Im Internet lädt ein Discounter zu Gratis-Reisen ein. Was ist das: ein Super-Schnäppchen oder ein Schummel-Angebot? BILD der FRAU wollte es genau wissen – und schickte Reporterin Monika Lembke auf die Reise.
 Kleine Gassen, Moscheen und Minarette prägen die Straßen. | Neugierig betreten wir die Fabrik. Acht Frauen sitzen auf der Erde und knüpfen Teppiche. Wie groß die Auswahl, wie hochwertig die Qualität und wie günstig trotzdem die Angebote seien, erfahren die Besucher 15 Minuten später in einem Verkaufsraum. Kaum hat sich die Reisegruppe gesetzt, beginnt Mehmeth anzupreisen.
Mit flinken Händen rollen die Mitarbeiter die Teppiche aus – die Auswahl ist groß und das Engagement der Verkäufer noch größer. Ein Verkäufer pro Paar steht bereit. Doch nur ein Gast lässt sich überzeugen. Hakan, sichtlich enttäuscht vom zurückhaltenden Kaufverhalten, setzt alle Hoffnung auf den nächsten Tag.
Leder- und Schmuckpräsentationen stehen auf dem Programm – allerdings nicht auf dem Programm im Internet, dort ist keine Rede von Verkaufsshows. Dabei gäbe es ohne die gar keine Reise. „Dem Lederhersteller gehört das Reiseunternehmen. Die Teppich-, Leder- und Schmuck-Hersteller sind die Sponsoren der Reise. Wenn niemand etwas kaufen würde, gäbe es solche Reisen nicht“, sagt Hakan.
Und ab wie viel Umsatz lohnt sich das? „Wir verdienen auch an den Essenspaketen“, verrät er unter vier Augen. „Setzt die Gruppe 8000 Euro um, gehen wir mit null Euro raus." In der Lederfabrik nahe Antalya wird nicht lange drumherum geredet. Eine kurze Modenschau, dann hoch in den Verkaufsraum voller Lederjacken und engagierter Verkäufer. Mit vier Lederjacken mehr an Bord fährt der Bus in Richtung Schmuckfabrik.
 Kaufen erwünscht: Nur wenn die Touristen kaufen, rentiert sich der gesponserte Urlaub für die Händler. | Ferien nach Kaffeefahrt-Masche
„Wir haben bisher gerade mal 3000 Euro umgesetzt, das wird eine schlechte Woche“, sagt Hakan, natürlich inoffziell. Zwar kommen noch fünf Frauen mit Goldschmuck aus der Schmuckfabrik – doch die Minimum-Umsatzgrenze von 8000 Euro ist nicht erreicht. „Letzte Woche haben meine zehn Gäste für 10.000 Euro gekauft. So muss das sein“, sagt Hakan.
Dieses Mal ist die Kaffeefahrt-Masche nicht aufgegangen. „Diese Gäste nutzen unser Angebot gnadenlos aus!“, sagt Hakan und schüttelt den Kopf: „Solche Profi -Urlauber sind schlecht fürs Geschäft.“
Fazit:
Das meinte unsere Reporterin: Trotz der versteckten Verkaufsmasche ist die Billigreise eine günstige Möglichkeit, die türkische Riviera zu entdecken! Allerdings nur für diejenigen, die willensstark genug sind, den Verkäufern zu widerstehen. Sie lassen sich schnell zum Kauf verführen? Dann zahlen Sie lieber 200 Euro mehr für eine Reise ohne Verkaufsveranstaltung, statt womöglich Hunderte Euro für Teppiche, Leder und Schmuck auszugeben.
Wenn Sie sich einen Eindruck machen wollen: Wir haben die Reise für Sie gefilmt.
Achtung, Zusatzkosten!
Die Reise ist noch bis März buchbar (unter www.netto-travel.de). Aber: Nicht alle Hotels haben 4- bis 5-Sterne-Standard. Das Essenpaket ist überteuert, rechnen Sie mit Zusatzkosten (z.B. teure Getränke). Und stellen Sie sich auf Verkaufsshows ein.
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