24.11.2016

NEUES SCHÖNHEITSIDEAL Models mit Schönheitsmakeln starten durch

Brigitta Langhoff

Desigual war das erste Label, dass Model Winnie Harlow trotz ihrer Hautkrankheit eine Chance gegeben hat.

Foto: iStock/Samaro

Desigual war das erste Label, dass Model Winnie Harlow trotz ihrer Hautkrankheit eine Chance gegeben hat.

Models müssen schön sein, keine Frage. Aber der Rest hat sich mittlerweile (und Gott sei Dank!) gewandelt. Alter, Konfektionsgröße und Hautfarbe spielen keine Rolle mehr. Models mit Makeln sind in!

Der Beruf Model gilt bei vielen jungen Mädchen und Frauen immer noch als einer der beliebtesten Berufe. Nicht umsonst geht „Germany’s Next Topmodel by Heidi Klum“ 2017 bereits in die 12. Staffel. Wer mindestens 1,76 Meter groß, schlank, eine makellose Haut, ein hübsches Gesicht und das gewisse Etwas hat, hatte bisher gute Chancen auf den ganz großen Laufstegen der Modewelt mitzulaufen. Mittlerweile hat sich der typische Model-Klischee-Look jedoch verändert. In Mode sind nämlich plötzlich auch Models der etwas anderen Art: Egal ob dick, alt, behindert, mit buschigen Augenbrauen oder fleckiger Haut, Models mit Schönheitsmakeln sind total in!

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Reine Hautsache

Derzeit in aller Munde ist vor allem Winnie Harlow alias Chantelle Young-Brown (22). Aufgrund ihrer Vitiligo-Krankheit ist ihre dunkle Haut mit weißen, ungewöhnlich symmetrischen Flecken übersäht. Ein Alleinstellungsmerkmal, das ihr einen enorm großen Erfolg als Model verschafft hat. Nach ihrer Teilnahme bei „America’s Next Topmodel“ 2014, wo sie nur den sechsten Platz belegte, folgten erste Jobs. Die spanische Mode-Marke Desigual buchte Chantelle für ihre Show. Mittlerweile ist sie sogar Markenbotschafterin. Für das Model ein Triumph. „Beim ersten Mal haben sie mich engagiert, weil ich anders bin. Es ging um meine Geschichte. Aber jetzt steht meine Arbeit im Vordergrund. Es geht um mich als Model“, erklärt sie im Interview mit Spiegel-Online. Desigual begründet seine Entscheidung so: „Wir finden, dass Definition von Schönheit sich nicht aus etwas Exotischem, Eigenartigem oder anderem zusammensetzt, sondern als etwas Wesentliches gesehen werden soll. Chantelle ist unser Maßstab für Schönheit.“ Die 22-Jährige sei eine Inspiration, ein Statement und der lebende Beweis, „dass Anderssein schön ist“. Sie selbst hat mit dieser Entwicklung eigentlich nie gerechnet. In der Schule wurde sie immerhin als Kuh und Zebra beschimpft.

Auch Shaun Ross (25) gilt auf dem Catwalk als absoluter Exot. Das Besondere an ihm: Er ist ein afro-amerikanischer Albino. Weiße Haut, weiße Haare und rote Augen sind sein Markenzeichen. Obwohl er es anfänglich schwer im Modelbusiness hatte, wurde 2008 die Designerin Nina Athanasiou auf ihn aufmerksam. Seitdem hatte er Modelaufträge für GQ, Italian Vogue, i-D, Paper Magazine und AnOther Magazine und modelte für Alexander McQueen oder Givenchy.

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Buschig kommt gut an

Natalia Castellar (17) aus Puerto Rico wurde jahrelang wegen ihrer buschigen Augenbrauen gehänselt. „Als ich jünger war, kommentierten alle ständig meine Augenbrauen. Ich wurde schrecklich gehänselt, weil sie so dicht und lang waren. Ich wollte sie irgendwann einfach nur noch abrasieren. Heute ist es mir egal, ob sie im Trend liegen oder nicht - ich liebe meine Brauen. Sie sind mein Markenzeichen und ich wünschte, ich hätte früher gelernt sie zu akzeptieren“, erklärt der Teenager offen. Und der Erfolg gibt ihr Recht, denn mittlerweile ist sie bei Next Models, eine der anerkanntesten Agenturen, unter Vertrag und arbeitet erfolgreich als Model. Und sie ist nicht die einzige. Auch Cara Delevingne (24) hat dank ihrer vollen Brauen einen besonderen Look – der total angesagt und super beliebt bei Designern und Brands ist.

Von wegen alte Schachteln

Blutjung muss man als Model aber auch nicht mehr sein. Immer mehr Designer greifen bei ihren Shows auf alte Models zurück. Zugegeben, Twiggy (67), Joni Mitchell (73), Joan Didion (81), Lauren Hutton (73), Iman (61) und auch Christie Brinkley (62) sehen für ihr Alter super aus, doch dass sie mit 60+ immer noch dick im Geschäft sind, ist ein gutes Zeichen und ein absoluter Fortschritt in der Modebranche.

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Dick im Geschäft

Dass selbst die Traum-Maße von 90-60-90 nicht mehr ausschließlich in Mode sind, beweist Ashley Graham (28). Sie ist DAS Gesicht für Plus-Size und zierte Anfang 2016 sogar schon das Cover der legendären „Swimsuit“-Ausgabe der Sports Illustrated, welches Heidi Klum 1998 zum absoluten Durchbruch verhalf. Und das mit den Maßen 97-76-116 und bei einer Größe von 1,75 Metern. Ashley ist der Beweis dafür, dass auch die Modewelt begriffen hat, das die Mehrheit der Frauen eben keine Modelmaße haben, sondern Kurven und Wohlfühlpfunde.

Behindert aber nicht verhindert

Etwas ganz besonderes im Model-Olymp ist Madeline Stuart. Die 19-Jährige hat nämlich das Down-Syndrom. Obwohl sie selbst jahrelang die Ausgrenzung der Gesellschaft spürte, beschloss sie ihr Leben in die Hand zu nehmen – mit Sport und gesunder Ernährung schaffte sie es, ruckzuck abzunehmen. Seitdem lief sie bereits zweimal bei der prestigeträchtigen New York Fashion Week über den Catwalk und ihr Instagram-Account weist mehr als 120.000 Abonnenten auf. Ihre Mutter schreibt auf ihrer Webseite: „Sie will, dass die Menschen sehen, dass das Down Syndrom ein Segen ist. Etwas, das man feiern sollte. Sie liebt die Kamera! Die Leute sollten sehen, wie sie vor der Kamera strahlt und ihre gesamte Persönlichkeit förmlich aus ihr herausbricht.“

Handicap macht sexy

Mario Galla (31) gehört mittlerweile zur deutschen Männer-Model-Riege. Das Besondere an ihm: Er trägt eine Beinprothese, weil er mit einem verkürzten Oberschenkelknochen zur Welt kam. 2007 wurde er in einem Hamburger Schnellimbiss entdeckt. Zwei Monate später hatte er bereits seinen ersten Job für Hugo Boss. 2010 war er während der Berliner Fashion Week bei der Show von Michael Michalsky in kurzen Hosen zu sehen, was für großes Aufsehen sorgte. Bis dato waren Models mit Behinderungen in Deutschland nämlich noch nicht wirklich salonfähig. Aimee Mullins (40) hat das jedoch ebenfalls nicht von einer Model-Karriere abgehalten. Aufgrund eines Gendefekts ist sie auf zwei Beinprothesen angewiesen. Doch die Amerikanerin hat sich bereits Ende der 90er Jahre ihren Weg als Schauspielerin, Leichtathletin und Model geebnet.

Dies sind nur einige Beispiele, die eindrucksvoll beweisen, dass sich die Modewelt dem Zeitgeist langsam aber sicher anpasst. Mit der tollen Botschaft: Schönheit hat einfach viele Gesichter – eben auch welche mit Makeln!

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Brigitta Langhoff

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