29.09.2010

Das Kniegelenk - wie Sie Problemen vorbeugen können

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Foto: ©iStock / BraunS

Das Kniegelenk ist das größte und am meisten beanspruchte Gelenk des menschlichen Körpers. Dementsprechend ist das Knie auch das am häufigsten verletzte Gelenk. Tipps zur Vorbeugung gibt Physiotherapeut Matthias Thoni.

Beim Kniegelenk handelt es sich um ein so genanntes Drehscharniergelenk. Das bedeutet, dass das Kniegelenk sowohl gebeugt als auch gedreht werden kann.

Damit dieser komplizierte Mechanismus reibungslos läuft müssen viele “Räder” ineinander greifen.


Wie ist das Knie aufgebaut?

Knochen und Knorpel:
Im Knie laufen zwei Knochen ineinander: der Ober- und der Unterschenkel. Die Enden der Knochen sind mit einer dünnen Knorpelschicht überzogen. Wird diese beschädigt oder abgenutzt, sprechen wir von Arthrose.

Bänder:
Seitlich am Knie haben wir ein Außen- und ein Innenband. Diese halten das Gelenk zusammen und stabilisieren es bei seitlichen Belastungen. Im Innern des Knies verlaufen zwei Kreuzbänder - das vordere und das hintere. Diese stabilisieren das Knie sowohl bei der Drehung als auch bei der Streckung. Verletzungen der Bänder sind häufig die Ursache für frühzeitige Abnutzungen im Knie.

Menisken:
Als Puffer zwischen Ober- und Unterschenkel sind die zwei halbmondförmigen Menisken eingebaut. Sie dämpfen die Stöße beim Auftreten, stabilisieren aber auch gleichzeitig das Knie beim Drehen und beim Abwinkeln. Die Menisken gleiten beim Beugen und Strecken hin und her. Bei diesem komplizierten Vorgang kann es zu Blockierungen und Einklemmungen kommen. Dies ist sehr schmerzhaft und kann die Menisken beschädigen.

Muskel und Sehnen:
Die Muskeln sind mit den Sehne am Knochen befestigt. Sie bewegen das Knie und stabilisieren durch ihren Muskelzug zusätzlich das Gelenk in seiner Position. In der Sehne des vorderen Oberschenkelmuskels ist als eine Art "Umlenkscheibe" die Kniescheibe eingearbeitet. Bei jeder Bewegung gleitet sie nach oben bzw. unten. Gehalten wird die Kniescheibe von der Patellasehne.

Die 3 großen Probleme des Kniegelenkes:

  • Achsfehlstellungen – X und O Beine: Auch ohne medizinische Kenntnisse hat jeder im Allgemeinen eine gute Vorstellung davon, wie ein gerades Bein aussieht. Schon geringe Abweichungen von einer "geraden Achse" im Knie verändern die Belastungsverhältnisse im Kniegelenk erheblich und führen dadurch zu frühen Abnutzungen. Extrembelastungen sollten hier auf jeden Fall unterbleiben - nicht aber ein dosiertes Bewegungstraining.
  • Bandverletzungen: Bandverletzungen sind sowohl beim Skifahren als auch bei allen "schnellen" Ballsportarten (mit Richtungswechseln) wie Fußball, Handball etc. sehr häufig. Nach Bandverletzungen bleiben sehr häufig Instabilitäten und dadurch Fehlbelastungen im Kniegelenk zurück. Diese führen ebenfalls nicht selten zu frühzeitigem Verschleiß.
  • Bewegungsmangel: Häufig führt aber auch Bewegungsmangel und langes Stehen zu einseitigen Belastungen und Einschränkungen der Beweglichkeit. Was wiederum zu Folgeschäden und frühzeitigem Verschleiß führen kann.

Wie Sie Problemen vorbeugen können

Grundsätzlich gilt: Sie sollten Ihre Kniee zwar möglichst wenig strapazieren, sich aber gleichzeitig viel bewegen.

  • Wer sein Knie richtig trainiert, ist besser vor Knieverletzungen geschützt. Kondition, Koordination und Muskulatur helfen, starke Belastungen auszugleichen und abzufangen.
  • Reduzieren Sie Übergewicht.
  • Vor allem bei Knie und Hüfte ist die Belastung ein sehr entscheidender Faktor.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig.
  • Allerdings: Nicht jede Sportart ist ideal für die Gelenke: Joggen, alpin Skilaufen und alle Sportarten mit schnellen Richtungswechseln (Fußball, Squash, Tennis etc.) sind, vor allem wenn Sie Knieprobleme haben, nicht besonders empfehlenswert.
  • Rückenschwimmen, mäßiges Radfahren, Wandern sowie Nordic Walking entlasten die Kniegelenke und trainieren die Muskeln.
  • Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen. Wechseln Sie häufig zwischen Gehen, Stehen und Sitzen.
  • Verzichten Sie so oft es geht auf hohe Absätze, denn durch diese wird der Druck auf die Kniescheibe vergrößert.

Was tun bei Problemen?

Wenn Sie Schmerzen oder Probleme mit Ihrem Knie haben, sollten Sie zu Ihrem Orthopäden oder Sportmediziner gehen. Warten Sie nicht zu lange, wenn Schädigungen frühzeitig erkannt werden, kann vieles wieder geheilt werden. Hier gilt die Devise: Lieber einmal zu früh als zu spät die Unterstützung vom Fachmann suchen!

Mit gezielten ärztlichen und physiotherapeutischen Behandlungen können nun die Ursachen behandelt werden. Beim Kniegelenk steht dabei die aktive Behandlung durch die Physiotherapie eindeutig im Vordergrund. Wobei natürlich auch Massagen und muskellockernde Therapien hier ihre Berechtigung haben.

Bei Knieproblemen liegt der Behandlungserfolg sehr häufig bei Ihnen. Mit viel Eigeninitiative können Sie im Zusammenspiel mit Ihrem Arzt und Physiotherapeuten viel erreichen. Ohne Eigeninitiative geht es nicht.

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