An ihnen scheiden sich die Geister. Die einen lieben sie – besonders zu vorgerückter Stunde, wenn schon ein wenig Wein oder ein paar Cocktails geflossen sind. Die anderen mögen sie nicht besonders - um es mal gelinde zu formulieren - und suchen das Weite, sobald die Spiele eröffnet werden.
Es gibt Hochzeitsspiele, bei denen das Hochzeitspaar ordentlich ins Schwitzen gerät, und an denen vor allem die unbeteiligten Zuschauer ihren Spaß haben. Und dann wieder stehen Spiele auf dem Programm, die alle Gäste notgedrungen näher zusammenrücken lassen. Doch egal, wie man nun zu dieser Tradition steht: Eine Hochzeit ohne Hochzeitsspiele ist kaum denkbar.
Unterhaltung mit langer Tradition
Hochzeitsspiele haben eine lange Tradition. Schon im Mittelalter wurde die Braut entführt und der Bräutigam musste seine Frau auslösen. Auch Ratespiele und kleine Theaterspiele, bei denen der Weg von der Brautwerbung bis zum Altar dargestellt wurde, waren bereits vor 300 Jahren fester Bestandteil einer Hochzeit. Vergleicht man die damaligen Spiele mit dem, was heute am Hochzeitstag gespielt wird, dann stellt man erstaunt fest, dass sich seit damals wenig verändert hat.
Früher ging es primär darum, die Gäste zu unterhalten und neben musikalischen Darbietungen geschah das mit Spielen, in die die Hochzeitsgäste mit einbezogen wurden. Und heute? Verleihen die Hochzeitsspiele der Hochzeit ein wenig traditionelles Flair – und sorgen wie gehabt für Unterhaltung.
Vor der Hochzeitsnacht stehen die Spiele
Zu den bekanntesten Spielen zählt wohl nach wie vor die Entführung der Braut. Die Braut wird hierbei von den Freunden des Bräutigams „entführt“ und in ein anderes Lokal gebracht, in dem die Freunde dann auf Kosten des Bräutigams möglichst viel trinken. Die Zeche hat der frischgebackene Ehemann zu zahlen, ist sie doch quasi das Lösegeld für seine Frau.
Ein weiteres klassisches Hochzeitsspiel ist die Versteigerung von Schleier oder Strumpfband. Um Mitternacht wird der Braut von einer ihrer Freundinnen der Schleier abgenommen und meistbietend versteigert. Trägt die Braut ein Strumpfband, dann können alle anwesenden Junggesellen im Raum dieses Strumpfband ersteigern. Das Spiel ist allerdings nur für Bräute geeignet, die gerne Bein zeigen. Der Bräutigam hebt das Kleid seiner Braut Stück für Stück an und jeder, der mehr Bein sehen möchte, muss ein entsprechend hohes Gebot abgeben. Ist das Strumpfband endlich zu sehen, erfolgt der Zuschlag.
Lust auf ein Spiel?
Nur zuschauen und sich amüsieren? Das klappt bei vielen anderen Hochzeitsspielen nicht, denn die beziehen die Gäste der Feier mit ein. Ans Eingemachte geht’s für die Herren, die beim „Wadenraten“ teilnehmen. Die anwesenden Herren müssen sich auf einen Stuhl setzen, ein Hosenbein hochkrempeln und die Wade freilegen. Der Braut werden die Augen verbunden und anschließend muss sie nur durch Ertasten die Wade ihres Ehemannes erkennen.
Zu den Dingen, die auf keiner Hochzeit fehlen dürfen, gehört auch das Werfen des Brautstraußes. Nur ist kaum eine Braut bereit, ihren schönen Strauß durch den Wurf ruinieren zu lassen. Eine Lösung für dieses Problem liefert das nächste Spiel.
Auf einem Tisch werden verschiedene Utensilien aufgebaut, aus denen sich ein Strauß zaubern lässt: Dekoblumen, Alufolie, Toilettenpapier, Schleifen und Bänder, aber auch kleine Gewürzsträuße und Kochlöffel. Die Gäste müssen nun Kreativität beweisen und innerhalb von zwei Minuten einen Brautstrauß binden, der dann für das traditionelle Brautstraußwerfen verwendet wird. Und obwohl der Brautstrauß ein wenig gewöhnungsbedürftig sein mag, gilt trotzdem: Wer den Strauß fängt, der tritt nicht nur als nächster vor den Traualtar, sondern wird auch im Mittelpunkt der kommenden Hochzeitsspiele stehen.
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