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Vom Glück eine deutsche Krake zu sein.
Früher war es bei jeder Fußball-WM das gleiche Spiel: ein erboster Kampf zwischen meinen schwedischen Verwandten und mir, wessen Mannschaft besser abschneidet beim Turnier. Zugegeben stellte Schweden nie die größte Konkurrenz dar, aber man weiß nie was kommt. Gern erinnere ich mich an das Deutschland-Schweden Spiel 2006, da entbrannte ein heißer SMS-Schlagabtausch über die Ostsee, wir gingen als Sieger hervor dank eines spannenden Sommermärchen-Spiels und eines verdienten 2:0s.
Wenige Tage nach diesem Spiel warf mir ein schwedischer Freund, der damals zur Weltmeisterschaft nach Deutschland angereist war, plötzlich an den Kopf: er würde uns niemals einen Titel gönnen, denn wir Deutschen wären schon arrogant genug. Andere Länder wüssten so einen Titel wenigstens zu schätzen und hätten ihn viel eher verdient. Ich war perplex, bin aber zum Glück nicht nachtragend.
Bei dieser WM hatten sich die Nordlichter nicht mal qualifizieren können. Bitter! Kurzerhand hab ich schwarz-rot-güldene Fan-Pakete mit Fanschminke, Blumengirlanden und Tattoos verschnürt und nach Schweden verschickt. Als kleine Provokation. Vielleicht bin ich doch nachtragend.
Umso größer war die Überraschung, dass dieses Jahr alles anders ist. Plötzlich ist Jogis Elf nicht die Mannschaft, die eh immer gewinnt, und deshalb nicht bejubelt werden darf. Nein, plötzlich sind die Deutschen die Favoriten der Herzen. Sie sind jung, sie sind sympathisch, sie kickern fair und imposant. Sie sind ein bunt gemischtes Team. Sie glauben an eine Krake namens Paul. Daher ist es dieses Jahr einfach enorm populär gemeinsam mit den Deutschen die Daumen zu drücken, mitzufiebern und jetzt enttäuscht zu sein. Gerade kam eine Nachricht aus Schweden: "Ihr gewinnt doch das Bronze-Match, oder?"
Paul sagt: ja.
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