. Sie alle sollten das Medikament ein Jahr lang einnehmen. Gleichzeitig mussten die Probanden regelmäßig Sport treiben, die Ernährung umstellen und eine Verhaltensschulung mitmachen. "Bis zu drei Viertel aller Probanden haben die Studie aufgrund heftiger Nebenwirkungen abgebrochen", sagt Martin Smollich, Professor für klinische Pharmakologie an der Praxishochschule Rheine. "Bei denjenigen, die durchgehalten haben, reduzierte sich das Gewicht nur um drei bis fünf Kilogramm."

Lesen Sie die Experteneinschätzung, wie sinnvoll und/oder gefährlich Diätpillen sind.

"Mysambi"-Zulassung in Deutschland nicht nachvollziehbar

Trotz der Nebenwirkungen darf "Mysimba" in Deutschland sogar schon bei leichtem Übergewicht verschrieben werden. "Eigentlich bekommen Arzneien nur dann eine Zulassung, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt", sagt der Pharmakologe Smollich. "Aufgrund der aktuellen Studienlage ist das weder aus pharmakologischer noch ernährungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar." Tatsächlich haben die Behörden in Frankreich und Irland die Zulassung verweigert.

Hinzu kommen die Kosten für "Mysimba": Monatlich 124 Euro müssen Abnehmwillige aus eigener Tasche für das Mittel bezahlen. Die gesetzlichen Krankenkassen kommen dafür nicht auf.

Es kursieren diverse Behauptungen rund um das Thema Abnehmen. Doch welche entsprechen der Wahrheit und welche sind tatsächlich nur Mythen? Wir haben 20 geläufige Thesen unter die Lupe genommen.

Abnehmpillen sollten nicht krank machen

Beide Experten sind sich deshalb einig: Es gibt deutlich bessere, erfolgreichere und günstigere Methoden, Gewicht zu verlieren. "Durch Übelkeit und Erbrechen sollte es jedenfalls nicht geschehen", sagt Professor Smollich.

Was ist eigentlich besser – eine Diät oder Ernährungsumstellung? Wir haben beide Ansätze gegenübergestellt und Vor- und Nachteile ermittelt.

Deutsche geben jährlich rund 180 Millionen Euro für Diät-Pillen aus (weltweit sind es gar 10 Milliarden). In Untersuchungen von Stiftung Warentest und Ökotest fällt ein Großteil dieser Mittel durch. Im Internet bestellte Ware erweist sich in Untersuchungen oft gar als gesundheitsschädlich.

Die hohen Kosten, geringen Abnehmerfolge und Nebenwirkungen von "Mysimba" überwiegen wohl die Pro-Argumente. Wir empfehlen, einen Blick auf unsere umfangreiche Themenseite zu Diäten zu werfen: Dort finden Sie gesunde Diät-Ansätze sowie alles rund um eine ausgewogene Ernährungsweise.

Dieser Artikel erschien zuerst in der BILD der FRAU Nr. 18.

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