17.01.2019

Schwierige Entscheidung Keine Überlebens-Chance: Baby schafft es dennoch 7 Tage – jetzt helfen seine Organe anderen

Ein Baby kommt zur Welt, gleichwohl es dem Tode geweiht ist. Die Eltern haben sich dennoch für die Austragung entschieden – auch, weil sie die Organe spenden wollen.

Foto: iStock/Pekic

Ein Baby kommt zur Welt, gleichwohl es dem Tode geweiht ist. Die Eltern haben sich dennoch für die Austragung entschieden – auch, weil sie die Organe spenden wollen.

Eine Geschichte, die unendlich traurig und doch voller Hoffnung ist: Obwohl ihr Baby wegen schwerster Fehlbildungen keine Überlebens-Chance hat, entscheiden sich Eltern für die Geburt – in der Hoffnung auf eine kurze Zeit miteinander. Und auch, um anderen Kindern mit den Organen ihres Babys zu helfen.

Stellen Sie sich vor, Sie erwarteten ein Baby – und erhielten in einem frühen Schwangerschaftsstadium die niederschmetternde Diagnose, dass Ihr ungeborenes Kind schwerste Fehlbildungen und keine Überlebens-Chance hat. Und Sie müssten jetzt beschließen: Abtreibung – oder das Baby bekommen? Mit der geringen Chance, es lebend zur Welt zur bringen – und vielleicht eine ganz kurze Zeit gemeinsam verbringen zu dürfen. Und durch das eigene todgeweihte Kind anderen eine Chance auf Leben zu ermöglichen – indem sie seine Organe spenden. Wie würden Sie sich entscheiden?

Baby hat keine Überlebens-Chance: Eltern entscheiden sich dennoch für Austragung – auch, um Organe spenden zu können

Die US-Amerikanerin Krysta Davis aus Cleveland / Tennessee ist 23 und in der 17. Schwangerschaftswoche, als ihr Frauenarzt ihr das furchtbare Ergebnis der Pränataldiagnostik mitteilt: Das ungeborene Kind in ihrem Leib leidet an Anenzephalie. Wörtlich übersetzt bedeutet das "ohne Gehirn", wobei das Stammhirn zwar vorhanden ist, aber Teile des knöchernen Schädeldachs, der Hirnhäute, der Kopfhaut und des Gehirns fehlen. Häufig sterben Babys mit Anenzephalie im Mutterleib oder während der Geburt – kommen sie wider Erwarten lebend zur Welt, haben sie eine Lebenserwartung von wenigen Stunden oder Tagen.

Was für ein kaum vorstellbarer Schock. Und was für eine schrecklich schwere Entscheidung, die Krysta Davis daraufhin mit ihrem 26-jährigen Freund Derek Lovett, dem Vater des Ungeborenen, fällen muss: entweder die Geburt einleiten und das Kind zur Welt bringen, das mit 17 Wochen unter gar keinen Umständen lebensfähig ist. Oder die Schwangerschaft fortsetzen – wohlwissend, dass das Baby jederzeit im Mutterleib oder dann durch die Geburt sterben kann. Und wenn es wider Erwarten lebend das Licht der Welt erblicken sollte, es bestenfalls wenige Tage alt werden wird.

Das Paar beschließt, die Schwangerschaft fortzusetzen – und auf ein Wunder zu hoffen. Auch aus einem weiteren Grund entscheiden sie sich dafür. Der regionalen Zeitung "Daily Advertiser" erzählt Krysta Davis: "Ein Arzt sagte uns, wir könnten die Organe unseres Babys spenden, falls es alt genug wird, möglicherweise könnten wir sogar die Kinder vorher treffen, die die Organe bekommen sollen. In diesem Moment sahen Derek und ich uns an – und da wussten wir, was wir tun würden. Ich würde mein Baby vermutlich nicht mit nach Hause nehmen können, aber wenn es schon nicht leben darf, kann es dazu beitragen, anderen Müttern diese Chance zu geben."

Rylei kommt an Heiligabend zur Welt – für eine Woche

Die Schwangerschaft verläuft ohne größere Komplikationen – Krysta und Derek erwarten ein Mädchen, es soll Rylei heißen. Oft werden die beiden gefragt, wie sie es aushalten, so positiv nach vorne zu blicken. Ihre Antwort darauf: "Ich habe doch nur diese Zeit mit ihr, und die will ich glücklich verbringen. Wenn alles vorbei ist, werde ich alle Zeit der Welt haben, um traurig zu sein." Große Worte einer tapferen Frau!

Am 24.12. 2018 kommt Rylei zur Welt. Ein größeres Weihnachtsgeschenk hätte sich das Paar nicht wünschen können, mehr noch: ihre Tochter beginnt nach kurzer Zeit, selbstständig zu atmen – gegen alle Erwartungen der Ärzte. Das erhoffte Wunder, das den beiden an Heiligabend zuteil wird. Krysta und Derek sind überglücklich – auch über jede Stunde, jeden Tag, den sie mit ihrer Rylei verbringen dürfen. Dass es nur wenige Tage sein werden, wissen sie.

An Silvester dann, nach nur einer Woche auf der Welt, hat Rylei sie schon wieder verlassen. Wenige Stunden vor ihrem Tod am 31.12. schwärmte Mama Krysta der Zeitung gegenüber noch von ihrer Tochter: "Sie ist ein kleines Wunder. Sie fasziniert einfach jeden... Ich hätte nie gedacht, dass wir so viel Zeit mit ihr verbringen dürfen, aber ich liebe jede einzelne Sekunde davon."

Facebook-Seite mit Fotos der Familie macht sich für Organspende stark

Die trauernden Eltern halten sich an ihr Versprechen und spenden Ryleis Organe. Ihre Herzklappen werden an zwei Babys, ihre Lungen an eine Forschungsstiftung gegeben, die dringend Organe benötigt. "Es war ein wunderbares Gefühl zu wissen, dass zwei Kinder wegen unserer Rylei ein Leben zu Hause haben dürfen – das hat uns sehr berührt," wird Krysta zitiert.

Fotografin Clarissa Tilley ist von der Tapferkeit und Stärke der jungen Eltern so ergriffen, dass sie sie schon in der letzten Phase der Schwangerschaft begleitet und bis zum Tod der kleinen Rylei viele viele Fotos macht. Eine ganze Reihe davon nutzen Krysta und Derek, um eine Facebook-Seite ins Leben zu rufen – zum einen, um an das kurze Leben ihres Babys zu erinnern, und zum anderen, um für Organspende zu werben, die so wichtig ist und Leben retten kann.

"So schwer es auch ist, die Organe des eigenen Kindes herzugeben: es bedeutet so viel für das Leben anderer, die sonst keine Chance hätten." Auch das sagt Krysta im Interview. Wie unglaublich stark ist diese Mutter, die gerade ihr Kind verloren hat? Mit diesen ergreifenden Worten endet die Geschichte. Und obwohl sie unendlich traurig ist, macht sie gleichzeitig Mut und Hoffnung. Nachdem Sie sie gelesen haben, hier noch einmal die Frage vom Anfang: Wie würden Sie sich entscheiden?

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Es ist leider ein Fakt: Die Bereitschaft zur Organspende sinkt, obwohl sie Leben retten kann. Falls Sie es noch nicht getan haben: hier erfahren Sie, wo es den Organspendeausweis gibt, und was Sie dazu wissen sollten.

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