12.12.2018

Dickmacher-Bakterien Was Darmbakterien mit Abnehmen zu tun haben

Das mit dem Abnehmen will trotz Diät einfach nicht klappen? Vielleicht haben Sie zu viele der falschen Bakterien im Darm.

Foto: iStock/AH86

Das mit dem Abnehmen will trotz Diät einfach nicht klappen? Vielleicht haben Sie zu viele der falschen Bakterien im Darm.

Das Verhältnis von guten und schlechten Bakterien ist mitverantwortlich dafür, wie schnell wir Gewicht verlieren. Wir können selbst darauf einwirken, dass die schlechten Bakterien nicht überhandnehmen.

Die einen können essen, was sie wollen – andere nehmen schon vom bloßen Anschauen der Erdbeertorte zu. Das behaupten zumindest viele, die zu Letzteren gehören. Grober Unfug oder ist da was dran? Verschiedene Studien legen nahe, dass der Eindruck durchaus stimmen könnte. Für die unterschiedliche Verwertung von Essen, und damit auch von Kalorien, machen sie die Zusammensetzung der Bakterien im Darm verantwortlich. Was Darmbakterien mit Abnehmen zu tun haben, erfahren Sie im Folgenden.

Gute & schlechte Darmbakterien: Welche beim Abnehmen helfen

Forscher des Campus Lübeck untersuchten 150 Probanden, die zwei Wochen lang dieselben zwei Test-Mahlzeiten bekamen, um abzunehmen. Vor dem Test gaben sie eine Stuhlprobe ab, um ihre Darmflora bestimmen zu können. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen Bakterien im Darm und Blutzuckerspiegel gibt. Dass es den Probanden unterschiedlich schwer fiel, Gewicht zu verlieren, könnte also mit einer unterschiedlichen Verteilung der Bakterienstämme zu tun haben.

Der Biologe Jeffrey Gordon von der Washingtoner Universität wiederum verglich bereits vor einigen Jahren die Darmflora von adipösen Probanden mit der von schlanken. Ihm fiel dabei auf, dass die beiden Gruppen sich insbesondere durch das Verhältnis der dominierenden Bakterienstämme Bacteroidetes und Firmicutes unterscheiden. Während die Bakterienstämme idealerweise im Verhältnis 1:1 im Darm enthalten sind, wiesen die übergewichtigen Testpersonen eine höhere Anzahl von Firmicuten auf.

Firmicuten sind Dickmacher-Bakterien, die folgendes verursachen: Bei einer gesunden Darmflora werden Ballaststoffe teilweise unverdaut ausgeschieden. Wer allerdings zu viele Firmicuten in sich trägt, bei dem werden diese unverdaulichen Lebensmittel in einfache Zuckermoleküle abgebaut. Und diese werden dann ruckzuck vom Körper aufgenommen und wandern direkt an die Hüften, Oberschenkel oder sonstige Problemzonen. Das bedeutet, anders formuliert: je mehr Firmicuten in unserem Darm vorhanden sind, desto mehr Kohlenhydrate, und damit auch Kalorien, werden in unserem Körper gespeichert.

Gute und schlechte Kohlenhydrate

Aber ist es einfach Pech, zu viele der "bösen" Bakterien zu haben? Sicher nicht, ein Übermaß an Firmicuten ist umso wahrscheinlicher, je ungesünder wir uns ernähren. Je mehr Kohlenhydrate wir zu uns nehmen, desto besser können sich Firmicuten im Darm vermehren.

Dabei muss allerdings zwischen guten und schlechten Kohlenhydraten unterschieden werden. In Zucker und Weißmehl stecken schlechte, weil einfache Kohlenhydrate. Für Leistungssportler sind Fruchtriegel, Bananen oder Traubenzucker eine tolle Sache, weil einfache Kohlenhydrate schnell Energie liefern. Gönnen wir uns aber zuckerhaltige Lebensmittel am Schreibtisch vor dem PC, gelangen sie direkt in die Fettdepots. Denn der Körper weiß bei fehlender Aktivität sonst nichts mit ihnen anzufangen. Hinzukommt, dass sie auf dem Weg in unsere Fettspeicher Futter für die Firmicuten sind, die sich dadurch vermehren. Ein Teufelskreis.

Finger weg von Zucker und Weißmehl

Um die Dickmacher-Bakterien in Schach zu halten, müssen wir also einfache und raffinierte Kohlenhydrate meiden. Einen besonders großen Bogen sollten wir um Teig- und Backwaren machen, denn sie enthalten sowohl einfache (Zucker) sowie raffinierte (Weißmehl) Kohlenhydrate. Auch verarbeitete Lebensmittel enthalten meist viel zu viel Zucker, von der Limonade über den Fruchtjoghurt bis hin zur fertigen Tomatensauce.

Bei guten Kohlenhydraten dürfen wir hingegen, wenn auch in moderaten Mengen, ohne Bedenken zugreifen. Denn dank ihrer komplexen Struktur werden sie vom Körper nur langsam verdaut, liefern lange Energie und halten den Blutzuckerspiegel stabil. Ballaststoffe, die aus komplexen Kohlenhydraten bestehen, können außerdem die Abnehm-Darmbakterien Bacteroidetes stärken. Sie sind zum Beispiel in Spargel, Lauch, Vollkorngetreide, Haferflocken und Hülsenfrüchten enthalten. Auch Pektin, das in der Schale von Äpfeln steckt, mögen die Schlankmacher-Bakterien.

Falls Sie jetzt grübeln, ob Sie wohl zu viele Firmicuten haben: einfache und raffinierte Kohlenhydrate sind generell schlecht und ungesund, auch wenn man eine gesunde Darmflora hat. Wie bei allen schädlichen Dingen gilt auch hier: die Menge macht's! Ein Stück Kuchen am Wochenende ist kein Drama, aber für manche Sünden gibt es durchaus Alternativen: zum Beispielkann auch Salz statt Zucker Obst süßer machen.

Wie Sie mit einem Kaloriendefizit ohne Jojo-Effekt abnehmen, können Sie hier nachlesen:

Kaloriendefizit: Der beste Weg, um abzunehmen?

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