11.09.2017

NAHRUNGSERGÄNZUNG Wie gesund sind Protein-Riegel bei einer Low-Carb-Ernährung?

Proteinriegel – Segen oder Fluch? Wie gut sind die Eiweiß-Bomben für den Körper wirklich?

Foto: © istock / Gokcemim

Proteinriegel – Segen oder Fluch? Wie gut sind die Eiweiß-Bomben für den Körper wirklich?

Ob im Fitness-Studio oder in der Drogerie, Proteinriegel sind überall zu finden. Aber wie sinnvoll sind die Produkte für jemanden, der nur mäßig viel Sport treibt?

Sei es aus Angst, den Muskeln nicht genug Proteine zur Regeneration zu geben, aus dem Bestreben abnehmen zu wollen oder aus Zeitmangel etwas "Gutes" zu essen, die Protein-Riegel gehören schon fast zum guten Ton dazu. Bei einem Preis von bis zu drei Euro pro Riegel, der genau genommen aus einem Abfallprodukt (aus Molke bzw. Milcheiweiß) hergestellt wird, kann man schon große Augen bekommen. Auch die Pulver schlagen 18 bis 25 Euro pro Großportion zu Buche. Doch wie gesund sind die Riegel wirklich und braucht der menschliche Körper so viel Eiweiß?

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Protein-Riegel zur Abdeckung des täglichen Bedarfs

Pro Kilogramm Körpergewicht brauchen Erwachsene im Schnitt 0,8 Gramm Eiweiß, was bei einem Menschen von 75 Kilogramm etwa 60 Gramm sind, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Damit Sie es sich etwas besser vorstellen können: Ein gekochtes Ei enthält gut 7 Gramm Eiweiß, 100 Gramm Kichererbsen kommen auf 19 Gramm Eiweiß.

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100 Gramm eines Proteinriegels enthalten:

  • 34 Gramm Eiweiß,
  • 3 Gramm Zucker,
  • 31 Gramm Ballaststoffe,
  • 4 Gramm Kohelnhydrate und
  • 343 Kalorien

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Kichererbsen enthalten dahingegen minimal mehr Kalorien (364 Kalorien), aber bedeutend mehr Kohlenhydrate, nämlich 61 Gramm. Wer also Sport treibt, sich aber Low Carb, also kohlenhydratarm ernähren möchte, für den sind Hülsenfrüchte die schlechtere Alternative zu den Proteinriegeln. Mageres Fleisch kann aber ebenso gut ein Eiweißlieferant sein, denn 250 Gramm liefern im Schnitt 56 Gramm Proteine.

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Zu viel Eiweiß kann schädlich sein

Nun könnte man sich leicht ausrechnen, dass wenn Muskeln Proteine zur Regeneration brauchen, viel Proteine die Muskeln schneller wachsen lassen. Dem ist aber nicht so. Bekommen Muskeln kein Protein zur Regeneration, können sie zwar abgebaut werden, allerdings erst dann, wenn die Kohlenhydratspeicher leer sind. Schädlich kann ein konstant hoher Eiweißkonsum werden, wenn pro Kilogramm Körpergewicht 2 Gramm überschritten werden.

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Die stickstoffhaltigen Aminogruppen der Proteine werden als Harnstoff über die Leber entgiftet und mit dem Urin ausgeschieden. Daher sollte bei einer hohen Proteinzufuhr viel getrunken werden. Langzeitstudien zu den schädlichen Wirkungen einer überhöhten Proteinzufuhr gibt es aber noch nicht.

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Brauchen wir Nahrungsergänzungsmittel bei einer ausgewogenen Kost?

Die DGE sagt dazu: "Die Vielfalt an proteinhaltigen Lebensmitteln in der Natur ist so groß, dass bei einer normal ausgewogenen Ernährung kein eigens mit Proteinen angereichertes Produkt notwendig ist. Die Eiweißzufuhr ist in den Industrienationen relativ hoch."

Obwohl der Markt der Nahrungsmittelergänzungen und vor allem der der Proteinprodukte gut gesättigt ist, hielt er Jannik Stuhlmann und Julius Wolf nicht von der Gründung ihres Unternehmens Hej ab. Wir sprachen mit Jannik über seine Proteinriegel, die Hejbars, und Vorurteile gegenüber dieser Riegel.

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Sind Proteinriegel als Nahrungsergänzung sinnvoll?

bildderfrau.de: Jannik, jetzt mal ganz ehrlich, braucht man als nicht-Sportler Protein-Produkte? Reicht nicht die Proteinversorgung aus natürlichen Lebensmitteln?

Jannik Stuhlmann: Klar, wenn man sich abwechslungsreich ernährt hat man eine gute Grundversorgung. Protein-Produkte sind reine Convenience Produkte. Und gerade für Sportler, die ohnehin einen höheren Proteinbedarf haben, ist es einfach schneller, leckerer und einfacher sich nach dem Sport einen Vanille-Shake zu machen, als ein Huhn zu braten.

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Was ist der Effekt von Protein-Produkten auf unseren Körper?

Proteine sind ein ganz natürlicher Nährstoff, den der Körper zum Regenerieren der Zellen benötigt. In tierischen Produkten, Milchprodukten, aber auch vielen pflanzlichen Produkten sind Proteine enthalten. Gerade nach Sporteinheiten sind die Muskelzellen erschöpft und haben ein kurzfristiges Zeitfenster für die optimale Regeneration. Dafür benötigt der Körper Proteine.

Sind Proteinriegel nicht oft voller Zucker und Kohlenhydrate?

Das stimmt. Das ist auch einer der Gründe, warum wir Hej gestartet haben. Viel zu oft sind diese Produkte „nur“ ein besserer Schokoriegel, aber noch lange nicht gut. Die Hejbars sind komplett glutenfrei , haben immer einen sehr niedrigen Zuckergehalt und sind dazu noch echt lecker. Das war uns besonders wichtig, da wir auch nur Menschen sind und keine Riegel essen würden, die nicht schmecken.

Siehe auch: Zuckerfrei

Was ist der Unterschied zwischen euren Riegeln und Pulvern im Vergleich zu anderen Produkten auf dem Markt? Der Markt ist ja schon voller Proteinprodukte, wo füllt ihr eine Lücke?

Julius und ich haben in Brasilien, Holland und England studiert. Den perfekten Riegel mit optimalem Nährstoffprofil kannten wir einfach nicht. Das war der Grund Hej zu starten. Dass wir damit so einen Hype kreieren und die Leute auch Müslis und andere Produkte von uns wollten, haben wir selbst nicht erwartet. Im ersten Geschäftsjahr werden wir bereits eine mittlere fünfstellige Anzahl an Paketen verschicken.

An wen richten sich eure Produkte?

Wir haben eine breit verteilte Kundengruppe: viele Mädels die gesünder leben oder auch abnehmen wollen, durchtrainierte Jungs die sich optimal versorgen wollen, aber auch Olympia Athleten wie Julia Müller aus der Hockey Nationalmannschaft.

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