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Die WM und ich, wir hätten uns beinahe getrennt.
Und das ausgerechnet vor dem letzten Deutschlandspiel, auf das ich (dank Özil) so hingefiebert hatte. Das muss an Berlin liegen, denn dort war ich am Wochenende – und Fiona wird es mir bestätigen können: WM und Berlin, das geht nicht zusammen.
Dabei war ich nicht mal shoppen! Stattdessen habe ich das Brautkleid einer Freundin bewundert, die an diesem Wochenende geheiratet hat. Ein maßgeschneiderter Traum in blütenweiß und hellblau mit Schleife, toll! Was soll ich sagen: die Party am Samstag war lang, meine Nacht kurz und der Kater immens. Auf dem Weg in mein Lieblingscafé am Sonntag gegen 13 Uhr strömten die Menschenmengen bereits in die Kneipen vor die Fernseher.
Und erst da fiel mir wieder ein: Deutschland spielt. Oha. Das war mir in der Feierlaune des vorherigen Abends ganz entfallen. "Gut, dann schaue ich mir das Spiel halt in Berlin an, warum nicht?", dachte ich mir. Doch dann fiel mir siedend heiß ein, dass ich eine Zugfahrkarte für 16 Uhr hatte. Schlechte Laune machte sich breit. Gerade, wo ich mich dank Özil wieder auf Fußball gefreut hatte, konnte ich mir seinen nächsten Star-Auftritt also nicht angucken.
Maulig ergab ich mich meinem Schicksal und stieg um kurz vor 16 Uhr in den ICE nach Köln (in dem ich übrigens keinen Platz reserviert hatte, denn ich dachte, alle würden Fußball gucken – Pustekuchen!). Runtergekühlt von 30 Grad Außentemperatur auf gefühlte zehn Grad Klimaanlagenluft im Abteil, erkämpfte ich mir zwischen motzenden Rentnern mit Riesenkoffern einen Platz und wünschte mir nichts sehnlicher, als Özil auf dem grünen Rasen kicken sehen zu können.
Mein Wunsch erfüllte sich. Zunächst. Und zumindest akustisch. Zwei Jungs in der Reihe vor mir hatten einen Mini-Fernseher dabei , auf dem sie das Spiel verfolgten. Von Aufschreien wie "Leck mich fett, Alter, jetzt schieß!" mal ganz abgesehen, bekamen meine Ohren und ich mindestens 30 Minuten lang WM-Genuss vom feinsten geliefert. Doch dann war der Akku alle. Und das Ladegerät zu Hause. Hilfe war jedoch bereits unterwegs. Und zwar in Form eines sehr engagierten Fahrkarten-Kontrolleurs, der direkt am Ausgang unseres Großraumwagens sein Abteil hatte und dort drinnen scheinbar ein Radio.
Bei jedem einzelnen Tor für Deutschland kam er zu uns herein geschossen und schrie bis mir die Ohren fiepten "Tooooooor für Deutschland!". Noch schöner war allein die Durchsage einer seiner Kollegen. "Meine Damen und Herren, ich darf Ihnen mitteilen, dass die deutsche Nationalelf soeben ein weiteres Tor erzielt hat." Sänk ju, Deutsche Bahn, ich werde ab jetzt immer gern mit dir träväln. Schließlich hast du die WM und mich am Ende so gerade noch einmal wieder zusammen gebracht.
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