17.02.2017

Dichter von Weltruf Ernesto Cardenal: "Ich verlasse Nicaragua nicht"

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Der Dichter Ernesto Cardenal will nicht ins Exil.

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Der Dichter Ernesto Cardenal will nicht ins Exil.

Der Autor fühlt sich in seinem Heimatland verfolgt. Hinter einem Rechtsstreit vermutet er politische Motive. Zuletzt war über einen Asylantrag in Deutschland spekuliert worden. Aber der 92-Jährige will sich nicht vertreiben lassen.

Trotz juristischer Streitigkeiten will der nicaraguanische Dichter Ernesto Cardenal sein Heimatland nicht verlassen. "Ich gehe nicht aus Nicaragua weg. Ich bezahle nicht, was ich nicht schuldig bin", sagte der 92-Jährige am Donnerstag im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Zuletzt hieß es aus seinem Umfeld, er erwäge, in Deutschland oder Mexiko um Asyl zu bitten.

Cardenal war zuletzt von einer früheren Angestellten auf die Zahlung von rund 800 000 US-Dollar (757 000 Euro) verklagt worden. Der Autor wittert dahinter politische Motive. "Wir leben in einer Diktatur und ich bin ein politisch Verfolgter", sagte er.

Bei dem Rechtsstreit geht es um ein Hotel und Grundstücke auf dem Solentiname-Archipel im Nicaraguasee. Cardenal hatte dort in den 1960er Jahren eine Bauern- und Künstlerkommune gegründet. Die Frau behauptet, die Immobilie und die Ländereien von ihrem Mann geerbt zu haben. Vor einigen Jahren hatte Cardenal in dem Fall bereits einmal Recht bekommen. Jetzt wurde ihm eine Zahlungsaufforderung zugestellt.

Dahinter vermutet Cardenal die First Lady und Vizepräsidentin Rosario Murillo. "Der Grund ist der Hass, den Rosario Murillo gegen mich hegt. Es ist eine Frau mit viel Hass", sagte der Schriftsteller. "Das ist zwar etwas Persönliches, aber in Nicaragua leben alle in Gefahr, weil wir in einer Diktatur leben unter der absoluten Macht von Daniel Ortega und seiner Frau."

Cardenal ist einer der bekanntesten Schriftsteller Nicaraguas. Der Priester beteiligte sich an dem Sturz des Diktators Anastasio Somoza und war nach dem Sieg der Revolution 1979 Kulturminister der sandinistischen Regierung. Später überwarf er sich allerdings mit seinen einstigen Kampfgenossen und ist heute ein scharfer Kritiker von Präsident Daniel Ortega.

Seine Lesereisen führten Cardenal auch immer wieder nach Deutschland, häufig gemeinsam mit der Band Grupo Sal. Am 4. März wird ihm die Bergische Universität Wuppertal die Ehrendoktorwürde für seinen Beitrag zur Weltliteratur verleihen.

Mit Wuppertal verbindet den nicaraguanischen Dichter eine besondere Beziehung. "In Wuppertal wurden meine ersten Bücher veröffentlicht. Dort hat mich Hermann Schulz vom Peter Hammer Verlag für die Welt entdeckt", sagte Cardenal. "Die Ehrung für mich ist auch eine Ehrung für die Stadt Wuppertal und besonders für Hermann Schulz."

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