01.11.2016

INTERVIEW ZUM FILM Benedict Cumberbatch: "Yoga half mir, Doctor Strange zu werden"

Doctor Strange feierte in Berlin mit den Hauptdarstellern Benedict Cumberbatch und Tilda Swinton Premiere.

Foto: imago

Doctor Strange feierte in Berlin mit den Hauptdarstellern Benedict Cumberbatch und Tilda Swinton Premiere.

Das Warten der Marvel-Fans hat ein Ende: Der Film zum Superhelden Doctor Strange ist da - mit Benedict Cumberbatch! Wir sprachen mit ihm, Tilda Swinton und Regisseur Scott Derrickson.

 

Der Kinoherbst ist da: Am 27. Oktober ging Marvel's Doctor Strange an den Start, mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle des narzisstischen Neurochirurgen Dr. Stephen Strange. Auch in den Nebenrollen glänzt die Spitze Hollywoods: Tilda Swinton als The Ancient One, Chiwetel Ejiofor („12 Years A Slave“, „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“), Rachel McAdams („Sherlock Holmes“, „A Most Wanted Man“), der Golden-Globe-nominierte Michael Stuhlbarg („A Serious Man“, „Steve Jobs“) sowie der Däne Mads Mikkelsen („Casino Royale“, „Hannibal“).

Darum geht es bei Doctor Strange

Das Leben des weltberühmten Neurochirurgen Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ändert sich unwiederbringlich, als er seine Hände bei einem schweren Unfall derart schwer verletzt, dass eine Fortführung seiner Tätigkeit undenkbar ist. Die klassische Medizin stößt an ihre Grenzen und die Situation scheint ausweglos für Strange.

Dann erfährt er von einem Ort, der Heilung verspricht: dem geheimnisvollen Kamar-Taj. Vor Ort merkt er schnell, dass es kein Heilungszentrum im wissenschaftlichen Sinne ist, sondern ein magischer Ort voller Zauber und Hexerei. Hier werden Kämpfe gegen dunkle Mächte ausgetragen, die drohen unsere Welt zu zerstören.

In der Lehre bei The Ancient One erwirbt er magische Fähigkeiten, die es ihm ermöglichen die Welt zu verteidigen und zu schützen. Doch eine große Entscheidung muss er fällen: Kehrt er in sein altes Leben als angesehener reicher Arzt zurück, oder gibt er dieses auf, um als mächtigster Magier aller Zeiten die Welt zu retten…

Wir trafen Benedict Cumberbatch , Tilda Swinton und Regisseur Scott Derrickson zum Interview in Berlin mit zahlreichen Fragen im Gepäck.

bildderfrau.de: Mister Cumberbatch, beinähe hätte es nicht geklappt, dass Sie Doctor Strange spielen.

Benedict Cumberbatch: Das ist richtig. Ich wollte zunächst in London Hamlet spielen und stand genau während der angepeilten Dreharbeiten auf der Bühne. Marvel hat dann etwas gemacht, was sie noch nie gemacht haben: Sie haben die Dreharbeiten um mehrere Monate verschoben, damit ich mitwirken kann.

Wie haben Sie sich auf Ihre Rolle vorbereitet?

Ich habe vor meinem Studium in einem Kloster gelebt und aktiv Meditation praktiziert. In dieser Rolle half mir vor allem Yoga, um meine Körpermitte zu stärken und beweglicher zu werden, was ich bei den zahlreichen Stunts brauchte. Yoga hilft aber auch dem Kopf.

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Gerade in hektischen Momenten können wir alle mit etwas Übung innehalten, sei es mit kontrollierter Atmung oder mit etwas anderem, das einen ablenkt, wie mit den eigenen Kindern zu spielen oder mit Gartenarbeit. Diese Macht des Geistes ist jederzeit abrufbar, ob man sich nun gerade einen Kaffee holt und Schlange steht, oder wenn man mit der U-Bahn fährt.

Doctor Strange ist ein sehr arroganter Charakter. Wie arrogant schätzen Sie sich selbst ein auf einer Skala von 1 bis 10?

Ich stehe mir selbst zu nahe, um diese Frage zu beantworten. Das können meine Freunde und meine Familie deutlich besser beurteilen. Es verlangt sicher ein gewisses Maß an Selbstbeherrschung und Hingabe, um Schauspieler zu sein und eine Rolle auszufüllen, aber ebenso muss man auch hinter dem stehen, was man als Schauspieler tut, was durchaus als Arroganz aufgefasst werden kann. Zum Glück habe ich Menschen in meinem Leben, die mich auf den Boden der Tatsachen zurückholen, falls ich mich ganz in einer Rolle verliere.

Hatten Sie keine Bedenken nach Sherlock Holmes wieder einen Helden zu spielen?

Ich sehe es gar nicht so sehr als die Rolle eines Superhelden, sondern vielmehr als die Darstellung einer sich entwickelnden Figur. Ich habe die Original-Comics gelesen und die Arroganz von Doctor Strange ist wirklich abschreckend, stellt aber gleichzeitig eine Herausforderung dar.

Diese Figur in der Realität zu verankern, und zwar nicht nur in seiner Realität als Neurochirurg, sondern als Person, die auch verletztlich ist, ist schwierig. Im Vergleich zu vielen anderen Superhelden, die als Mutanten geboren wurden, handelt es sich bei Doctor Strange um einen Mann, der wirklich begreifen muss, zu was einer Person er sich wandelt.

Er muss dieselben Irritationen durchmachen, die jeder von uns durchmachen würde, wenn er in Kontakt mit übernatürlichen Kräften stünde. Gleichzeitig wollte ich ihn leiden lassen, damit er sich seine heldenhaften Momente wirklich verdient. Als Zuschauer verfolgt man die gesamte Wandlung von Doctor Strange: Am Anfang ist er ein vom Egoismus getriebener und gleichzeitig sehr einsamer Mann, dessen Ego vom Erfolg seiner Arbeit genährt wird.

Durch die zwei starken Frauen an seiner Seite, die ihm immer wieder in Erinnerung rufen, dass sich nicht alles um ihn kreist, wird er erst zum Superhelden, der sich dazu entscheidet, anderen zu helfen.

Fühlt es sich nicht ein wenig seltsam an sich selbst auf der Leinwand zu sehen?

Absolut, wobei es ja nicht um mich als Person geht, sondern vielmehr um das, was ich erschaffen wollte und was nun tatsächlich zu sehen ist. Es hat also nicht so viel mit Eitelkeit zu tun, sondern eher mit der Arbeit, die man geleistet hat. Trotzdem bin ich nicht so arrogant mir Filme mit mir selber nicht anzuschauen.

Es gibt zahlreiche Schauspieler, die sagen "Ich kann mir mich selbst nicht anschauen". Nehmt euch selbst nicht so wichtig, es haben so viele Tausend Menschen am Film mitgewirkt, schaut euch sie stattdessen an und achtet nicht so sehr auf euch selbst.

In Doctor Strange wird viel gezaubert und mit Übernatürlichem gearbeitet: Wenn Sie sich eine magische Kraft aussuchen dürfen, welche wäre es?

Das wäre der magische Feuerkreis, mit dem man durch andere Dimensionen reisen kann. Dann könnte ich jederzeit zu meiner Familie nach Hause. Eine schnelle Art zu reisen, ohne Flughafen-Security, das wäre toll.

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Miss Swinton, Sie spielen die Rolle von The Ancient One, also des Lehrmeisters. Im Marvel Originalcomic handelt es sich um die Figur eines tibetanischen Mentors. Warum wurde der Charakter umgeschrieben?

Tilda Swinton: Die Frage kann Scott Derrickson vermutlich viel besser beantworten, da er das Skript entsprechend umgeschrieben hat. Im Original, das 1963 geschrieben wurde, handelt es sich um einen alten tibetanischen Mann, was aus heutiger Sicht einem ziemlich überholter Stereotyp eines weisen asiatischen Mannes ist, der einen weißen Helden erleuchtet. Scott hat es sich auf die Fahne geschrieben, diese Stereotypen loszuwerden.

Scott Derrickson: Als ich die Rolle des Ancient One schrieb, hatte ich am Anfang noch eine asiatische Frau im Kopf, aber wusste auch, dass eine junge Asiatin in Lederkleidung höchstens der Traum eines jeden Fanboys werden würde. Also sollte es sich um eine mysteriöse, geheimnisvolle, starke, dominante Frau mittleren Alters sein.

Aber egal, wie sehr ich an der Rolle arbeitete: Mit einer asiatischen Schauspielerin im Kopf, würden wir das Klischee einer Dragon Lady nicht loswerden. Das gesamte Konstrukt eines weißen Mannes, der von einem Asiaten lernt, wie man ein Asiate ist, wirkte überholt und anstößig.

Also überlegte ich mir eine weibliche Rolle, die irgendwie über allem steht, so wie Tilda es tut. Hätte sie nicht zugesagt beim Film mitzuwirken, hätte ich den Charakter wohl erneut umgeschrieben.

Wann kam denn der Moment in dem Sie wussten, dass Sie unbedingt mitspielen wollen?

Tilda Swinton: Das war bei einem langen Kaffee-Treffen mit Scott, bei dem er mir den Film vorstellte, sodass dieser langsam Form annahm. Es klang so großartig, dass ich einfach wusste, dass ich mitwirken und den Film sehen wollte.

In Doctor Strange kommt der Gedankenkraft eine große Bedeutung bei. Haben Sie jemals Erfahrungen mit Geistheilung gemacht?

Tilda Swinton: Aus dem Stehgreif fällt mir kein konkreter Fall ein, aber unser Geist ist ein starkes Werkzeug. Wir können ihn negativ und sehr schädlich einsetzen, aber auch sehr positiv und heilend. Die positive Kraft muss allerdings trainiert werden, so wie ein Muskel. Ich habe schon vor vielen Jahren meinen ersten Kontakt mit Meditation gehabt und ich versuche meine Achtsamkeit täglich zu praktizieren.

Viele Ihrer Filme sind sehr künstlerisch und werden als Arthouse Filme kategorisiert. Was inspiriert Sie?

Tilda Swinton: Vor allem sind es meine Freundschaften. Filme sind oft in Zusammenarbeit mit Freunden entstanden und ich verstehe mich beim Filmentstehungsprozess als Mitarbeiter. Fast alle Filme entstanden aus Unterhaltungen heraus, vor allem mit Freunden. So entsteht die Idee und wird konstant weiterentwickelt.

Scott Derrickson habe ich schon einmal kurz zuvor kennengelernt, bevor er fragte, ob wir nicht einen Kaffee zusammen trinken wollen, damit er mir von seinem laufenden Filmprojekt erzählen könnte. Er sagte gleich zu Beginn, dass das Skript und die Finanzierung schon stehen, auch die Produktion sei bereits in trockenen Tüchern, aber er möchte, dass ich mitspiele.

Das war tatsächlich ein Ausnahmefall für mich, denn normalerweise sitze ich an einem kleinen Tisch mit Freunden beim Gespräch und wir diskutieren, was wir als nächstes machen möchten. Das ist der Moment, in dem eine Idee entsteht, aus der ein Skript entsteht, wie losziehen, um Geld für den Film zu sammeln und ihn schlussendlich machen. So sieht meistens meine Arbeit als Künstlerin aus.

Warum wurde der Schauplatz von Tibet nach Nepal verlegt?

Scott Derrickson: Entgegen aller Gerüchte schwöre ich, dass das nichts damit zu tun hatte, um auf dem chinesischen Markt besser zu stehen. Stattdessen waren schlechte Klischees auch hier der Grund, den Schauplatz zu verlegen. Einen steilen Berg zu erklimmen, um mit dem Meister zu sprechen wirkte einfach falsch. Stattdessen hat uns die einzigartige Stimmung in Kathmandu gefesselt.

Schlussendlich hat aber auch Benedict Cumberbatch sehr für Nepal geworben in Anbetracht des Erdbebens, da der Filmdreh viel Gutes Nach Nepal bringen würde, zum Beispiel Tourismus und Aufmerksamkeit. So ist uns auch ein Gleichgewicht zwischen westlichen und östlichen Städten gelungen durch das Zusammenspiel aus London, New York, Hongkong und Kathmandu.

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Hat die Spiritualität Kathmandus einen nachhaltigen Effekt auf Sie gehabt?

Scott Derrickson: Kathmandu hat etwas so Inspirierendes an sich, trotz der Armut und der Menschenmengen. Gleichzeitig gibt es ein durchdringendes Gefühl von Frieden dank der Aufgeschlossenheit und der Menschen, die man trifft. Kathmandu ist eine religiöse Stadt und vor allem hinduistisch und buddhistisch geprägt. Beide Religionen existieren nebeneinander und machen die Stadt zu einem Ort, der seinesgleichen sucht.

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