21.11.2019

Glutenunverträglichkeit? Die Unterschiede zwischen Zöliakie, Glutenintoleranz & -sensitivität

Glutenfrei boomt! Doch steckt dahinter wirklich immer eine reale Erkrankung? Was ist der Unterschied zwischen Zöliakie, Glutenintoleranz und Glutensensitivität? Und sollten Sie auf eine glutenfreie Ernährung umstellen?

Foto: iStock/lolostock

Glutenfrei boomt! Doch steckt dahinter wirklich immer eine reale Erkrankung? Was ist der Unterschied zwischen Zöliakie, Glutenintoleranz und Glutensensitivität? Und sollten Sie auf eine glutenfreie Ernährung umstellen?

Zöliakie: Immer mehr Menschen scheinen Gluten nicht zu vertragen. Aber stimmt das wirklich oder ist das lediglich ein Ernährungstrend? Sollten Sie auch auf Gluten verzichten? Erfahren Sie mehr.

Glutenfreies Brot, glutenfreier Kuchen und Kekse, glutenfreie Nudeln, Pizza und vieles mehr: Der Markt für glutenfreie Produkte boomt, die Nachfrage steigt stetig. Kein Wunder, denn immer mehr Menschen scheinen das Klebereiweiß aus Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste oder auch Einkorn einfach nicht zu vertragen. Aber wie kommt es, dass plötzlich so viele Menschen an Glutenunverträglichkeit leiden? Ist Glutenintoleranz heute stärker verbreitet als früher? Und wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Glutenintoleranz, Zöliakie und Glutensensitivität?

Lesen Sie, ob es sich bei der glutenfreien Ernährung um einen Trend handelt, auf dessen Zug die Menschen aufspringen, weil Sie glauben, diese Ernährungsweise sei gesünder. Erhalten Sie zudem Antworten auf die Frage, ob auch Sie auf Gluten verzichten sollten.

Gibt es einen Unterschied zwischen Glutenintoleranz, Zöliakie und Glutensensitivität?

Warum leiden heutzutage scheinbar mehr Menschen an Glutenunverträglichkeit?

Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Völlegefühl, Müdigkeit, Kopfschmerzen… Solche Symptome sind heutzutage nicht gerade selten. Da Gluten diese Beschwerden hervorrufen kann, ist die Selbstdiagnose Glutenunverträglichkeit natürlich schnell erbracht, was dazu führt, dass immer mehr Menschen das Klebereiweiß scheinbar nicht vertragen. Allerdings muss die Ursache solcher Beschwerden nicht gleich eine Glutensensitivität oder Zöliakie sein. Auch eine Laktoseintoleranz, eine einseitige Ernährungsweise (z. B. viel Brot), eine gestörte Verdauung oder auch chronischer Stress können zu solchen Symptomen führen.

Auf der anderen Seite wird die Diagnose Glutenintoleranz oder Glutensensitivität tatsächlich häufiger gestellt. Sicherlich unter anderem vor dem Hintergrund, dass heutzutage die Diagnosemittel wesentlich besser sind als noch vor einigen Jahren. In den 80er Jahren lag die geschätzte Häufigkeit einer Zöliakie bei 1:2000. Mittlerweile liegen die Zahlen bei 1:200 bzw. sogar 1:100. Ob die Schätzungen in den 80er Jahren möglicherweise falsch waren und die gleiche Anzahl Glutenunverträglichkeiten bereits damals bestand, kann dabei allerdings nicht definitiv gesagt werden.

Glutenintoleranz oder Glutensensivität: Was ist der Unterschied?

Glutenunverträglichkeit ist nicht gleich Glutenunverträglichkeit. Das sind die Unterschiede:

  • Glutenintoleranz bzw. Zöliakie: Bei Glutenintoleranz handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet in diesem Fall, dass der Körper beim Verzehr von Gluten Antikörper produziert, die sich gegen das eigene Darmgewebe richten (chronische Entzündung des Dünndarms). Betroffene leiden beim Verzehr von glutenhaltigen Produkten an unterschiedlichen Beschwerden und Symptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall bis hinzu Eisenmangel. Bei Zöliakie muss tatsächlich vollkommen auf Gluten verzichtet werden.
  • Glutensensitivität: Bei einer Glutensensitivität sind die Symptome meist nicht so extrem wie bei der Glutenintoleranz. Betroffene leiden an chronischer Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Benommenheit aber auch hier können Verdauungsbeschwerden, Blähungen etc. vorkommen. Der Verzehr führt allerdings nicht zu einer Produktion von Antikörpern. Geringe Mengen Gluten werden meist vertragen, allerdings sollte von zu viel Gluten Abstand genommen werden.

Zöliakie und Glutenintoleranz bezeichnen also die selbe Krankheit, unterscheiden sich aber von Glutensensitivität. Bei dem Verdacht, dass Gluten nicht vertragen werden könnte, sollte also vorher abgeklärt werden, ob und welche Form die Unverträglichkeit vorliegt. Die Diagnose wird dabei von einem Facharzt in Form eines Bluttests in Kombination mit einer Dünndarmbiopsie gestellt.

Als 3. Möglichkeit gäbe es außerdem eine Weizenallergie als Ursache von Symptomen.

Entdecken Sie weitere Ratgeber, Hausmittel und andere Tipps und Tricks für verschiedene Allergien und Intoleranzen.

Glutenverzicht: Ist Gluten generell ungesund?

Das Image von Gluten und glutenhaltigen Getreidesorten, vor allem Weizen, hat in den letzten Jahren stark gelitten. Immer wieder ist zu hören: Auch Menschen, die weder an Zöliakie noch Glutensensitivität leiden, sollten auf glutenhaltige Produkte besser verzichten, um ihrer Gesundheit Gutes zu tun. So soll Gluten allgemein müde machen, zu Übergewicht führen, Verdauungsbeschwerden verursachen und vieles mehr! Tatsächlich ist jedoch nicht erwiesen, dass Gluten grundsätzlich schädlich ist und somit scheint Glutenunverträglichkeit zum Teil mehr Trend als Tatsache.

Glutenfreie Ernährung ist einfacher, als Sie vielleicht denken. Nussmehle, Blumenkohl, Quinoa, Chia-Samen, Süßkartoffeln – alle Rezepte in unserer Galerie sind glutenfrei:

Wenn Sie keine Beschwerden beim Verzehr von Gluten haben, müssen Sie also nicht unbedingt auf Gluten verzichten. Bei Getreide und Getreideprodukten sollten Sie jedoch auf möglichst naturbelassene, qualitativ hochwertige und traditionell hergestellte Produkte achten. Zusätze, Schnellbacktriebmittel und ähnliches in industriell hergestellten Backwaren können nämlich tatsächlich zu Beschwerden führen. Lesen Sie dazu auch, was Brot gesund und ungesund macht.

Fazit: Glutenunverträglichkeit ist Tatsache und Trend zugleich

Es gibt wesentliche Unterschiede zwischen Glutenintoleranz bzw. Zöliakie und Glutensensitivität. In allen Fällen sind sie die Beschwerden jedoch eine Tatsache. Dass sie heutzutage öfters ärztlich diagnostiziert werden auch. Allerdings stellen sich auch immer Menschen selbst die Diagnose Glutenunveträglichkeit, ohne das es unbedingt zutreffen muss und die Ursache für Beschwerden möglicherweise eine ganz andere ist. Auf diesen Trend aufzuspringen muss nicht sein. Bevor Sie selbstdiagnostiziert auf Gluten verzichten, machen Sie besser einen Test bei Ihrem Arzt.

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Quellen:

Deutsche Zöliakiegesellschaft (DZG): www.dzg-online.de

Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB): www.ugb.de

Nachdem nun die Zusammenhänge und Unterschiede zwischen Glutenintoleranz, Zöliakie und Glutensensitivität geklärt sind, können Sie sich auf unserer umfangreichen Themenseite weiter über glutenfreie Ernährung informieren und tolle Rezepte entdecken. Weitere Artikel der Autorin finden Sie auf der Themenseite Natürlich Nadine.

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