14.04.2020 - 14:55

Expertenrat für die Regierung Kommen die Corona-Lockerungen? Das sind die Empfehlungen

Einen Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Personenverkehr zu tragen, könnte bald Pflicht werden. Jedenfalls, wenn es nach den Empfehlungen eines Expertenrats zur Lockerung der Corona-Maßnahmen geht.

Foto: imago images / photothek

Einen Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Personenverkehr zu tragen, könnte bald Pflicht werden. Jedenfalls, wenn es nach den Empfehlungen eines Expertenrats zur Lockerung der Corona-Maßnahmen geht.

Wie geht es weiter mit den Corona-Maßnahmen? Steht Deutschland möglicherweise eine Lockerung bevor? Ein Expertenrat der Wissenschafts-Akademie Leopoldina hat jetzt Empfehlungen ausgesprochen, wie eine Vorgehensweise aussehen könnte.

Alle freuen sich auf die Rückkehr ins alte, normale Leben – so, wie es vor der Corona-Krise war. Wann das allerdings der Fall sein wird, ist fraglich. Während in Österreich ab sofort ein erster, zaghafter Schritt in diese Richtung vollzogen wird, richten sich andere Länder auf eine noch länger andauernde Phase der Beschränkungen ein. Und Deutschland? In den nächsten Tagen wird sich wohl entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Wichtige beratende Funktion für die Bundesregierung nimmt dabei ein Expertenrat ein, der jetzt Empfehlungen für eine mögliche Lockerung der Corona-Maßnahmen zusammengestellt hat.

Corona-Lockerungen? Leopoldina-Expertenrat spricht Empfehlungen aus

Auf der Webseite des Bundeskanzleramts wird für den 15. April mitgeteilt: "Die Bundeskanzlerin wird eine Telefonkonferenz mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder abhalten und erneut wichtige Fragen im Zusammenhang mit der Coronakrise besprechen. In dem Gespräch wird unter anderem die Wirkung der bisherigen Maßnahmen beurteilt." Ein wichtiger Anhaltspunkt dafür wird ein Gutachten der Akademie der Wissenschaften Leopoldina sein. Das hat die Bundeskanzlerin betont.

Die Leopoldina mit Sitz in Halle berät Entscheidungsträger unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen über gesellschaftlich relevante Themen. In deren sogenannter "dritter Ad-hoc-Stellungnahme zur Coronavirus-Pandemie – die Krise nachhaltig überwinden" ist jetzt aufgelistet, wie der Fahrplan für eine behutsame Rückkehr in die Normalität erfolgen könnte.

Das sind die empfohlenen Schritte

In dem 18-seitigen Katalog heißt es zwar, dass "die Pandemie das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben noch auf Monate bestimmen wird", dennoch müssten jetzt Kriterien und Strategien zur allmählichen Rückkehr in die Normalität entwickelt werden. Die Voraussetzung für eine solche behutsame Lockerung sind:

  • die Neuinfektionen stabilisieren sich auf niedrigem Niveau
  • es werden notwendige klinische Reservekapazitäten aufgebaut und die Versorgung der anderen Patienten wieder regulär aufgenommen
  • die bekannten Schutzmaßnahmen (Hygienemaßnahmen, Mund-Nasen-Schutz, Distanzregeln, zunehmende Identifikation von Infizierten) werden diszipliniert eingehalten

Die wichtigsten Punkte, die das Alltagsleben und Miteinander betreffen, haben wir hier für Sie zusammengefasst:

  • Bildungsbereich schrittweise öffnen: Wegen des massiven Rückgangs der Betreuungs-, Lehr- und Lernleistungen sowie der Verschärfung sozialer Ungleichheit sollen Bildungseinrichtungen so bald wie möglich wieder eröffnen.
    - Zuerst sollen Grundschulen und die Sekundarstufe I wieder schrittweise geöffnet werden.
    - Weil höhere Stufen Fernunterricht besser nutzen können, soll deren Rückkehr zum gewohnten Unterricht später erfolgen.
    - Kleinere Kinder können sich kaum an die Distanzregeln und Schutzmaßnahmen halten, deswegen soll der Betrieb in Kindertagesstätten nur sehr eingeschränkt wiederaufgenommen werden.
  • Öffentliches Leben schrittweise normalisieren:
    - So sollten erst einmal Einzelhandel und Gastgewerbe wieder öffnen sowie der allgemeine geschäftliche und behördliche Publikumsverkehr wieder aufgenommen werden.
    - Auch dienstliche und private Reisen unter Beachtung der genannten Schutzmaßnahmen könnten getätigt werden.
    - Gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Veranstaltungen sollten nach und nach wieder ermöglicht werden. Sie sind allerdings abhängig von der möglichen räumlichen Distanz und den Kontaktintensitäten der Beteiligten.
  • Das Tragen von Mund-Nasen-Schutz sollte als zusätzliche Maßnahme im öffentlichen Personenverkehr Pflicht werden.
  • Wirtschafts- und Finanzpolitik zur Stabilisierung nutzen:
    - Dazu gehören Kurzarbeit, Liquiditätshilfen, Steuerstundungen und Zuschüsse, um Insolvenzen zu reduzieren.
    - Mittelfristig könnten Steuererleichterungen, möglicherweise sogar die Abschaffung des Solidaritätszuschlags notwendig sein.

Außerdem empfiehlt der Expertenrat, Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz nicht schleifen zu lassen. Denn diese globalen Herausforderungen sind mit der Coronavirus-Krise leider nicht einfach verschwunden...

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Auch eine interdisziplinäre Expertengruppe hat gerade einen 4-Phasen-Plan zur Lockerung der Beschränkungen vorgelegt.

Bis die ersten Lockerungen der Corona-Einschränkungen kommen, gelten erst einmal noch die Bußgeldkataloge der Bundesländer. Und bis dahin gilt es, die Herausforderungen auch in der Partnerschaft zu stemmen. Manche können sich nicht einmal sehen! So trifft sich ein Rentnerpaar wegen der Corona-Sperre momentan täglich am Grenzzaun. Eine rührende Geschichte...

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