31.05.2017

Diät Die Stoffwechselkur: Was verbirgt sich dahinter?

Die Stoffwechseldiät gilt als umstritten und setzt auf eine kalorienarme, proteinreiche, Kohlenhydrat- und fettarme Kost.

Foto: istock/Jarvna

Die Stoffwechseldiät gilt als umstritten und setzt auf eine kalorienarme, proteinreiche, Kohlenhydrat- und fettarme Kost.

Wie funktioniert die Stoffwechseldiät? Diese Frage stellen sich viele Menschen, die schnell ein paar Kilos verlieren möchten und von dieser scheinbaren Wunderkur hören.

Diäten gibt es wie Sand am Meer, sei es sich nur von Kohlsuppe zu ernähren, auf Kohlenhydrate zu verzichten oder einfach nur die Hälfte zu essen. Die Stoffwechseldiät macht sich den Metabolismus zunutze, um einen Gewichtsverlust und eine Entschlackung zu erzielen.

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Oft genug steht sie in der Kritik für einen starken Jojo-Effekt und für eine Mangelernährung verantwortlich zu sein. Im Vergleich dazu möchte die Stoffwechselkur, oder auch hCG-Diät genannt, dafür sorgen, dass Diät-Teilnehmer nicht an einer Mangelernährung leiden und mit allen lebenswichtigen Nährstoffen versorgt sind. Wir stellen die Vor- und Nachteile vor und beantworten die häufigsten Fragen.

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Was ist hCG?

hCG ist die Abkürzung für humane Choriongonadotropin, ein Hormon, das während der Schwangerschaft produziert wird, um das Baby optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Dieses Hormon gilt übrigens auch als wichtiger Nachweis einer Schwangerschaft. Schwangerschaftstest machen sich dieses Hormon bzw den Nachweis davon zunutze. In den 50er Jahren war der britische Endokrinologe Albert T. W. Simeons der erste, der das Hormon zur Ergänzung bei ultra-kalorienarmer Ernährungsweise ermpfahl. Er stellte fest, dass Patientinnen mit hCG-Substitution eher Fettgewebe statt Muskelgewebe verloren, was bei anderen Crash-Diäten nicht der Fall ist.

Gleichzeitig setzte er auf eine kalorienarme, proteinreiche, Kohlenhydrat- und fettarme Diät, um Patienten schnell Fettgewebe verlieren zu lassen. Die Wissenschaft ist sich allerdings einig darüber, dass nicht die Injektion oder generelle Aufnahme des Hormons am rasanten Gewichtsverlust Schuld sei, sondern es ausschließlich an der täglichen Aufnahme von gerade einmal 500 bis 1000 Kalorien liegt. Diese Kalorienmenge liegt unter der empfohlenen Menge für Erwachsene.

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Fans kurzfristiger Erfolge

Innerhalb von 21 Tagen können ohne weiteres bis zu 10 Kilogramm abgenommen werden. Was aber passiert, wenn man nach Ablauf der Kur wieder normale Kalorienmengen zu sich nimmt, dürfte klar sein: Man nimmt wieder zu, der berühmt-berüchtigte Jojo-Effekt setzt ein. Nichtsdestotrotz gibt es zahlreiche Anhänger dieser Diät. Logisch, die Erfolge sind innerhalb kürzester Zeit zu sehen, wenn man den Plan, den man zum Beispiel mithilfe von Mein Stoffwechsel erstellen kann, diszipliniert durchhält.

Experteninterview

Wir haben mit Philipp Doetsch gesprochen, Experte für die Stoffwechselkur und Diäten, Personal Coach und Ernährungsberater, der die häufigsten Fragen zur Stoffwechselkur beantwortet.

Wie läuft die Stoffwechselkur ab?

Kurz und knapp: Die Stoffwechselkur findet in einem zeitlich abgesteckten Zeitfenster zur Ernährungsumstellung statt und setzt im Vergleich zur Stoffwechseldiät die Einnahme von hCG Globuli voraus. Pro Tag sollten etwa 500-700 Kilokalorien aufgenommen werden, die Nahrungsmittelergänzungen sollen darüber hinaus entschlacken und entgiften. Besonderes Augenmerk wird auf die Nahrungsergänzung durch Traubenkernextrakt und organischen Schwefel gesetzt. Ziel der Kur ist die Gewichtsreduktion, Entgiftung und der Reset des Stoffwechsels.

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Die Stoffwechselkur besteht aus vier Phasen:

  • Diätphase
  • Ladephase
  • Stabilisierungsphase
  • Erhaltungsphase

Während der zweitägigen Ladephase wird nochmal ein starkes Kontrastprogramm zu den darauf folgenden Tagen gefahren. An diesen zwei Ladetagen ist alles erlaubt, wonach einem der Kopf steht: Pizza, Burger, noch einmal mit den Freunden grillen. Es darf also noch ein letztes Mal gesündigt werden, bevor die Diätphase beginnt.

Die Diätphase sollte 21 Tage lang durchgezogen werden. Während dieser Phase wird empfohlen, die tägliche Kalorienzahl auf ca. 700 Kalorien zu beschränken. Um das zu erreichen, gibt es einen relativ strikten Ernährungsplan. Mittags und abends gibt es eine Proteinquelle mit Gemüse, morgens einen Shake oder ein kleines Frühstück. Rezeptetechnisch kann man sich in diesem Rahmen natürlich voll austoben. Mit etwas Kreativität am Herd lässt sich die Diätphase relativ geschmackvoll und abwechslungsreich gestalten.

Die Stabilisierungsphase hat keine feste Laufzeit, es sollten aber ungefähr weitere 21 Tage angepeilt werden. In dieser Phase soll der Stoffwechsel langsam wieder zurück zur Normalität geführt werden. Eine allzu rapide Erhöhung der täglichen Kalorienmenge würde zum berüchtigten Jo-Jo Effekt führen. Dies gilt es mit der stufenweisen Erhöhung der täglichen Kalorienmenge zu vermeiden. Als Faustregel könnte man sagen: Jeden Tag 100 Kalorien mehr.

Somit wäre nach 14 Tagen ein „normales” Kalorienlevel erreicht. Während man sich in diesen 14 Tagen noch am besten Stoffwechselkur-konform ernähren sollte, kann in der drauffolgenden Woche die Ernährung wieder normalisiert werden. Dies bedeutet: Während Fett und Kohlenhydrate vorher weitgehend tabu waren, können beide Makronährstoffe jetzt wieder vermehrt auf den Speiseplan kommen. Der Erfolg der Stoffwechselkur zeigt sich in dieser Erhaltungsphase, indem neue Ess- und Bewegungsgewohnheiten dauerthaft in den Alltag etabliert werden.

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Welche Lebensmittel sind erlaubt?

Besonders die Eiweißaufnahme ist wichtig bei der Kur, damit keine Muskelmasse abgebaut wird. Außerdem hält Eiweiß länger satt als kohlenhydratreiche Kost. Fett und Kohlenhydrate gehören also vom Nährplan weitesgehend gestrichen, ebenso Zucker und Alkohol. Einen Plan, wie die drei Hauptmahlzeiten gestaltet sein können und welche Lebensmittel auf dem Speiseplan stehen dürfen, finden Sie unter Mein Stoffwechsel.

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Viel frisches Obst und Gemüse ist gesund. Oder? Falsch! Es gibt nämlich einige Gemüsesorten und Lebensmittel, die gar nicht so gesund sind.

Für wen ist die Stoffwechselkur geeignet?

Eine Stoffwechselkur eignet sich für Leute, welche schon viele andere Diäten ausprobiert und vergeblich auf die großen Abnehmerfolge gewartet haben. Da die Stoffwechselkur einen relativ extremen Ansatz darstellt, könnte diese Kur für alle interessant sein, welche bisher wenig Erfolge feiern konnten.

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Für wen ist die Stoffwechselkur nicht geeignet?

Eine Stoffwechselkur ist auf gar keinen Fall für schwangere Frauen, Minderjährige sowie schwer körperlich arbeitende Menschen geeignet. Dies bedeutet nicht, dass man sich für eine Stoffwechselkur Urlaub nehmen muss. Allerdings empfehlen wir dringend, die Kalorienmenge bei körperlich arbeitenden Menschen nach oben zu schrauben: 1200 Kalorien stellen dabei das Minimum dar.

Was sind die Risiken der Stoffwechselkur?

Es besteht die Gefahr einer Mangelernährung, weil die in der Diätphase empfohlene Kalorienzahl von 500-700 deutlicher unter der empfohlenen Tagesmenge von ca. 1.800 Kalorien liegt. Um insbesondere eine Unterversorgung mit Vitaminen oder Mineralien auszuschließen, sind einerseits eine sehr gesunde Ernährung mit viel frischem Gemüse und Obst und andererseits die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln dringend anzuraten.

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Außerdem muss eine ausreichende Versorgung mit essentiellen Fettsäuren sichergestellt sein. Dies kann einerseits durch den regelmäßigen Verzehr von Fisch geschehen oder auch durch die Einnahme von Omega-3-Kapseln.

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Welche Nahrungsmittelergänzungen sind wichtig?

Die „originale Stoffwechselkur” sieht die Einnahme der hCG-Globuli vor. Außerdem stehen die folgenden Supplemente auf der Empfehlungsliste: MSM (organischer Schwefel), OPC (Traubenkernextrakt), Omega-3-Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe, Flohsamenschalenpulver und Eiweißpulver.

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Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keine Beweise für die Wirksamkeit der Globuli. Auch das Eiweißpulver kann sehr einfach durch echte Lebensmittel ersetzt werden. Alle anderen Supplemente erfüllen einen wichtigen Zweck in der Stoffwechselkur und sind auch wichtig um Mangelernährung vorzubeugen.

Im Grunde gilt: Man wird auch ohne Supplemente mit einer so niedrig-kalorischen Diät Erfolg haben, allerdings gehen wir davon aus, dass die Supplemente insgesamt positive gesundheitliche Effekte haben. Wir empfehlen daher, sich an folgender Liste zu orientieren (Wichtigkeit der Supplemente unserer Meinung nach in absteigender Reihenfolge):

  • MSM (organischer Schwefel)
  • OPC (Traubenkernextrakt)
  • Omega-3-Kapseln
  • Vitamine und Mineralstoffe
  • Flohsamenschalenpulver
  • Eiweißpulver
  • Globuli

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Was kostet die Stoffwechselkur?

Die Stoffwechselkur setzt stark auf Nahrungsergänzungsmittel wie etwa Flohsamenschalenpulver, Proteinpulver oder Omega-3-Kapseln. Die meisten Teilnehmer werden diese Präparate zusätzlich in ihre Ernährung integrieren, sodass ihnen Kosten entstehen. Zahlreiche Anbieter schnüren Pakete aus den benötigten Produkten, berechnen dafür aber oft viel zu hohe Preise von 200 bis 400 Euro. Darin sind zwar oft zusätzlich Anleitungen für die Kur enthalten, der Nutzer kann aber auch gratis zugängliche Pläne aus dem Internet nutzen. Wir empfehlen den Kauf der einzelnen Produkte im Einzelhandel oder online. Dann muss der Teilnehmer mit ca. 100 Euro rechnen – eine Ersparnis zwischen 100 und 300 Euro gegenüber fertigen Paketen.

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