Aktualisiert: 25.05.2018 - 12:30

Aktuelle Empathie-Analyse Warum arme Menschen meist mehr Herz zeigen als reiche

Einander die Hand reichen: nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit. Lesen Sie, warum arme Menschen häufiger dazu bereit sind als reiche.

Foto: iStock/PeopleImages

Einander die Hand reichen: nicht für jeden eine Selbstverständlichkeit. Lesen Sie, warum arme Menschen häufiger dazu bereit sind als reiche.

Wohlhabende Menschen sind weniger hilfsbereit und empathisch als ihre ärmeren Mitbürger. Erfahren Sie hier, was ein Psychologie-Professor aus England herausgefunden hat.

"Kannst du dir das vorstellen, die haben sich geweigert, mit mir ihren Platz zu tauschen" erzählt Tim (Name von Red. geändert) mit erregter Stimme. Für einen beruflichen Termin war er von Hamburg nach Frankfurt geflogen. Er wurde vor kurzem am Knie operiert, trägt daher eine Orthese (Stützmittel) am linken Bein. Außerdem ist er zwei Meter groß. Der Mittelsitz ist somit eine Tortur, da er dort sein operiertes Bein nicht ausstrecken kann. Kein Problem, dachte er, es wird schon jemand mit mir seinen Gangplatz tauschen. Im Bus, den er jeden morgen auf dem Weg zur Arbeit nimmt, stehen immer Leute für ihn auf.

Aber dieses Mal weigerten sich die ersten drei Passagiere, die er fragte. Eine Geschäftsfrau sagte, sie säße immer auf diesem Platz, der stünde ihr zu, und den würde sie auch nicht tauschen.

Studie: Je wohlhabender, desto weniger hilfsbereit

Tim ist immer noch verwundert, warum im Flieger niemand helfen wollte, während er im Bus dauernd "Gute Besserung" hört und auf viele verständnisvolle Beifahrer trifft. Vielleicht liegt das daran, dass seine Mitfahrer im Bus nicht so wohlhabend sind wie die Geschäftsleute im Flieger.

Das klingt zunächst komisch, aber genau das ergibt eine kürzlich erschienene Analyse: Menschen mit geringem sozioökonomischem Status sind empathischer und hilfsbereiter als solche mit höherem Status. Auf dieses Fazit kam der englische Psychologie-Professor Antony Manstead von der Universität Cardiff, als er mehrere Studien miteinander verglich.

In dem Test einer Studie sollten Probanden aus niedrigen und höheren Klassen Emotionen an den Augen ablesen. Das Ergebnis: die Teilnehmer mit niedrigerem Status lagen öfter richtig. Und nicht nur das: sie waren Unbekannten gegenüber generell aufgeschlossener und kontaktfreudiger. Und hilfsbereiter.

Warum ist das so?

Eine Erklärung von Manstead lautet: Während wohlhabende Menschen vor allem ihre eigenen Interessen entwickeln wollen und auf Individualität setzen, zählt für Menschen mit niedrigerem Einkommen und Status eher die Gemeinschaft. Sie interagieren häufiger mit ihren Mitmenschen. Ihre privilegierten Mitbürger hingegen fokussieren sich eher auf sich selbst, auf das eigene Vorankommen.

Manstead begründet diesen Unterschied damit, dass diejenigen mit schlechtem sozioökonomischem Status weniger daran glauben, aus eigenen Stücken Erfolg haben zu können. Zum anderen konzentrieren sie sich mehr auf die Gemeinschaft, weil sie eher aufeinander angewiesen seien.

Wer spendet wann?

Die Passagiere im Flieger waren wohl alle Berufstätige mit gut bezahlten Jobs, die kein Gespür dafür hatten, dass da jemand auf ihre Hilfsbereitschaft angewiesen ist. Oder war Ihnen der Rahmen der Öffentlichkeit zu klein?

Eine andere Studie ergab nämlich, dass wohlhabende Menschen eher bereit sind zu spenden, wenn ihre Spende öffentlich gemacht wird. Hilfsbereit sind sie also nur dann, wenn sie von anderen für ihre Großzügigkeit gelobt werden. Menschen aus unteren Schichten spenden hingegen lieber im privaten Rahmen.

. Es gibt so viele sozial benachteiligten Kinder in Deutschland – wie Sie Ihnen ganz einfach beim täglichen Einkauf helfen können.

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