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Säbelrasseln auf beheizten Klobrillen
Grrr… in den letzten Tagen setzt sich ein potentieller Angst-Gegner nach dem anderen durch: Argentinien, Brasilien, Spanien…
Leider keine Spur von Favoritensterben. Da wird mir etwas blümerant bei dem Gedanken, wie schnell der Traum vom Sommermärchen vorbei sein könnte.
So sitze ich leicht verspannt da und warte auf Samstag. Unser nächstes Spiel. Gegen niemand geringeren als Argentinien. Wie soll ich da einen Kopf haben für die anderen Spiele, die derzeit so laufen?
Für mich setzt zwischen den Spielen unserer Jungs so eine Mischung aus Winterschlaf und Angststarre ein. Ich gucke zwar mal rein, was die anderen Mannen so machen, aber nicht wirklich. Ich tauche zusammen mit Poldi und Co unter, um erst wieder zum nächsten Spiel aufzutauchen. Dafür mit voller Kraft. (…und diesmal bitte mit einem visuellen Medium, um das Spiel zu SEHEN, statt zu hören. Das hatte beim letzten Spiel so etwas vom "Wunder von Bern", so vor dem Radio zu hocken).
Was in dieser Phase X bzw. dem Winterschlaf umso mehr zu beobachten ist, ist das Säbelrasseln der Gegner. Allen voran: Argentinien-Trainer Diego Maradona. Da trifft Männlichkeit, Wahn, Heldentum und kultische Verehrung auf genau eins: Jogi. Klein, sachlich, Pullunder tragend und dienstbeflissen. Das sind nicht mehr nur Welten. Zumal der eine rasselt und der andere nicht.
Diego zumindest ist sich sicher, dass seine „Gala-Jungs“, wie er sie nennt, uns nach Hause schicken werden. Der Grund ist nahe liegend: „23 Bestien“ hat er in Nationaltrikots gesteckt und in Afrika unter die Teams geschmuggelt. Da hab ich Angst um Schweinis und Kloses Gesundheit. Sehe Blutgrätschen und fiese Fouls. Verletzte. Schmerzverzerrte Gesichter. Und das mitleidende Gesicht von Julia, wenn ein „Gala-Junge“ Mesut Özil unsanft von den Beinen holt.
Das Unverschämteste aber: Diego plant sogar schon die Details seiner Weltmeister-Feier. Das empört mich doch etwas. Da meint der kleine Argentinier doch tatsächlich kundtun zu müssen, dass am Endspieltag zuerst alle seine Spieler den Pokal küssen werden. Und er will es als Letzter tun. Aha.
Und was man nicht noch alles liest: So weckt Maradona seine Stars jeden Morgen ganz zärtlich mit der Vuvuzela. Da hat jemand seine Hausaufgaben im Motivationskurs so richtig gemacht. Aber mir soll es recht sein.
Schön zu lesen allerdings: Es gibt beheizbare Klo-Schüsseln für die Allerwertesten der „Gala-Jungs“. Das freut doch ungemein. Dann hoffe ich doch sehr, dass unsere Mannschaft, trotz nicht beheizter Toilettenbrillen, den Argentiniern mal zeigt, wo es lang geht: Nämlich heim, nach Argentinien!
Und das ist schwer von Nöten: Schließlich hat Maradona angekündigt, dass er, wenn er Weltmeister wird, nackt durch Buenos Aires laufen will. Puh. Jungs, ihr solltet euch also wirklich anstrengen.
(…ich fürchte, jetzt habe ich mich auch zum Säbelrasseln hinreißen lassen.)
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