07.07.2016

Interview So schön kann eine Schwangerschaft im Internet sein...

Nirmalarajah Asokan

Eine Schwangerschaft zum Miterleben: Labellda auf Instagram.

Foto: instagram.com/labellda

Eine Schwangerschaft zum Miterleben: Labellda auf Instagram.

Laura ist hochschwanger, lebt in der Türkei und ist der Instagram- und Youtube-Star hinter den beliebten Social-Media-Kanälen zu LABELLDA.

bildderfrau.de: Würden Sie sich bitte kurz unseren Leser/innen vorstellen und uns erzählen, was Sie hauptberuflich machen?

Laura Y.: Ich heiße Laura, bin 25 Jahre alt und gelernte Personalberaterin. Während meines anschließenden BWL Studiums habe ich mich umorientiert und bereite mich aktuell auf die Prüfung der Heilpraktikerin vor, da ich mich in diesem Bereich auch selbstständig machen möchte – nun erwarten wir im Juli unseren ersten Sohn und ich hoffe, dass sich das ganze zeitlich weiterhin so gut einrichten lässt.

Sie sind bekannt auf Youtube und Instagram für Ihren Kanal „Labellda“. Wofür steht der Name und was versteckt sich genau dahinter?

Richtig, ich habe mir bewusst sehr viele Gedanken gemacht, unter welchem Namen ich in die Online-Welt treten möchte. Wenn ich an die früheren Lokalisten oder MSN Zeiten denke, muss ich schmunzeln, welche Nicknames ich hatte. Mir war ein Name wichtig, der individuell ist und mit meiner Person zu tun hat – nicht zu lang – und einen schönen leichten Klang hat, der nicht allzu kompliziert ist.

Mein Rufname ist Laura - mein Zweitname Isabella. Da im italienischen Bella für die Schönheit steht und ich damals auf Youtube mit dem Beauty-Content angefangen habe, wollte ich meinen Zweitnamen auch integrieren. Die Kombination aus meinem Ruf-Zweitnamen und meinem Nachnamen hat letztendlich den Namen Labellda ergeben, womit ich bis heute sehr zufrieden bin.

An wen richtet sich Ihr Youtube-Kanal und welche Informationen erwarten Besucherinnen dort?

Anfangs wollte ich die reine Beautyschiene fahren, die erstaunlicherweise auch sehr gut funktioniert hat – ein Haartutorial beispielsweise hat mittlerweile fast 2 Millionen Klicks – unglaubliche Vorstellung, dass hinter dieser Zahl Menschen sind, die sich das Video angeschaut haben, oder knapp 70.000 Menschen durch meine Roomtour wissen jetzt, wie unsere Wohnung aussieht.

Trotzdem habe ich meine Grenzen und überlege mir fünfmal wie ich was in die Online-Welt stelle. Da der Beauty-Content mittlerweile sehr verbreitet ist, möchte ich mich mit meinen Themen in Zukunft etwas absetzen und auf meine Erfahrungen mit der Auswanderung und dem vielen Umziehen mit allen Vor- und Nachteilen näher eingehen – es freut mich auch sehr, dass großes Interesse vonseiten meiner Abonnenten besteht.

Auch meine bisherigen Videos zu meiner Schwangerschaft werden mittlerweile fast lieber geschaut als der Beauty-Content und da dies jetzt zu meinem Leben gehört möchte ich auch dort tiefer eingehen und mich mit der tollen Community austauschen, was das bevorstehende Leben mit Kind so mit sich bringt. Dennoch möchte ich auch meinen längeren Abonnenten treu bleiben und sie mit meinen persönlichen Empfehlungen und Beauty-Tipps immer wieder updaten.

Mit über 57.000 Abonnenten auf Youtube und über 41.000 auf Instagram gehört Labellda zu den derzeit beliebtesten Kanälen zum Thema Schwangerschaft und werdende Mütter. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Da ich mir durch Youtube eine gewisse Reichweite aufgebaut habe und erst seit Kurzem öffentlich ein Profil auf Instagram pflege - sind natürlich einige Abonnenten zu dem Instagram Account geswitcht, die mich auch vor meiner Schwangerschaft gekannt haben.

Da ich einen sehr großen Nestbautrieb entwickelt habe (grinst), habe ich angefangen, Bilder von der Vorbereitung und Einrichtung für meinen Prinzen online zu stellen und somit sind auch mehrere Mütter auf meinen Account aufmerksam geworden. Auch habe ich mich mit anderen Mamis zusammengetan, die ich sehr inspirierend fand, da sie von ihrem Alltag mit Kind berichten – diese habe ich in einem Youtube Video vorgestellt.

Mittlerweile hat sich meine Community auch etwas geändert, es sind mehrere Mütter und auch schwangere Frauen die sich gerne austauschen – darüber bin ich sehr dankbar für jeden gutgemeinten Tipp – dennoch sind auch einige meiner jüngeren Zuschauer und Abonnenten geblieben, die sich trotzdem mit mir mitfreuen und mich weiterhin verfolgen.

Warum haben Sie die anderen großen Social Media Plattformen Twitter und Facebook bislang eher vernachlässigt?

Social Media nimmt oft sehr viel Zeit in Anspruch. Das sollte man nicht unterschätzen. Ich versuche mich in den Austausch der Kommentare – sei es auf Youtube oder auch auf Instagram zu integrieren – dieser Austausch ist mir sehr wichtig. Wenn sich jemand die Zeit und Mühe macht, mir Tipps zu schreiben oder auch nette Worte, möchte ich auch, soweit es mir möglich ist, darauf eingehen oder auch offene Fragen versuchen zu klären.

Dennoch habe ich auch ein Privatleben, das mir sehr wichtig ist – daher habe ich neben der Zeit online auch meine persönlichen Zeiten offline. Klar war ich auch mal privat auf Facebook zu finden, aber die stetigen Veränderungen und wie sich diese Plattform entwickelt hat – haben mir nicht zugesprochen. Daher möchte ich aktuell keine zusätzliche Energie darin investieren. Und Twitter hat mich irgendwie nie so richtig gereizt (lacht).

Jedoch habe ich Snapchat für mich entdeckt. Das ist meiner Meinung nach viel authentischer durch die Spontanaufnahmen und man kann schneller mal ein Thema ansprechen und den Charakter einer Person besser einschätzen. Das ist fast meine Lieblingsplattform

Das Babythema boomt derzeit im Internet – über welche Themen tauschen sich Schwangere online bevorzugt aus?

Vor allem tauschen wir Schwangere uns gerne über unsere derzeitigen Gemütszustände, Veränderungen und aktuellen Stand der Schwangerschaft aus – geben und nehmen Tipps. Zeigen gerne stolz unsere neuen Errungenschaften und besprechen, was denn alles in eine Kliniktasche muss – welche Erstausstattung (Kinderwagen, Babyklamotten, Flaschen) für die Babys sinnvoll ist.

Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedliche Erfahrungen, Meinungen und Tipps ausgetauscht werden. Letztlich entscheidet jedoch jede Mama für sich, was die beste Lösung für sie ist. Aber auch Gedankengänge und Ängste werden angesprochen. Und natürlich dürfen auch die üblichen Frauenthemen wie die Gewichtszunahme, Vorbeugung von Wassereinlagerungen oder den Tigerstreifen nicht fehlen - bis hin zu der Frage, was zieht man als schwangere Frau an. Ich bekomme auch oft private E-Mails oder Nachrichten, die mir detaillierter ihre momentane Situation schildern oder mir zusätzliche Tipps geben – das schätze ich genauso sehr.

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Was fasziniert die Netzgemeinde am Mitverfolgen einer Schwangerschaft einer Vloggerin? Sind die sozialen Medien der neue virtuelle Ort für den Kaffeeklatsch werdender Mütter?

Diese Beschreibung trifft es eigentlich sehr gut. Ich selbst interessiere mich auch für die Schwangerschaften anderer und verfolge einige selber mit. Ich denke, es ist so interessant für uns, da man auf die Weise schnell Gleichgesinnte findet, sich Inspirationen holen kann und auch als stille Leserin an dem Austausch der Mütter teilnehmen kann.

Ich persönlich finde es schön, wenn man jemanden einen längeren Zeitraum verfolgt und dann das Baby endlich da ist – man freut sich irgendwie mit – obwohl man die Personen gar nicht kennt. Traurig finde ich nur, wenn Frauen verurteilend und ohne nachzudenken, schnell was in die Tasten tippen und somit einen Kaffeeklatsch in einen Lästerclub verwandeln.

Manchmal habe ich leider das Gefühl, dass gerade in dem Bereich eine Art Konkurrenzdenken herrscht – anstatt ein Miteinander. Ich muss aber sagen, dass ich bisher eine tolle Community habe, die nicht an Lästereien, Verurteilungen oder Beleidigungen interessiert sind. Meine Mama hat mich jedoch schon gewarnt, dass da noch einiges auf mich zukommt, wenn der Kleine erst mal da ist – und das gilt nicht nur für die virtuelle Welt (lacht)... aber das gehört wohl dazu. Dennoch liebe ich auch den persönlichen Austausch mit meinen schwangeren Freundinnen bzw. denen, die schon ihre Babys haben – das gibt den perfekten Ausgleich.

Welche Tipps würden Sie anderen Youtubern und Instagramern geben, um natürlich und ungezwungen in den sozialen Medien aufzutreten und ihr Wissen zu teilen?

Das werde ich öfter gefragt, gerade Leute die mit Youtube anfangen möchten. Den optimalen Tipp hab ich dafür gar nicht. Man sollte sich immer bewusst sein, was man von sich preisgibt und was man lieber privat halten möchte. Ich denke wenn man aber mit Leidenschaft an das ganze Thema rangeht und sich einen Bereich aussucht, für den man sich interessiert und mit dem man sich identifizieren kann – kommt der Rest mit der Zeit von alleine.

Auch ich lerne immer wieder was Neues dazu – und habe meine Lieblings-Vlogger von denen ich mich inspirieren lasse. Im Großen und Ganzen sollte man aber seinen eigenen Weg finden und eher auf sich schauen und nicht allzuviel nach links und rechts.

Sie leben mit Ihrem Mann in der Türkei. Warum haben Sie sich dazu entschieden, ins Ausland auszuwandern?

Mein Mann muss für einen gewissen Zeitraum aufgrund seines Berufs viele Orte wechseln. Wir sind schon sehr früh innerhalb von Deutschland weggezogen – da war ich 19 jahre alt – das war nicht immer einfach. Damals war ich frisch mit der Ausbildung fertig, hatte noch keine Kinder und dachte mir – wenn nicht jetzt wann dann? Mir war es wichtig, dass ich nebenbei immer flexibel was Eigenes machen kann. Somit habe ich neben meinem Studium eine Schulung zur Wimpernstylistin gemacht und das konnte ich gut von überall ausführen. Ich finde die Zeit sehr spannend und bin dankbar, viele neue Leute, Orte, aber auch Kulturen kennenlernen zu dürfen. Dennoch macht mich der Gedanke glücklich, in ein paar Jahren sesshaft zu werden und unseren Sohn in München einzuschulen.

Was würden Sie anderen Frauen raten, die planen ins nahe Ausland auszuwandern? Welche Gefahren oder Vorteile birgt die Fremde?

Gefahren kann ich keine Bestimmten nennen, da ich mit keinen bisher in Verbindung gekommen bin – weder in Deutschland noch im Ausland. Gefahren können jedoch leider überall, egal wo und egal wie lauern und kann man nicht beeinflusssen. Auch als Frau im Ausland habe ich bisher keine Gefahren feststellen können, die mich persönlich betreffen.

Nachteile gibt es jedoch schon. Beispielsweise kommt an erster Stelle die Familie die man nicht mehr so schnell sehen kann und dadurch mehr vermisst. Man muss sich ein komplett neues soziales Umfeld schaffen – damit habe ich aber bisher keine Probleme gehabt und das kommt meistens von alleine. Die Sprache ist ein ganz großer Faktor mit dem man sich auseinander setzen sollte. Ich verstehe mittlerweile die Inhalte und kann mich mit Händen und Füßen auch irgendwie verständigen.

Ich persönlich musste mich an die Organisation hier im Ausland gewöhnen. Man ist schon sehr verwöhnt, was dies anbelangt, wenn man aus Deutschland kommt – auch wenn ich das zum Zeitpunkt, als ich noch nicht ausgewandert bin, nicht so zu schätzen wusste. Auch ein paar typisch deutsche Lebensmittel fehlen mir hier – vor allem eine Bäckerei wie man sie aus Deutschland kennt – mit Brezeln, Semmeln und leckerem Sonnenblumenbrot. Aber dafür gibt es hier eine ausgezeichnete Frühstückskultur die fast keine Wünsche offen lässt und fast einem Mittagessen gleicht.

Die Vorteile, die ich abgesehen von dem Essen hier sehr schätze, ist unter anderem die Spontanität. Man kann beispielsweise einfach zu einem Tierarzt – ohne vorher einen Termin auszumachen und man kommt sehr schnell dran. Auch haben die Geschäfte und Malls sehr lange Öffnungszeiten - sogar sonntags. Man kann kleine Supermärkte finden, die 24 Stunden am Tag geöffnet sind.

Wenn mal den Schlüsseldienst benötigt, oder sogar die Waschmaschine kaputt geht, sind die Arbeiter innerhalb weniger Stunden da und regeln alles ganz fix am selben Tag und kostengünstig im Vergleich zu Deutschland. Die Menschen sind sehr hilfsbereit und gastfreundlich und das stetig gute Wetter macht super Laune. Man kann viel Positives von anderen Kulturen lernen und wird weltoffener – was für mich ein wertvolles Gut ist.

Wie schwierig ist eine Schwangerschaft im Ausland zu bewältigen im Vergleich zu Deutschland?

Das ist tatsächlich eines der wenigen Themen die mich länger beschäftigt haben. Hier gibt es keine klassischen Vorbereitungskurse wie man sie aus Deutschland kennt – und wenn dann nur auf türkisch. Auch die klassische Hebammenbetreuung wie wir sie aus Deutschland kennen ist hier nur sehr schwer, bis gar nicht zu finden, da die Hebammen kein Englisch können und ich für diesen Bereich zu wenig Türkisch.

Mein Mann übersetzt natürlich alles – aber man kommt sich dennoch etwas hilflos vor. Umso mehr schätze ich den Austausch über Social Media und die Möglichkeit, sich viele Infos in Form von Videos und Texten im Internet anzueigen. Die Untersuchungen und der Ablauf ist jedoch nahezu identisch wie in Deutschland – nur einen Mutterpass haben meine Ärzte zum ersten mal hier gesehen – tragen aber dennoch fleissig alles ein. (lacht)

Ich habe mich sehr intensiv mit den Kliniken hier auseinandergesetzt und habe mir ein tolles englischsprachiges Team zusammengestellt, die mich mittlerweile die letzten Wochen betreuen – das gibt mir ein sichereres Gefühl. Die Überlegung in Deutschland zu entbinden, hatte ich auch in Erwägung gezogen – mich letztlich aber bewusst dagegen entschieden.

Ich möchte nach der Klinik in mein Zuhause und das ist hier im Ausland – unsere eigenen vier Wände – mein Nestchen welches ich monatelang vorbereitet habe und mein jetziges gewohntes Umfeld. Mit dem Gedanke nach der Entbindung eine Reise vor mir zu haben mit meinem Neugeborenen Kind konnte ich mich nicht anfreunden. Und wochenlang bei meinen Eltern zu Besuch zu sein und die ersten Lebenswochen unseres Sohnes ohne meinen Mann zu erleben, hat mich traurig gemacht. Daher habe ich auf mein Herz gehört und fühle mich wohl mit meiner Entscheidung.

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